Washington - US-Behörden ziehen bei der Aufarbeitung der Finanzkrise die Großbank JP Morgan zur Verantwortung. Gegen die größte US-Bank ist erneut Klage wegen des Verkaufs hochriskanter Immobilienpapiere erhoben worden. Die amerikanische Regulierungsbehörde National Credit Union Administration (NCUA) erklärte, das Geldhaus sei für falsche Angaben bei dem Verkauf von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren im Volumen von 2,2 Milliarden Dollar verantwortlich. Diese Geschäfte hätten zum Zusammenbruch dreier Genossenschaftsbanken geführt.
Die strittigen Geschäfte wurden vom Bankhaus Washington Mutual getätigt, das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 von JP Morgan gekauft worden war. Die NCUA wirft der Bank vor, mit dem Verkauf der Derivate Börsengesetze gebrochen zu haben.
Washington Mutual und JP Morgan als Mutterkonzern hätten die drei Genossenschaftsbanken U.S. Central, Western Corporate und Southwest Corporate getäuscht, indem sie ihnen die hochriskanten und komplexen Papiere verkauft hätten, erklärte die NCUA. Der Charakter der Derivate sei in vielfacher Hinsicht falsch dargestellt und wichtige Informationen verschwiegen worden. Die drei Genossenschaftsbanken seien infolge der Geschäfte insolvent geworden und mussten unter Aufsicht der NCUA gestellt werden. Schließlich seien sie wegen der Verluste durch die Papiere abgewickelt worden.
Es sei extrem teuer gewesen, den Schaden, der durch die Geschäfte von Geldhäusern wie Washington Mutual entstanden sei, einzudämmen und zu reparieren, sagte NCUA-Chefin Debbie Matz. Diese Arbeit sei noch immer nicht abgeschlossen. Alle von der NCUA beaufsichtigten Genossenschaftsbanken hätten diese Bürde mittragen müssen. "Es ist daher nur richtig, dass die Leute, die den Schaden verursacht haben, für die Aufräumarbeiten herangezogen werden."
JP Morgan muss sich mehrerer Klagen erwehren
Es ist bereits die dritte Klage der NCUA gegen JP Morgan wegen der umstrittenen Hypothekengeschäfte, die für die globale Finanzkrise mitverantwortlich gemacht werden. Im Dezember verklagte die Aufsichtsbehörde das Geldhaus wegen Hypothekengeschäften über 3,6 Milliarden Dollar der Investmentbank Bear Stearns, die JP Morgan im März 2008 auf Geheiß der Regierung hastig übernommen hatte. Bereits im Juni 2011 wurde JP Morgan wegen eigener Hypothekengeschäfte im Volumen von 1,4 Milliarden Dollar von der NCUA verklagt. Beide Verfahren laufen noch.
Ähnliche Verfahren im Zusammenhang mit der Bündelung von Hypothekenkrediten zu Wertpapieren während des US-Wohnbaubooms hat die NCUA auch gegen andere Institute wie Goldman Sachs
, Barclays
, die Royal Bank of Scotland
, Credit Suisse
und UBS
eingeleitet. Entsprechende Forderungen der Behörde gegenüber der Deutschen Bank
, der Citigroup
und der HSBC
wurden mit Vergleichen geregelt. Nach dem Platzen der Blase am US-Immobilienmarkt wurden die meisten mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos und brockten ihren Besitzern hohe Verluste ein.
mmq/Reuters/AFP
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