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Überhöhte Preise: Auch JP Morgan wird wegen Aluminium-Wuchers verklagt

Zentrale von JP Morgan in New York: Rückzug aus Rohstoffhandel Zur Großansicht
AFP

Zentrale von JP Morgan in New York: Rückzug aus Rohstoffhandel

Erst Goldman Sachs, nun JP Morgan: Binnen einer Woche wird bereits die zweite US-Großbank wegen umstrittener Geschäfte mit Aluminium verklagt. Ein Hersteller von Fensterrahmen und ein Dosengetränke-Konsument beschuldigt das Geldhaus und weitere Firmen des Wuchers und der Kartellbildung.

Singapur - In den USA bekommt nach Goldman Sachs nun JP Morgan juristischen Ärger wegen angeblich überhöhter Aluminiumpreise. Ein Hersteller von Aluminium-Fensterrahmen aus Florida sowie ein "Konsument von Dosengetränken" reichten am Dienstag in den USA eine Klage gegen JP Morgan und den Rohstoffhandelskonzern Glencore ein. Zudem richtet sich die Klage auch gegen Goldman Sachs und die Londoner Metallhandelbörse LME, die bereits von einem Aluminiumverarbeiter verklagt worden sind.

Den Firmen wird Wucher sowie die Beteiligung an einem Kartell vorgeworfen. Der Druck auf die Banken, die eigene Lagerstätten betreiben, hat sich zuletzt ohnehin deutlich erhöht. Auch LME verwaltet ein weltweites Netz von Lagerhäusern. Aufsichtsbehörden leiteten Untersuchungen ein, aus der Politik kam scharfe Kritik an dem Geschäftsmodell.

In der vor kurzen eingereichten Klage gegen Goldman Sachs Chart zeigen und LME wird den Firmen wettbewerbswidriges Verhalten vorgeworfen. Kunden vermuten, dass die Unternehmen Wartezeiten künstlich verlängern, um höhere Preise zu erzielen und die Mieten für die Lagerhausbetreiber in die Höhe zu treiben. Zum Teil müssen die Kunden bis zu ein Jahr lang warten, bis sie die Waren erhalten. Das soll laut Berechnungen der Brauerei MillerCoors die Verbraucher pro Jahr drei Milliarden Dollar gekostet haben.

Beschuldigte verweisen auf relativ niedrige Alu-Preise

Unter anderem sollen beteiligte Unternehmen einem Bericht der "New York Times" zufolge ein sogenanntes Alu-Karussell betreiben. Dazu könnte auch der Trick gehören, durch regelmäßige Transporte zwischen den Lagerstätten Auflagen zu umgehen, die übermäßig lange Lagerzeiten verhindern sollen. Andere Vorwürfe lauten, dass die Banken dank ihrer Lager an Insiderwissen über die Entwicklung auf dem Rohstoffmarkt gelangen könnten.

Goldman Sachs hält die Vorwürfe für gegenstandslos, sagte ein Sprecher. Das Leichtmetall sei derzeit 40 Prozent billiger als vor sieben Jahren. Als Reaktion auf die Klage des Aluminiumverarbeiters hatte Goldman den Alu-Kunden einen sofortigen Zugang zu den Lagern ermöglicht. Ein Sprecher von JP Morgan sagte, es gebe keine Schlangen vor den Metalllagern. Glencore und die Muttergesellschaft der LME lehnten eine Stellungnahme ab.

fdi/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Alles gut!
uezegei 07.08.2013
Alles gut für "die Märkte" und für die Menschen und Verbraucher. Schließlich verrichten die Gottes Werk. Da ist einem ja sogar bald der Teufel lieber, als diese Himmelsbrut.
2.
günther0815 07.08.2013
diese JP manager gehören für lange zeit hinter gitter! mal verfolgen was da passiert..
3.
Becks0815 07.08.2013
"Alles gegenstandslos" und wahrscheinlich nach Aussage von JPM nur "ein Sturm im Wasserglas". Liest man das hier ist die Lage etwas anders: Goldman Sued For Monopolizing US Aluminum Warehousing Market | Zero Hedge (http://www.zerohedge.com/news/2013-08-04/goldman-sued-monopolizing-us-aluminum-warehousing-market) "The LME's monopoly over the trading of aluminum forward or futures contracts in the United States during at least February 1, 2010 until the present (“Class Period”) included capturing approximately 97-99% of the trading in such contracts. The LME has approved and made agreements with the LME certified warehouse owners who held, due to the unlawful conduct alleged herein, a growing portion of the aluminum stored in the United States. This is estimated to be 50% or more of all such aluminum in warehouse storage in the U.S. and a significantly greater percentage of all the aluminum in those parts of the U.S. that purchase and sell aluminum on the Midwest Premium or Platts MW Premium" "Goldman, by itself, stores approximately well over 50% of the aluminum stored in warehouses located in those parts of the U.S. that transact based on the Midwest Premium or Platts MW Premium. (a) Through an interconnected series of agreements in unreasonable restraint of trade, Goldman and the LME restrained approximately 1.5 million tons of aluminum in LME Detroit Warehousing. (b) This constitutes more than 75% of the LME aluminum in storage in the United States. It is estimated to constitute more than 50% of the total aluminum in warehouse storage in the United States. As a result of the large amount of aluminum in storage in Goldman’s LME Detroit Warehousing and Defendants unlawful agreements, it reportedly took in June 2013 as long as sixteen months for a customer to receive their aluminum from the time they order such aluminum to be loaded out of the Detroit warehouse until the time of actual delivery." Strich drunter: Auf der einen Seite sitzt man als Bank und verscherbelt Aktien und Futures, auch am Rohstoffmarkt. Auf der anderen Seite hat man selbst eine Monopolstellung bei den physikalischen Vorräten. Da muss man nur eins und eins zusammenzählen dass man beides kombinieren und Vorräte sowie Kurse entsprechend den eigenen Wünschen zumindest in einem gewissen Umfang korrigieren und auch so vorhersehen kann.
4. Preise
sevitas 07.08.2013
Dieser Artikel, ist wie so viele im Spiegel natürlich miserabel recherchiert. Die Aluminiumpreise sind in den letzten beiden Jahren von 2.500 USD per t auf ca 1.800 USD gefallen. Die meisten Kontrakte in der Industrie werden zwischen Produzenten und Konsumenten direkt abgeschlossen. Es wurden große Mengen Aluminium eingelagert, da man a) mit dem Contango Geld verdienen konnte und b) die Nachfrage infolge von Mehrproduktion nicht hoch genug war, um diese im Markt zu verkaufen. Die Produktionskosten per t Aluminium liegen für 30 - 40 Prozent der Erzeuger bei ca 2.000 USD Cash Kosten, so daß man erwarten kann, dass demnächst Elektrolysen zurückgefahren werden und dadurch eine Verknappung entsteht und die Preise wieder hochgehen.
5. So schön, schön, schön ist die Welt
zzzuck 07.08.2013
Zitat von sysopAFPErst Goldman Sachs, nun JP Morgan: Binnen einer Woche wird bereits die zweite US-Großbank wegen umstrittener Geschäfte mit Aluminium verklagt. Ein Hersteller von Fensterrahmen und ein Dosengetränke-Konsument beschuldigt das Geldhaus und weitere Firmen des Wuchers und der Kartellbildung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/klagen-gegen-jp-morgan-und-glencore-wegen-ueberhoehter-aluminium-preise-a-915254.html
Das Gleiche passiert mit Lebensmitteln. ...so schööön.
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