Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pharmaindustrie: Koalition will Regeln für Arzneimittelpreise anpassen

Pillen: Trennung von Nutzen und Kosten Zur Großansicht
Corbis

Pillen: Trennung von Nutzen und Kosten

Die Bundesregierung ändert offenbar die Spielregeln bei der Verhandlung von Medikamentenpreisen. Zeitungsberichten zufolge sollen Pharmafirmen künftig eigenständig bestimmen können, mit welcher Arznei neue Präparate verglichen werden sollen.

München/Düsseldorf - Die Koalition will laut Zeitungsberichten die Spielregeln bei den Verhandlungen über Arzneimittelpreise in Deutschland zugunsten der Pharmaindustrie klarstellen. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Koalitionskreise schreibt, sollen bei den Preisverhandlungen die Herstellerpreise in Europa stärker berücksichtigt werden.

Die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtet unter Berufung auf Unions-Vize-Fraktionschef Johannes Singhammer, dass die Gesundheitspolitiker von Union und FDP an diesem Mittwoch zwei zentrale Punkte vereinbaren wollen. Demnach sollen die beiden Verfahren, in denen der zusätzliche Nutzen eines neuen Medikaments bestimmt und sein Preis verhandelt wird, vollständig voneinander getrennt werden.

Die Pharmaunternehmen sollten künftig eigenständig entscheiden können, mit welchem Medikament neue Präparate verglichen werden sollen, um den zusätzlichen Nutzen zu ermitteln, schreibt die "SZ" unter Berufung auf den CSU-Politiker. Bisher mussten die Hersteller den Zusatznutzen im Vergleich zur billigsten vergleichbaren Therapie belegen.

Ausschlaggebend bei der Bewertung seien ausschließlich medizinische und wissenschaftliche Kriterien. Bei den Preisverhandlungen müsse das von dem Unternehmen bestimmte Medikament allerdings nicht zur Grundlage genommen werden. Die Koalition wolle einen Automatismus bei den Preisverhandlungen verhindern.

yes/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Vergleichsprodukt-Entscheidung u. Preisfestlegung
raber 05.06.2013
"Pharmaunternehmen sollten künftig eigenständig entscheiden können, mit welchem Medikament neue Präparate verglichen werden sollen". Ich vermisse im Artikel die Argumentation warum dem so geschehen sollte. Wenn es so entschieden wird, wird die Pharmaindustrie mit Vorliebe jene Produkte aussuchen wo sie am besten Zusatzvorteile dokumentieren könnten. Es wäre besser wenn die Pharmaindustrie die Vergleichsprodukte vorschlägt und deren Akzeptanz dann entschieden wird. Herstellerpreise in Europa sind schon ein interessanter Vergleich. Wenn Pharmaunternehmen aber gerade aus diesem Grunde ihre Neueinführungen preispolitisch bedingt zuerst in USA, Japan und Europa durchboxen um einen hohen Vergleichspreis zu haben und anschliessend in "Billigländern" erst mit dem Rollout beginnen, dann ist der deutsche Patient wieder einmal der Leidtragende weil er viel höhere Preise zahlen muss. Wie erklärt es sich denn sonst, dass deutsche Pharmafirmen im aussereuropäischen Ausland ihre Arzneien teilweise unter 50% des Deutschland-Preises vermarkten können und noch Gewinn machen? Das ist auf keinen Fall uneigennützige Firmenpolitik sondern marktorientierte Preiskalkulation oder inflations- abwertungsbedingte Situationen. Sind die Politiker so blauäugig oder hat es andere Gründe?
2. Warum
liborum 05.06.2013
Warum soll denn hier überhaupt noch "verglichen" werden. Die Pharmaindustrie bestimmt den Preis - und gut ist. Feigenblätter werden NICHT benötigt.
3. Reform dringend nötig
FreieWelt 05.06.2013
Das 1000 Dollar Genom wird dieses Jahr wahrscheinlich erreicht werden. Es wird daher höchste Zeit, keine höchstschädlichen, randomisierten Studien mehr durchzuführen, sondern die genetische Komponente eines Patienten gezielt einzubeziehen. Nur weil ein Medikament bei 5 von 1000 Patienten wirkt, heißt das nicht, dass es schlecht ist, im Gegenteil, bei der passenden Genetik könnte es sich um ein wahres Wundermedikament handeln. Momentan würde dieses Medikament nicht zugelassen werden.
4. optional
spmc-129820260737547 06.06.2013
Warum gibt es keine Meistbegünstigungsklausel für deutsche gesetzl. Krankenkassen? Wenn ich lese, dass die gleichen Medikamente in den Niederlanden bzw. Schweden nur die Hälfte kosten, verglichen mit Deutschland, dann stimmt doch etwas nicht. Gegenüber z.B. den Niederlanden (ca. 8 Mio Einwohner) hat Deutschland einen zehnfach größeren Markt, was sich auch deutlich in den Einkaufspreisen zusätzlich niederschlagen müßte!
5. Vielleicht ...
sponcon 06.06.2013
Zitat von spmc-129820260737547Warum gibt es keine Meistbegünstigungsklausel für deutsche gesetzl. Krankenkassen? Wenn ich lese, dass die gleichen Medikamente in den Niederlanden bzw. Schweden nur die Hälfte kosten, verglichen mit Deutschland, dann stimmt doch etwas nicht. Gegenüber z.B. den Niederlanden (ca. 8 Mio Einwohner) hat Deutschland einen zehnfach größeren Markt, was sich auch deutlich in den Einkaufspreisen zusätzlich niederschlagen müßte!
... weil die Niederländer auf die Barrikaden/Deiche gehen würden. Der Deutsche aber oftmals singt: "Mit mir könn`ses ja machen, ich hab soviel Geduld".
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Kostenproblem Arzneimittel: Wofür die Kassen besonders viel zahlen


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: