Riskanter Aktienhandel: Koalition will Blitzhändler bremsen
Ultraschnelle Börsengeschäfte sollen in Deutschland durchschaubarer werden. Die Bundesregierung will Hochfrequenzhändler besser überwachen und fordert Einblick in ihre Computercodes. Der Vorstoß könnte für Ärger sorgen, weil er nicht mit der EU abgesprochen ist.
Hamburg - So schnell ihre Computer sind, so umstritten sind ihre Methoden: Hochfrequenzhändler stehen in der Kritik. Ihr superschneller Aktienhandel gilt als Ursache für starke Kursschwankungen wie jenen "Flash Crash", der die US-Börse vor zwei Jahren kurzzeitig abstürzen ließ. Nun plant die Regierungskoalition laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") einen Alleingang, damit Aufsichtsbehörden und Börsenbetreiber den Hochfrequenzhandel einfacher aussetzen können.
"Wir dringen auf eine nationale Lösung und wollen nicht warten", sagte der finanzpolitische Sprecher der FDP, Volker Wissing, der Zeitung. Bis Ende Juni solle ein Eckpunktepapier stehen, im Herbst dann ein Gesetzesvorschlag folgen.
Laut Wissing soll die Börsenaufsicht künftig "jederzeit in der Lage sein, den Handel auf null abzubremsen, wenn Risiken erkannt werden." Zu diesem Zweck sollen die Aufseher auch Zugang zu Algorithmen erhalten, mit deren Hilfe die Händler ihre Geschäfte abwickeln. Bisher gibt es einen solchen Zugriff nicht - auch aus Sorge um Geschäftsgeheimnisse. Zudem sollen nach dem Willen der Koalition alle Händler die gleiche Nähe zu den Börsenservern erhalten, damit sie mit der gleichen Geschwindigkeit handeln können.
"Wir denken, dass das Bundesfinanzministerium uns unterstützen wird", sagte Wissing. Die in Deutschland gesammelten Erfahrungen könnten dann anschließend in die EU-weite Regulierung einfließen. In der EU-Kommisson könnte der Vorstoß der "FTD" zufolge jedoch für Ärger sorgen. Statt eine europäische Regulierung abzuwarten, würde Deutschland erneut bei der Finanzregulierung vorpreschen. Im Jahr 2010 hatten deutschen Aufseher bereits im Alleingang sogenannte ungedeckte Leerverkäufe verboten.
Die Börsen können dem Koalitionsvorstoß jedoch Positives abgewinnen. "Wir begrüßen grundsätzlich ergänzende Regulierungsmaßnahmen, die dazu beitragen, den Hochfrequenzhandel besser fassbar zu machen. Alles, was die Behauptung, dass Hochfrequenzhandel per se schlecht ist, auf eine sachliche Debatte zurückführt, ist gut", sagte Stefan Mai, Cheflobbyist der Deutschen Börse. Für ihn sei aber entscheidend, dass dabei keine Verzerrungen zwischen den einzelnen Ländern in Europa entstehen.
dab/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
- RSS
- alles zum Thema Börse
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Dienstag, 29.05.2012 – 08:26 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 48 Kommentare
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de
