Kobe Steel Skandal um gepanschte Metalle erschüttert Japan

Beim japanischen Stahlkonzern Kobe Steel sollen mehrere Daten zu Produkten gefälscht worden sein. Betroffen sind Materialien, die in Autos und Flugzeugen verbaut wurden. Die Aktie stürzt 18 Prozent ab.

Hauptquartier von Kobe Steel
REUTERS

Hauptquartier von Kobe Steel


Der drittgrößte japanische Stahlkonzern Kobe Steel wird von einem Skandal um gefälschte Inspektionsdaten, beispielsweise zur Materialstärke, erschüttert. Bei dem Unternehmen sind offenbar mehr Produkte von Datenfälschungen betroffen als zunächst angenommen. Kobe Steel bestätigte einen Medienbericht, wonach auch die Angaben zu Produkten aus Eisenpulver gefälscht sein könnten.

Die Zeitung "Yomiuri" hatte zuvor berichtet, dass sich der Datenfälschungsskandal auch auf diese etwa in Autogetrieben verwendeten Bauteile ausweiten könnte. Am Wochenende musste Kobe Steel bereits einräumen, die Daten einiger Aluminium- und Kupferprodukte gefälscht zu haben. Die Aktien des Stahlkonzerns brachen am Mittwoch um weitere 18 Prozent ein. Am Tag zuvor hatten sie bereits um gut ein Fünftel nachgegeben.

Japans Industrie wurde durch die Enthüllungen in Aufruhr versetzt. Die Datenfälschungen betreffen Materialien, die in Autos, Flugzeugen und möglicherweise auch in einer Weltraumrakete sowie Militärausrüstung eingesetzt wurden.

Fälschungen könnten bis zu zehn Jahre zurückreichen

Betroffen sind rund 200 Firmen, darunter der Autobauer Toyota. Ihnen sei vorgetäuscht worden, dass ihre Ansprüche erfüllt worden seien. Kobe Steel hatte die Beteiligung Dutzender Mitarbeiter eingeräumt. Die Vorfälle könnten bis zu zehn Jahre zurückreichen.

Eine Reihe von Unternehmen, darunter Autobauer wie Nissan und Honda, haben inzwischen wissen lassen, dass betroffene Aluminiumprodukte von Kobe Steel in ihren Fahrzeugen verbaut worden seien. Dies ließ in Marktkreisen Befürchtungen über mögliche Massenrückrufe aufkommen.

Die Tageszeitung "Nikkei" berichtete, die Tochtergesellschaft Kobelco Research Institute, die sowohl für Kobe Steel als auch andere Firmen Produkte testet, habe ohne Inspektionen Materialien zur Produktion von Halbleitern ausgeliefert.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte Ermittlungen in dem Geschäftszweig. Der Zeitung zufolge erwägt Kobe Steel den Verkauf seines Immobiliengeschäfts, um angesichts des Skandals eine drohende Schieflage zu verhindern. Dazu wollte sich der Unternehmenssprecher nicht äußern.

Das Unternehmen schrieb in den vergangenen zwei Geschäftsjahren wegen hoher Materialkosten und Abschreibungen im Chinageschäft rote Zahlen.

brt/Reuters/dpa



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