Preise für CO2 Dax-Konzerne dringen auf strengere Regeln beim Klimaschutz

Wie kann der CO2-Ausstoß gesenkt werden? Nachdem Union und SPD sich nicht auf Preise für das Treibhausgas einigen konnten, sind laut einem Zeitungsbericht nun selbst Unternehmen für strengere Regeln.

Greenpeace-Protest vor dem Kanzleramt (Archiv)
DPA

Greenpeace-Protest vor dem Kanzleramt (Archiv)


Große deutsche Unternehmen dringen laut einem Bericht auf schärfere Rahmenbedingungen für den Klimaschutz. Eine eigene Umfrage habe ergeben, dass der Koalitionsvertrag von Union und SPD den Unternehmen bei diesem Thema nicht weit genug gehe, berichtete das "Handelsblatt". Im Mittelpunkt steht demnach die Forderung nach Einführung eines Preises für Kohlenstoffdioxid (CO2).

Der Münchner Industriekonzern Siemens betont dem Blatt zufolge, sich bereits der "Carbon Pricing Leadership Coalition" angeschlossen zu haben - einer Initiative der Weltbank, die das Thema international vorantreibt. Der CO2-Preis müsse hoch genug sein, "um eine Umstellung auf kohlenstoffarme Technologien im Einklang mit den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen in Gang zu setzen", heißt es bei Siemens dem "Handelsblatt" zufolge weiter.

Auch die Deutsche Post fordert demnach einen "idealerweise globalen, marktbasierten Mechanismus, um CO2-Emissionen einen fairen Preis zu geben". Die Commerzbank unterstütze den Plan, einen globalen CO2-Preis einzuführen.

Fast alle Dax-Konzerne argumentieren laut dem Bericht ähnlich. Der Vorstoß sei ungewöhnlich. Normalerweise presche die Wirtschaft nicht freiwillig bei Themen vor, die sie erst einmal belasteten.

CDU, CSU und SPD hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen nicht auf eine CO2-Bepreisung einigen können, die nach Einschätzung vieler Fachleute als der Schlüssel für rasche Erfolge im Klimaschutz gilt.

Bislang wird CO2 nur im Emissionshandel mit einem Preis versehen, der allerdings nur die Bereiche Industrie und Stromerzeugung erfasst. Der Verkehrs- und der Wärmesektor sowie die Landwirtschaft sind bisher nicht betroffen. Nach Ansicht von Experten müssten Preise in allen volkswirtschaftlichen Sektoren eingeführt werden.

apr/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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die Stechmücke 19.02.2018
1. Unglaublich,
daß beim Klimaschutz viele Industrikonzerne hier eine Vorreiterrolle übernehmen, während die Groko dieses Thema schlicht und einfach unter den Tisch kübelte. Was ist das für eine Politik, die das Überleben auf diesem Planeten mit Füßen tritt und wieso werden die betr. Politiker nicht juristisch verfolgt.
richey_edwards 19.02.2018
2.
CO2 Steuer kostet die Unternehmen nichts sie wälzen das einfach auf die Verbtaucher ab. Den Unternehmen geht es nicht ums Klima sondern um Planungssicherheit. DAX-Konzerne können die Abgabe leicht bezahlen, der Mittelstand allerdings nicht. Große Unternehmen entledigen sich so Wettbewerbern.
anselmwuestegern 19.02.2018
3.
Gleiche Regeln für alle sorgen für Gleichstand. Diese Regeln müssen nun auch noch konsequent durchgesetzt und überwacht werden. Ich vermute, die Konzerne fürchten, das China, welches gerade strengere Regeln erarbeitet, ihnen davonsegelt, wenn diese greifen. Damit meine ich, dass die Gefahr besteht, dass dort die notwendigen Technologien entwickelt werden und die Europäer außen vor bleiben. Wenn man sieht, mir weichen Tempo dort Infrastruktur und Technologie voran getrieben wird, kann man schon Angst bekommen. Anderseits gibt es dort Regionen, die immer noch weit zurück sind. Ähnliches dürfte sich allenfalls in Osteuropa finden, aber vermutlich nicht einmal dort. China ist eben ein sehr großes Land mit entsprechend großen Unterschieden. Zurück zu uns: Strenge Regeln, die in wirtschaftlich guten Zeiten umgesetzt werden, bedeuten mehr Luft, wenn es einmal schlechter läuft.
grommeck 19.02.2018
4. Der letzte Ansatz deutet an, warum die Konzerne auf einmal die Guten
sein wollen. Um Kasse zu machen, wie immer. Oder was soll man bei den Bereichen Verkehr, Wärmesektor und Landwirtschaft durch die Einführung einer „fairen CO2 Bepreisung“ erwarten. Stimmt, noch höhere Kosten für den Verbraucher. Allerdings nicht für die Wirtschaft - siehe EEG „Umlage“.
dummzeuch 19.02.2018
5. Klimakanzlerin
... so wurde Frau Merkel mal genannt. Verdient hat sie den Titel allerdings nie, auch nicht damals, als sie am Polarkreis für die Presse posierte. Die Forderung, die Preise beim CO2 Handel zu erhöhen, gibt es seit Jahren, insbesondere auch aus der Industrie. Das hängt damit zusammen, dass viele Firmen nach Einführung der Zertifikate Maßnahmen ergriffen haben, um ihren CO2-Ausstoß zu senken, in der Erwartung, dann Geld für Zertifikate zu sparen. Und dann fiel der Preis dafür ins bodenlose. Unternehmen wollen verlässliche Rahmenbedingungen, dabei ist es fast zweitrangig, wie diese aussehen.
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