Trotz Energiewende: Kohlekraftwerke treiben deutschen CO2-Ausstoß

Die Energiewende macht Deutschland bislang nicht grüner: Der Ausstoß des Klimagases CO2 ist trotz wachsendem Ökostromanteil im ersten Halbjahr gestiegen. Die Konzerne lassen ihre Kohlemeiler einfach weiterlaufen - und exportieren überschüssige Elektrizität.

Braunkohlekraftwerk: Günstige Produktion Zur Großansicht
DPA

Braunkohlekraftwerk: Günstige Produktion

Berlin - Trotz Energiewende steigt der deutsche Treibhausgas-Ausstoß. Grund sind die Kohlekraftwerke, die auf Hochtouren laufen, wie Daten des Bundesverbands der Deutschen Energiewirtschaft (BDEW) zeigen. Im ersten Halbjahr hätten Braun- und Steinkohlekraftwerke 12,4 Prozent mehr Strom produziert, heißt es in Dokumenten, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Kohlestrom ist wegen der stark gesunkenen Preise für CO2-Verschmutzungsrechte derzeit besonders günstig. Es lohnt sich für die Kraftwerksbetreiber oft selbst bei einem Überangebot an Strom nicht, ihre Kohlemeiler herunterzuregeln. Besonders ältere Kraftwerke, die bereits abgeschrieben sind, rentieren sich selbst bei vergleichsweise geringen Strompreisen.

Die Konzerne lassen ihre Kraftwerke auch laufen, um das stetige Sinken ihrer Stromabsätze abzubremsen. Da Ökostrom in den Netzen Vorfahrt hat, werden Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke immer weniger Elektrizität los. Hinzu kommt, dass Europas Industrie wegen der Euro-Krise weniger produziert und entsprechend weniger Strom nachfragt.

Der Dauerbetrieb der Altmeiler hat Folgen: Der deutsche Stromexport in andere europäische Länder hat sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Ein Trend der Energiewende setzt sich damit fort: Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht zwar voran - die Reduktion des CO2-Ausstoßes dagegen nicht. Bereits 2012 waren Kohlekraftwerke länger gelaufen, hatten vier Prozent mehr CO2 in die Luft geblasen und damit den Treibhausgas-Ausstoß insgesamt steigen lassen.

"Wir produzieren in Deutschland immer mehr schmutzigen Kohlestrom, der für unsere Energieversorgung gar nicht gebraucht wird", kritisierte Grünen-Vize-Fraktionschefin Bärbel Höhn. Der Anstieg der Kohleverstromung decke sich fast vollständig mit den Zuwächsen beim Stromexport. Klimaschutz werde systematisch vernachlässigt.

Auch vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) kam Kritik. "Die Bundesregierung trägt eine erhebliche Mitschuld, dass sich hocheffiziente Gaskraftwerke derzeit nicht rechnen und sich stattdessen ausgerechnet die schmutzigste aller Erzeugungsarten, nämlich die Verstromung von Braunkohle, wieder richtig lohnt", sagte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk. Die schwarz-gelbe Koalition habe die Reform des Emissionshandels in der EU blockiert. CO2-Zertifikate seien so praktisch zum Schnäppchenpreis zu haben, Klimaschutz sei ein Lippenbekenntnis geworden.

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ssu/Reuters

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1.
schlob 23.07.2013
Zitat von sysopDPADie Energiewende macht Deutschland bislang nicht grüner machen: Der Ausstoß des Klimagases CO2 ist trotz wachsendem Ökostromanteil im ersten Halbjahr gestiegen. Die Konzerne lassen ihre Kohlemeiler einfach weiter laufen - und exportieren überschüssige Elektrizität. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kohle-meiler-treiben-deutschen-co2-ausstoss-a-912724.html
Dass Kohelkarftwerke umweltschädlicher sind als Biogas,beruht auf einem schweren Denkfehler: Es ist durchaus wahrscheinlich,dass bei korrekter Betrachtung,Kohlekraftwerke deutlich weniger CO 2 in die Erde blasen-zusammengenommen mit der Fläche, die Biogasanlagen aus der Natur herausbrechen,als diese Biogasanlagen.- Für 1660 MW benötigen Biogasanlagen 760.000 ha - !!!!! Home (http://www.biogaswissen.de/) - also ,um ein einziges Kohle- oder Atomkraftwerk zu ersetzen ,ist fast ganz Deutschland durch Maisfelder versaut-km-weit das Grundwasser verseucht.- Der bisherige Vergleich ist unsinnig-man muss den Flächenbedarf der Biogasanlagen hinzurechnen. Kohlekraftwerke benötigen kaum Fläche- Biogasanlagen nicht nur die gewaltigen Flächen für den Biomais- sondern auch noch die Zufahrsstrassen.Und man muss dazu zählen die CO2-Emissionen der LKW- übrigens wurden auch extra Strassen gebaut für diese LKW.- Video : Kohlekraftwerke klimafreundlicher als Biogas AfD ?? Die Biogaskatastrophe - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=AtjQhrgHoNo) Man kann also auf der Fläche,die die Kohlekraftwerke nicht benötigen,einen Wald anpflanzen- und dieser bindet CO 2,das man dem Kohlekraftwerk gutschreiben muss. Denn man kann aus dem Holz Häuser bauen , Möbel herstellen usw Das CO 2 bleibt also gebunden- und verbessert damit die CO2 Bilanz.
2. Die ganze Energiewende...
kenterziege 23.07.2013
....ist an die Wand gefahren. Es gibt kaum ein Projekt, dass so dilettantisch geplant wurde. Das Ganze wird nur noch vom Eurorettungsdesaster übertroffen. Aber in beiden Bereichen gibt es ja keine echte Opposition mehr. Die vielen Milliarden, die da in den Sand gesetzt wurden, sind kaum noch zu erfassen. Und das Elend geht weiter!
3. Diese grünen Jauler sollten Nuhr's Tip folgen
EchoRomeo 23.07.2013
Völlig unzuverlässigen Vorrangstrom in beliebigen - gerade verfügbaren Mengen - teuer in die Netze zu pumpen und anderen für die Netzstabilität verantwortlich zu machen, das funktioniert nur in den Stuhlkreisen der Atomkraftgegner und Klimaalarmisten. Wenn in einigen Jahren auch noch die letzten AKW vom Netz müssen, dann wird es richtig interessant. Höhns Bärberl wird uns dann bestimmt erzählen, daß alles schlichlich nur Gut Gemeint war.
4. Denkfehler
syracusa 23.07.2013
Zitat von sysopDPADie Energiewende macht Deutschland bislang nicht grüner machen: Der Ausstoß des Klimagases CO2 ist trotz wachsendem Ökostromanteil im ersten Halbjahr gestiegen. Die Konzerne lassen ihre Kohlemeiler einfach weiter laufen - und exportieren überschüssige Elektrizität. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kohle-meiler-treiben-deutschen-co2-ausstoss-a-912724.html
Die Kernaussage des Artikels beruht auf einem simplen Denkfehler: zwar produzieren die deutschen Kohlekraftwerke mehr Strom für den Export, aber dafür müssen ja im selben Umfang ausländische Krafwerke weniger Strom produzieren. Es ist unsinnig, in einem europäischen Stromverbundsystem nur die Bilanz eines einzigen Landes zu betrachten. Es ist sinnvoller, wenn ein deutsches Kohlekraftwerke den Strom mit 35% Wirkungsgrad erzeugt, als wenn das ein polnisches mit nur 25% das macht. Relevant ist allerdings die Verdrängung der Gas- durch Kohlekraftwerke. Diese ist unmittelbares Resultat des Versagens des Marktes für CO2-Zertifikate. Diese müssten jedes Jahr um den Zuwachs der EE-Stromerzeugung reduziert werden, und zusätzlich um den Effizienzgewinn fossiler Kraftwerke. Der Betrieb von Uraltmeilern mit nur 25% Wirkungsgrad sollte wirtschaftlich unmöglich gemacht werden.
5. Kohle zerstört Wetter
WilliStock 23.07.2013
oder wie? Trotz massiven Zubaus in 2012 haben die Erneuerbaren deutlich weniger Strom geliefert im Vergleich zum Vorjahr. Das ist bestimmt die Atomlobby - das das Physik ist, interessiert keinen, auch nicht, dass Sonne und Wind eben nicht planbar sind. Kleine Grafik dazu: https://www.dropbox.com/s/n8c0x59u2ud57se/Toller Zuwachs.gif
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