Köln-Hamburg-Berlin Bahn bekommt Konkurrenz auf Fernstrecken

Der ICE verliert seine Sonderstellung: Das private Bahnunternehmen MSM will ab Herbst Fahrten von Köln nach Hamburg oder Berlin anbieten. Tickets soll es ab 19,90 Euro geben.

ICE am Berliner Hauptbahnhof: Ab Hannover mit maximal sieben Wagen in die Hauptstadt
AFP

ICE am Berliner Hauptbahnhof: Ab Hannover mit maximal sieben Wagen in die Hauptstadt


Hamburg - Es ist ein Angriff auf das Fernstreckenmonopol der Deutschen Bahn - und ein Gewinn für Verbraucher: Erstmals steht ein privater Investor kurz davor, der Bahn Konkurrenz auf wichtigen Hauptstrecken zu machen. Der Kölner Zugreiseveranstalter MSM will in einem halben Jahr seine ersten Züge auf die Strecke von Köln nach Hannover und von dort aus weiter nach Berlin oder Hamburg schicken. "Wir möchten im Frühherbst starten", sagte MSM-Chef Niko Maedge der "Financial Times Deutschland".

Das Unternehmen will dabei mit einem Kampfangebot auf den Markt gehen. "Es wird ein variables Preissystem geben, ähnlich wie bei Billigfliegern." Der Einstiegspreis soll für eine einfache Fahrt etwa von Köln nach Hamburg bei 19,90 Euro liegen. Das günstigste Ticket im Fernverkehr der Bahn kostet derzeit 29 Euro.

In Köln starten künftig zwei Loks und maximal 14 Reisewagen mit Platz für bis zu 700 Passagieren, ab Hannover geht es dann mit maximal jeweils sieben Wagen nach Hamburg und Berlin weiter. Die Bahn-Tochter DB Netz, die die Infrastruktur in Deutschland verwaltet, habe die beantragten Trassen bestätigt, sagte Maedge. Die Fahrzeiten würden variieren, aber "in jedem Fall deutlich unter fünf Stunden liegen". Bei der schnellsten Verbindung werde es in gut vier Stunden von Köln nach Hamburg gehen. Außerdem wird Reservierungspflicht gelten. "Bei uns wird es keine Stehplätze oder das Sitzen auf dem Gang geben. Sonst vergraulen wir langfristig unsere Gäste", sagte Maedge.

Es geht um das letzte Monopol der Bahn im Personenverkehr. Während der Staatskonzern im öffentlich bezuschussten Regionalverkehr auf der Schiene Marktanteile an Konkurrenten verliert, gibt es für die ICE und IC des Konzerns bisher keine echte Alternative. Hier macht die Bahn rund 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Einzig zwischen Leipzig, Berlin und Rostock fährt der französische Konzern Veolia - jedoch mit geringem Erfolg. Investoren scheuen das Risiko. Es gab schon mehrere Versuche und Ankündigungen, allerdings sind neue Fernverkehrszüge teuer, die Wartung ist aufwendig und es gibt keine Zuschüsse.

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Schalke 02.03.2012
1.
Hoffentlich wird's was mit der Konkurrenz zur Bahn im Fernverkehr. Die DB ist mir ein Gräuel, wenn ich nur daran denke, wie voll mitunter die Züge auf den genannten Strecken sind. Die Bahn hat nie kapiert, dass es egal ist ob ich vom Ruhrgebiet nach Berlin 4 oder 5 Stunden brauche. Ich will eine angenehme Atmosphäre im Zug. [Übertreibung] Und das geht nicht, wenn vor lauter Koffern und Menschen im Gang die Türen schon nicht mehr zu gehen. [/Übertreibung]
Reg Schuh 02.03.2012
2. Falsche Region
für mich.... Wünschte mir auch im Süden der Bahnrepublik etwas Konkurrenz. Naja, was nicht ist, kann ja noch werden.
Robert_Rostock 02.03.2012
3.
Zitat von sysopAFPDer ICE verliert seine Monopolstellung: Das Privatunternehmen MSM will ab Herbst Fahrten von Köln nach Hamburg oder Berlin anbieten. Tickets soll es ab 19,90 Euro geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,818765,00.html
Erst mal abwarten. Wie in dem Artikel richtig stand, gab es ja schon mehrere Ankündigungen, nach denen nichts passierte. So wollte ja das Unternehmen HKX ab August 2010 ebenfalls auf der Strecke Köln-Hamburg der DB Konkurrenz machen. Nun soll es ganz bestimmt schon in diesem Jahr wirklich losgehen. Außerdem, wie in dem Artikel richtig steht, gibt es bereits Konkurrenz für die DB, auf der Strecke Leipzig-Rostock, den InterConnex. Auch dieses Unternehmen hatte es mal auf der Strecke Berlin-Köln versucht, diesen Zug aber nach wenigen Wochen wieder eingestellt. Ich würde auch gerne mal wissen, wo denn der riesige Vorteil für die Reisenden liegt, wenn es Konkurrenz gibt, wie denn ein Wettbewerb im Schienenfernverkehr aussehen soll. Ist es wirklich so wünschenswert, wenn auf den gefragtesten Strecken mehrere Züge parallel fahren, jeweils mit eigenem Preissystem? Angenommen, ich will von Leipzig nach Aachen. Da kann ich also dann bis Berlin mit dem Interconnex, von Berlin nach Köln mit dem jetzt angeündigten MSM-Zug und con Köln nach Aachen mit dem Thalys fahren. Die Fahrkarten für die 3 Züge muss ich mir bei 3 verschiedenen Stellen kaufen. Da der MSM-Zug wechselnde Preise (wie Billigflieger) und Reservierungspflicht hat, kann es passieren, dass zu dem gewünschten Zeitpunkt kein Platz mehr frei ist oder das Ticket teurer ist. Wenn einer der Züge Verspätung hat, wird der Anschlusszug nicht warten (warum, ist ja ein Konkurrenz-Unternehmen), und meine Fahrkarte nutzt mir gar nix mehr, weil sie nur für diesen Zug und diese Firma gilt. Ich glaube kaum, dass die DB mich mit einer MSM-Fahrkarte im IC mitfahren lässt (und umgekehrt).
sargeantangua 02.03.2012
4. Jo mei....
Zitat von SchalkeHoffentlich wird's was mit der Konkurrenz zur Bahn im Fernverkehr. Die DB ist mir ein Gräuel, wenn ich nur daran denke, wie voll mitunter die Züge auf den genannten Strecken sind. Die Bahn hat nie kapiert, dass es egal ist ob ich vom Ruhrgebiet nach Berlin 4 oder 5 Stunden brauche. Ich will eine angenehme Atmosphäre im Zug. [Übertreibung] Und das geht nicht, wenn vor lauter Koffern und Menschen im Gang die Türen schon nicht mehr zu gehen. [/Übertreibung]
Gut, dann führen wir eine Reservierungspflicht ein. Beim Fliegen kann ich ja auch nicht einfach zum Flughafen gehen, ein Ticket ziehen und in den Flieger steigen. Den Aufstand möchte ich sehen, wenn die Bahn das machen sollte.
ms66 02.03.2012
5. Toll
wenn ich nur bei diesem Anbieter nicht so meine Zweifel hätte. Geht mal auf die website von denen msm-group.de. Und schaut mal unter Jobs "Teilzeitlokführer", "Teilzeitschaffner": das ist die neue Dienstleistungswelt, also ehrlich da zahl ich dann doch lieber etwas mehr und fahr mit der DB. Ausserdem habe ich von denen schon Party-Züge in Berlin gesehen (versiffte Party-Tanker) ... kamen für'nen Herta Spiel nach Berlin. Im Prinzip hab ich nichts gegen Private: die Konkurrenz zur Bahn auf der Strecke Berlin-Leipzig könnte von Veolia ruhig noch ein bisschen ausgebaut werden. Auch viele andere Strecken hier im Osten werden im Regionalverkehr zuverlässig von Privaten bedient. Aber bei so einem halbseidenen Anbieter wie msm fahr ich im Zweifel lieber Auto.
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