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Übernahme von Rhön-Krankenhäusern: Fresenius schmiedet neuen Klinikriesen

Für gut drei Milliarden Euro übernimmt der Medizinkonzern Fresenius einen Großteil der Rhön-Klinikum AG. Damit entsteht der nach eigenen Angaben größte Klinikkonzern Europas. Fresenius trickst dabei Konkurrenten aus, die den Deal verhindern wollten.

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Fresenius-Zentrale in Bad Homburg: Verträge sind schon unterschrieben

Bad Homburg - Die Adhoc-Mitteilung kam um 0:52 Uhr in der Nacht zum Freitag: Der Medizinkonzern Fresenius Chart zeigen hat für 3,07 Milliarden Euro 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG Chart zeigen übernommen. Mit nunmehr insgesamt 117 Krankenhäusern und einem Umsatz von nahezu 5,5 Milliarden Euro wird Fresenius damit nach eigenen Angaben zum größten privaten Klinikbetreiber Europas.

Damit endet ein langer Übernahmekampf. Fresenius war im vergangenen Jahr mit einer milliardenschweren Offerte gescheitert: Die Konkurrenten Asklepios und B. Braun stiegen eigens bei Rhön ein, um den Deal zu verhindern. Kürzlich kündigte der Medizintechnikkonzern B. Braun an, seinen Anteil an Rhön auf über 25 Prozent aufzustocken, womit der Konzern einen Verkauf dauerhaft hätte verhindern können.

Für die jetzige Teilübernahme ist laut Fresenius aber keine Zustimmung der Rhön-Anteilseigner notwendig. Aufsichtsräte und Vorstände beider Unternehmen hätten bereits zugestimmt, die Verträge seien unterschrieben, sagte ein Unternehmenssprecher.

Rhön will Einnahmen an Aktionäre weitergeben

Der private Krankenhausmarkt in Deutschland wurde bislang von wenigen, nahezu gleich starken Ketten beherrscht. Dazu zählen neben Fresenius und Rhön unter anderem auch Asklepios und Sana Kliniken. Das Kartellamt muss dem Geschäft noch zustimmen. Im Einzelfall müssen auch noch ehemalige kommunale Träger oder Minderheitsgesellschafter ihr Einverständnis geben.

Fresenius will das Geschäft bis Ende 2013 weitgehend abgeschlossen haben. Der Kauf soll über Schulden finanziert werden, weshalb der Verschuldungsgrad im laufenden Jahr über dem angepeilten Wert liege. Die zugekauften Krankenhäuser sollen bereits im ersten vollen Jahr nach der Übernahme positiv zum Gewinn beitragen - zumindest, wenn man die Einmalkosten von 80 Millionen Euro vor Steuern ausklammert.

Rhön will einen Großteil der Einnahmen aus dem Verkauf an seine Aktionäre weitergeben. So sollen bis zu 1,9 Milliarden Euro über eine Sonderdividende ausgeschüttet werden - das wären bis zu 13,80 Euro je Aktie. Der Rest soll in den Abbau von Schulden und in Investitionen gesteckt werden. Das nun deutlich kleinere Unternehmen will sich in Zukunft vor allem auf Krankenhäuser konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung angeboten wird.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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1. aus der ...
fehlendesx 13.09.2013
... solidarkasse, ins täschle von grossaktionaren, ist doch schön, bis zum nächsten loch und weiterer, nur noch drastischerer leistungsstreichungen.
2. am ende wirds heissen...
fehlendesx 13.09.2013
.... rettung systemrelevanter krankenhausketten.
3. Und...
Uwe S. 13.09.2013
...wo bleibt denn da das Kartellamt. Die Preise werden steigen, das Personal noch mehr reduziert und die Krankenkassenbeiträge werden wieder steigen. Die Qualität ist nur ein Störfaktor. Ein Ausverkauf der soz. Marktwirtschaft und dessen Gesundheitssystems!
4. Klar, Aktionäre bedienen
maxibutz 13.09.2013
Wie wäre es denn mal, wenn das Geld ins Personal investiert würde???? Privat und Gesundheitswesen geht m.E. gar nicht. Bin gespannt, wann die Rentversicherung privatisiert wird - und dann auch gleich noch alles was unter HartzIV und "Sozialhilfe" im weitesten Sinne fällt :-(
5. optional
fresigo 13.09.2013
Super! Noch weniger Geld für die Medizin, weniger für Krankenschwester und Patienten und noch mehr wirtschaftlicher Druck auf medizinische Entscheidungen, denn das Geld für die Aktionäre muss ja schließlich irgenwo her kommen. Ich fordere, dass mit der Gesundheit der Menschen genausowenig spekuliert wird, wie mit Nahrungsmitteln. Aber die Fresenius-Lobby ist ja bekanntlich stark vertreten in Berlin.
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