Klimaschutz EU-Kommissarin fordert saftige Energiesteuer

Provokanter Vorstoß aus Brüssel: Klimaschutzkommissarin Hedegaard will Energiekonsum besteuern - und Verbraucher und Unternehmen so zu mehr Effizienz zwingen. Ihr Vorschlag stößt vor allem unter Experten auf regen Zuspruch.


Osnabrück - EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard fordert eine stärkere Besteuerung von Energie innerhalb der Europäischen Union. Statt weiterhin die Arbeit mit sehr hohen Steuern zu belegen, sei es "weitaus klüger", Spitzen-Steuersätze für Bereiche einzuführen, die "schädlich für das Gemeinwohl" seien, sagte Hedegaard der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Dazu zähle vor allem der hohe Energieverbrauch. Es läge also nahe, Energie durch Steuern teurer zu machen, sagte die EU-Kommissarin. Dies könnte zu einem Rückgang des Energieverbrauchs führen und damit zum Klimaschutz beitragen.

Auch eine Maut auf Autobahnen, wie jüngst vom Umweltbundesamt gefordert, hält Hedegaard durchaus für denkbar. "Wenn man es intelligent macht, also etwa zur gleichen Zeit den öffentlichen Nahverkehr ausweitet, ist ein solcher Schritt sinnvoll." Es dürfe jedoch nicht allein darum gehen, "den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen".

Hedegaards Vorschlag stößt vor allem unter Experten auf regen Zuspruch. "Die Konsumgesellschaft ist auf Ressourcenverschwendung gepolt", kritisierte der Ökoexperte Friedrich Schmidt-Bleek kürzlich gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Unternehmen versuchen schlecht haltbare Produkte möglichst oft zu verkaufen und so ihre Margen zu steigern. Eine nachhaltigere Industrieproduktion ist nicht möglich."

Steuern will Schmidt-Bleek deshalb weitgehend abschaffen - und die Preise für Öl, Gas, Wasser, Metalle und andere Ressourcen, die für die Güterproduktion nötig sind, radikal verteuern. "Nur so wird es für Unternehmen zu einem Wettbewerbsvorteil und für Verbraucher zu einem Kostenvorteil, den eigenen Ressourcenverbrauch drastisch herunterzuschrauben."

Auch Ernst von Weizsäcker, Co-Vorsitzender des International Panel for Sustainable Resource Management, will die Energiepreise kontinuierlich anheben. "So wie bei den Bruttolöhnen: die haben sich über hundert Jahre parallel mit der Arbeitsproduktivität erhöht und dabei mehr als verzehnfacht", sagte Weizsäcker SPIEGEL ONLINE.

ssu/AFP

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