Kleinanlegerschutz Bundesregierung will zweiten Fall Prokon verhindern

Zehntausende verloren bei der Prokon-Pleite ihre Ersparnisse. Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung Verbraucher jetzt vor undurchsichtigen Geldanlagen schützen.

Prokon-Filiale, Hannover (Archivbild): Fälle wie den der Windkraftfirma vermeiden
DPA

Prokon-Filiale, Hannover (Archivbild): Fälle wie den der Windkraftfirma vermeiden


Berlin - Bislang wurde der Graue Kapitalmarkt in Deutschland kaum kontrolliert. Jetzt hat die Bundesregierung schärfere Regelungen für solche Vermögensanlagen beschlossen, die kaum von der staatlichen Finanzaufsicht überwacht werden.

Nach Angaben aus Regierungskreisen billigte das Kabinett den Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes von Justiz- und Finanzministerium, das Verbraucher besser vor hochriskanten und unseriösen Finanzprodukten schützen soll. Im Kern soll die Transparenz für Anleger ausgeweitet werden. So wird die sogenannte Prospektpflicht auf alle Vermögensanlagen in Deutschland ausgeweitet: Kunden müssen nun auch im unregulierten Teil des Finanzmarktes über Art, Gegenstand und Risiken der Anlage aufgeklärt werden. Bislang beschränkten sich die Auflagen auf den regulierten Teil des Finanzmarktes wie Banken und Versicherungen.

Vorgesehen sind zudem Werbe- und Vertriebsbeschränkungen für bestimmte Geldanlagen sowie Warnhinweise. Auch erhält die Finanzaufsicht Bafin mehr Befugnisse und kann Angebote untersagen.

Die neuen Regeln sollen Fälle wie den des Windparkfinanziers Prokon vermeiden, der mit dem Versprechen auf eine Top-Rendite bei Kleinanlegern mehr als eine Milliarde Euro einsammelte. Als angesichts einer drohenden Krise des Unternehmens viele von ihnen gleichzeitig ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, meldete Prokon Insolvenz an. Die Gläubiger verloren einen Großteil ihres Kapitals.

Verbraucherschützer begrüßten die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung. "Das Kleinanlegerschutzgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Matthieu Choblet vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Geldanlagen auf Basis unseriöser "Schneeballsysteme" könnten eingedämmt und "schwarze Schafe" zurückgedrängt werden.

Die Bundesregierung hatte im Mai angekündigt, den Schutz für Kleinanleger weiter auszubauen. Die Gesetzespläne sollen vor dem Sommer 2015 in Kraft treten.

eth/dpa/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
moritz1989 12.11.2014
1.
Hohe Rendite = hohes Risiko. Wer das nicht weiß der gehört auch nicht vom Staat geschützt. Dafür brauch man keine Gesetze, sondern einfach nur Aufklärung und, ganz wichtig, Bildung! Kluge Menschen wissen um so etwas und gehen Risiken bewusst ein. Jetzt drucken die Banken Broschüren die sich am Ende niemand durchliest.
CommonSense2006 12.11.2014
2. gerade Prokon
Der Fall Prokon zeigt doch ganz klar, dass die Transparenzpflicht recht überflüssig ist. Nicht dass ich was gegen Transparenz hätte, aber in diesem Fall lagen alle Informationen klar auf dem Tisch. Wer sich nicht sicher ist, was eigentlich "Genussscheine" eigentlich sind, muss doch wenigstens so viel Grips haben mal einen zu fragen, der sich damit auskennt oder aber Wikipedia zu konsultieren, da steht alles haarklein drin. Und zwar, bevor man Tausende von hart erarbeiteten Euros in eine Sache investiert, die man nicht versteht. Das schlimme ist ja nicht, dass irgendeine Graumarktbude jetzt einen Prospekt schreiben muss. Sondern dass sie das dann eben tut und der unkundige Anleger das Gefühl hat, dass er ja von der Regierung "beschützt" wird, aber den Prospekt trotzdem nicht liest oder, wenn er ihn schon liest, sich dann nicht eingesthen mag, dass er ihn eigentlich nicht verstanden hat. Aber die Regierung "schützt" ja die Kleinanleger und wenn einer schon einen vom Bafin "genehmigten" Prospekt hat, dann wird das schon seine Ordnung haben. Hat es eben nicht und eine Graumarktbude bleibt eine Graumarktbude, die kann gut sein oder auch nicht. Genau wie die Anlagen, die die DB oder die Sparkasse vertickt. Mir wäre es lieber, wenn die Verbraucheraufklärung gestärkt würde und das sollte schon in der Schule anfangen.
IchHabDaMal'nFragezeichen 12.11.2014
3. Die Verquickung von Banken und Staat...
.. geht sogar so weit, dass der Staat seine Kunstwerke den Banken zur Nutzung überlässt. Siehe Leverkusen und Richters Tiger. Und da stören alternative Möglichkeiten der Geldanlage ganz extrem...
marthaimschnee 12.11.2014
4.
Eine "Top-Rendite" von 6-8% ist ein Indiz für hohes Risiko? Ja, heute vielleicht, aber zu Zeiten, in denen Prokon die Kohle eingesammelt hat, war es das bestimmt nicht. Und wenn man diese Maßstäbe anlegt, ist die gesamte Finanzwirtschaft ein untolerierbar hohes Risiko!
silverhair 12.11.2014
5. Na da fehlt Ausbildung und zwar gewaltig
Zitat von moritz1989Hohe Rendite = hohes Risiko. Wer das nicht weiß der gehört auch nicht vom Staat geschützt. Dafür brauch man keine Gesetze, sondern einfach nur Aufklärung und, ganz wichtig, Bildung! Kluge Menschen wissen um so etwas und gehen Risiken bewusst ein. Jetzt drucken die Banken Broschüren die sich am Ende niemand durchliest.
#1 Heute, 12:59 von moritz1989 Nein, dafür brauchts Ausbildung , und keine pauschale Geschäftsfähigkeit für alles und jedes was Geld betrifft! Für jedes andere Produkt muss man Ausbildung und Prüfung nachweisen , aber gerade für das Produkt Geld reicht es einfach zu existieren, ohne Kenntnis von Zinsenszinssystemen, ohne kenntnis von mathematik und Wirtschaftsystemen, Risikoabschätzungen und ähnliches! Man ist nicht einfach "klug", Wissen ist nix was da per Göttlicher Eingebung kommt, sondern benötigt Ausbildung und Training! Und weil das so ist hat ja auch der Gesetzgeber schon eine "begrenzte Geschäftsfähigkeit" nur mit der Volljährigkeit verteilt - aber prinzipiell gehört da viel mehr dazu um überhaupt mit Kreditverträgen , Anlagen etc. umzugehen! Das die meisten Menschen das eben überhaupt nicht wissen merkt man schon daran das sich alle an Anlagen und Sparen versuchen, obwohl genau das die Methoden sind sich selber regelrecht pleite zu machen! Kluge Menschen nehmen eben keine auf Zinsberechnungen basierenden Anlagen auf, sie verlangen eine umfängliche Ertragsteilung .. kein dubioses abzockersystem!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.