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Klammes Emirat: Dubai-Krise stürzt Aktienmärkte tief ins Minus

Vom Boom-Staat zum Krisenkandidaten: Das Emirat Dubai steckt in schweren Geldnöten. Die Scheichs können Kredite nicht rechtzeitig zurückzahlen, weltweit reagieren die Börsen mit Kursabschlägen. Besonders Finanztitel geraten unter Druck. Schon fürchten die Märkte ein neues Bankenbeben.

Dubai - Die Geldnöte des einstigen Boom-Emirats Dubai haben am Donnerstag Ängste vor einer neuen Welle der Finanzkrise ausgelöst, denn an den Märkten in Europa und Asien kamen zunehmend Zweifel an der Zahlungsfähigkeit anderer Golf-Staaten auf. Besonders unter Druck gerieten Finanzwerte und Aktien von Unternehmen mit einem arabischen Anker-Aktionär wie Porsche Chart zeigen, VW Chart zeigen und Daimler Chart zeigen. "Alles, was in arabischer Hand ist, wird im Moment verkauft", beschrieb ein Händler in Frankfurt die Stimmung am Markt. Porsche Chart zeigen verlor bis zum späten Nachmittag mehr als sechs Prozent, VW und Daimler jeweils gut vier Prozent.

Auch die Märkte insgesamt gaben deutlich nach: In London brach der LSE-Index am Vormittag um 1,9 Prozent auf 5265 Punkte ein, der Dax Chart zeigen fiel bis zum späten Nachmittag um mehr als drei Prozent auf 5624 Punkte, wobei die Deutsche Bank Chart zeigen mit einem Minus von fast sechs Prozent die lange Liste der Verlierer anführte. Auch in Asien gingen die Börsen teils um mehrere Prozent in den Keller. In London wurde der Handel um 11.30 Uhr (MEZ) bis auf weiteres ausgesetzt. Als Grund nannte die Börse technische Schwierigkeiten, deren Ursache noch ermittelt werde.

Wie nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen im Herbst vergangenen Jahres flüchteten die Anleger massenhaft in die als sicher geltenden Staatsanleihen, was deren Kurse nach oben trieb. Dubai selbst versuchte, die Märkte zu beruhigen. Die Schuldenprobleme des staatseigenen Konglomerats Dubai World, das die Palmeninsel im Meer entwickeln und bauen soll, hätten keine Auswirkungen auf andere Staatsunternehmen.

Banken mühen sich um Schadensbegrenzung

Das einst von Investoren und Bauherren als arabischer Boom-Staat gelobte Dubai ist von der weltweiten Finanzkrise besonders stark getroffen. Inzwischen liegen nach jahrelangem Immobilienboom alle prestigeträchtigen Bauprojekte auf Eis, da die Krise die Finanzierungsquellen versiegen ließ. Dubai hatte am Mittwoch wichtige Gläubiger um Zahlungsaufschub gebeten und damit die internationalen Finanzmärkte in Unruhe versetzt. Betroffen sind die Kreditgeber des Staatsfonds Dubai World und dessen Immobilientochter Nakheel, die die Palmeninseln bauen. Die Regierung des Emirats begründete dies mit einer notwendigen Restrukturierung beider Unternehmen.

"Das war eine Schock-Nachricht, weil von Dubai jeder die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen erwartet hat", kommentierte Shakeel Sarwar von der Investmentbank Sico. Dubai World hat Schulden von fast 60 Milliarden Dollar, das entspricht rund drei Viertel der Verbindlichkeiten des Emirats, die bei geschätzten 80 Milliarden Dollar liegen.

Einige internationale Großbanken, die die Finanzkrise allmählich hinter sich lassen, - aber auch Versicherungen - waren jedoch bemüht, die Sorgen vor neuen Milliardenbelastungen so schnell wie möglich zu vertreiben. Die Schweizer Credit Suisse Chart zeigen sei hier nicht substantiell engagiert, sagte ein Sprecher. In Finanzkreisen hieß es, die Deutsche Bank habe kein Kredit- und Anleihe-Engagement bei Dubai World. Die Aktien beider Institute verloren dennoch mehr als drei Prozent. Die ebenfalls unter Verkaufsdruck geratenen Rückversicherer Münchener Rück Chart zeigen und Hannover Rück Chart zeigen sprachen von keinen beziehungsweise "vernachlässigbaren" Belastungen.

"Das wird nicht ohne Folgen bleiben"

Nach Daten der Bundesbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist das Engagement der deutschen Finanzbranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten insgesamt mit rund 7,5 Milliarden Euro vergleichsweise gering. Die britischen Banken äußerten sich zunächst nicht, obwohl sie Finanzkreisen zufolge teils besonders stark betroffen sein dürften. Daher sackte auch der Kurs des britischen Pfunds ab. Finanzwerte im Königreich und auf dem europäischen Festland notierten auf dem niedrigsten Stand seit einem halben Jahr.

Trotz aller Beschwichtigungen machte auf den Börsenparketts das Wort "Ansteckungsgefahr" die Runde. Anleger befürchten, andere Golfstaaten könnten zum Verkauf großer Aktienbestände gezwungen sein, um Löcher zu stopfen. In der Region tätige Banker sprachen von einem erheblichen Imageschaden für die Golfstaaten. "Das wird nicht ohne Folgen für Investitionen in den Emiraten bleiben", sagte ein Top-Banker.

Die Kosten für eine Absicherung der Schulden Dubais und anderer Golfländer gegen einen Ausfall stiegen bereits deutlich an. Die Preise für die entsprechenden Papiere signalisieren, wie stark am Markt mit ernsten Zahlungsproblemen gerechnet wird. In der Finanzkrise waren sie insbesondere bei Banken nach oben geschnellt, was deren Refinanzierung empfindlich verteuerte.

Bis zum 6. Dezember sind fast alle Geschäfte geschlossen

Experten warnten aber vor voreiligen Schlüssen. "Dubai hat viel stärkere Schuldenprobleme als die Nachbarn, in Abu Dhabi und Katar steckt echtes Geld dahinter", betonte Youssef Affany, Golf-Experte von der Citigroup Chart zeigen. Die anderen ölreichen Emirate sind weniger stark von Krediten und ausländischem Kapital abhängig. Im Gegenteil: Staatsfonds dieser Emirate haben in den vergangenen Monaten Milliardeneinnahmen aus dem Ölgeschäft für dringend benötigte Kapitalspritzen etwa bei VW, Daimler oder Porsche verwendet.

Eine Ansteckung sei unwahrscheinlich, sagte daher Affany. "Die anderen Emirate und Saudi-Arabien werden eine gewisse Form der Solidarität zeigen." Auch Helene Rang, geschäftsführender Vorstand des Nah- und Mittelostvereins, zeigte sich überzeugt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate im Rahmen ihres Finanzausgleichs eine Lösung finden dürften.

Die Regierung in Dubai wollte mit ihrer überraschenden Ankündigung offenkundig die Auswirkungen auf die Finanzmärkte so gering wie möglich halten. Bis zum 6. Dezember sind im arabischen Raum wegen des Opferfestes fast alle Geschäfte geschlossen. "Einige hoffen, dass sich bis dahin die Lage wieder beruhigt hat - möglicherweise vergebens", sagte ein Händler.

böl/AFP/Reuters

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Forum - Weltweite Geld- und Schuldenpolitik – wie lange kann das gutgehen?
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1.
seniorita 21.11.2009
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Das muss man nicht glauben, man sollte es wissen. Das Wort Krise ist eigentlich schon falsch, denn nach einer Krise könnte der Patient auch genesen - vorausgesetzt er wird richtig behandelt. Die richtige Fehlerbehandlung ist weit und breit nicht zu sehen, was das Finanzsystem angeht. Da wird nur an den Symptomen herumgedoktert und niemand will an die Ursachen ran. Davon erholt sich niemand. Und wenn die Ursache nicht behoben wird, dann geht es einfach immer nur in die gleiche Richtung. Noch mehr Arbeitslosigkeit, noch mehr Elend, noch mehr soziale Spannungen. Wir brauchen keine Scheinlösungen mehr. Oder Lösungen, die sich gut anhören. Oder Lösungen, die die Ursache beseitigen könnten. Wir brauchen ein Währung, d.h. stabile Preise. Nichts anderes hat Priorität in der Wirtschaft. Stabile Preise lösen zwar nicht alle Probleme, doch mit Inflation und Deflation werden wir so gut wie kein Problem gelöst bekommen. www.freiheitswerk.de
2.
Pinarello, 21.11.2009
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Wieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
3.
seniorita 21.11.2009
Zitat von PinarelloWieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
Richtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
4.
classico, 21.11.2009
Zitat von senioritaRichtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
Wie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
5.
seniorita 21.11.2009
Zitat von classicoWie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
Das ist kein Plan, das ist eine Unverschämheit. In einem System, das immer mehr Menschen unterpflügt, vom Einzelnen zu fordern, es solle sich gefälligst mal um sich selbst sorgen. Nichts für eine Währung tun und dann, wenn es aber in die Deflation geht, anfangen von Selbstverantwortung zu reden. Das sind keine Politiker, die einen Plan haben, sondern korrumpierte Zeitgenossen, die nicht verstehen wollen, dass sie eben nur ein bisschen später unter die Räder kommen. www.freiheitswerk.de
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