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Umzugsunternehmer: Klaus Zapf ist tot

Er baute eines der größten Umzugsunternehmen Europas auf: Jetzt ist der Millionär Klaus Zapf im Alter von 62 Jahren gestorben.

Ungewöhnlicher Millionär: Umzugsunternehmer Klaus Zapf ist tot Fotos
DPA

Berlin - Keine Allüren, rockiges Aussehen: Der Umzugsunternehmer Klaus Zapf galt als Exot unter den Reichen Deutschlands. Nun ist der Geschäftsmann gestorben. Er sei an diesem Mittwoch überraschend im Alter von 62 Jahren den Folgen eines Herzinfarkts erlegen, teilte seine Firma am Donnerstag in Berlin mit.

Als einer der größten Umzugsunternehmer Europas hatte sich Zapf einen legendären Ruf erworben, auch wegen seiner Sympathien für die linke Szene. Nach eigenen Angaben betreut das von Zapf 1975 gegründete Unternehmen an 14 Standorten mit rund 600 Mitarbeitern mehr als 60.000 Kunden pro Jahr.

Die Geschichte der seit Jahrzehnten erfolgreichen Umzugsspedition begann mit einem Transporter, den Zapf vor knapp 40 Jahren in Westberlin für Entrümpelungen und Klaviertransporte nutzte. In der Folgezeit rückten Ex-Studenten, die bei Zapf gejobbt hatten, in das Management der Firma auf. Nach dem Fall der Mauer gab der stark wachsende Umzugsmarkt in Berlin Anfang der neunziger Jahre der Spedition weiteren Auftrieb. Bereits zu seinem 30-jährigen Bestehen 2005 meldete das Unternehmen, dass jeder 80. Bürger einmal mit Zapf umgezogen sei.

Vor zwei Jahren gewährte Klaus Zapf dem SPIEGEL einen Einblick in sein Leben. Obwohl Zapf Multimillionär war, lebte er äußerst bescheiden: So wohnte Zapf in einer kleinen Wohnung auf seinem Firmengelände und ließ sich von seinem Geschäftsführer nur das auszahlen, was er zum Leben brauchte. Statt in Feinkostläden, kaufte er beim Discounter Netto ein. Nachts sammelte er gerne Pfandflaschen, was er neben dem Angeln als sein Hobby angab.

Aber Zapf hatte noch eine weitere Leidenschaft: Als Kleinaktionär verklagte er gerne Konzerne wie ThyssenKrupp, Springer, Allianz oder Axa. Zapf schimpfte gerne über die Reichen, die nichts anderes als "eine Bande verantwortungsloser Schmarotzer" seien, und über "Politiker, die in den Taschen der Reichen" säßen.

Schon früh hatte Zapf nach eigenen Angaben den Unterschied gelernt zwischen Schein und Sein. In jüngeren Jahren hatte er Möbel geschleppt für Leute, die Maserati fuhren und zu Hause das Pfandsiegel des Gerichtsvollziehers auf der Kommode kleben hatten. Er sah aber auch die unscheinbaren Gestalten, die über immateriellen Reichtum verfügten.

jbe/dpa/AFP

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