Klimaschutzabgabe Umweltbundesamt sieht 4700 Kohle-Jobs gefährdet 

Laut Berechnungen des Umweltbundesamts gefährden die Klimaschutzpläne von Wirtschaftsminister Gabriel rund 4700 Arbeitsplätze - die Jobverluste fielen damit deutlich geringer aus als von seinen Kritikern prognostiziert.

Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln (Niedersachsen): CO2-Ausstoß
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Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln (Niedersachsen): CO2-Ausstoß


Der Streit um die geplante Sonderabgabe für alte Kohlemeiler erhält neuen Zündstoff. Das Umweltbundesamt (UBA) rechnet durch die geplante Klimaschutzabgabe für alte Kohlekraftwerke mit dem Verlust von 4700 Arbeitsplätzen im deutschen Braunkohlesektor.

Allerdings: Prognosen über "Beschäftigungsverluste von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen in der Kohlewirtschaft entbehren jeder Grundlage", heißt es in einer Studie der Behörde. Ver.di-Chef Frank Bsirske hatte vor so hohen Verlusten gewarnt. Die Gewerkschaften IG BCE und Ver.di wollen am Samstag in Berlin mit bis zu 15.000 Leuten gegen die Pläne des Wirtschaftsministers demonstrieren.

Um das CO2-Minderungsziel in der Stromerzeugung zu erreichen, senke die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Abgabe die Braunkohleemissionen um rund 22 Prozent, teilt das Umweltbundesamt mit: "Geht man vereinfachend davon aus, dass sich der Produktions- und Beschäftigungsrückgang in gleichem Umfang vollzieht, entspräche dies einem Beschäftigungsabbau von etwa 4700 Arbeitsplätzen."

In "sehr begrenztem Umfang" seien negative Beschäftigungswirkungen auch bei Zulieferbetrieben und nachgelagerten Unternehmen, etwa in der Gipsindustrie zu erwarten. Zugleich wird darauf verwiesen, dass im Gegenzug Steinkohle- und Gaskraftwerke mehr Strom produzieren und hier neue Jobs entstehen könnten.

Wirtschaftsminister Gabriel will den Kohlendioxid-Ausstoß von älteren Kohlemeilern per Strafsteuer drücken. Wenn Kraftwerke über eine bestimmte Freigrenze hinaus CO2 ausstoßen, sollen ihre Betreiber eine Strafe von bis zu 20 Euro pro Tonne zahlen. So will Gabriel bis 2020 22 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Von einer solchen Strafsteuer würden kommunale Versorger profitieren. Sie betreiben besonders viele Gaskraftwerke. Viele Stadtwerke stützen daher Gabriels Pläne.

bos/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Kampfdenker 24.04.2015
1.
Laut Berechnungen des Bundesumweltamtes wird die Energiewende sich allein finanzieren- und zu keinerlei Erhöhung des Strompreises führen- wann werden diese Leute endlich verhaftet? Die sind womöglich von Putin? oder so?
lauchstrauch 24.04.2015
2. schwachsinn
Allein an den Abbauregionen hängen die ganzen Handwerksbetriebe der Region. Was ist mit den ganzen Kraftwerkszulieferern? Waren gut bezahlte Jobs. Glauben Sie nicht? Verfolgen.sie den Umgang von Siemens mit der Energie Sparte. Und das ist nur der dicke Fisch über den berichtet wird! Wo bleiben die EE-Jobs?
mrmink 24.04.2015
3. Mit kommen die Tränen
Verfehlte Firmenpolitik der Konzerne hat dazu geführt, das diese maroden Kohlekraftwerke immer noch Millionen von Tonnen Schadstoffe in die Luft blasen. Die unbelehrbaren Energieversorger haben kein anderes Argument als ein paar Arbeitskräfte um ihre Dreckschleudern weiter laufen zu lassen und das auf Kosten der Allgemeinheit. Hier in NRW werden gerade ganze Autobahnen und Dörfer versetzt und in Mecklenburg sieht es nicht besser aus. Gegen diese vom Steuerzahler bezahlte Zerstörung von ganzen Landstrichen sind ein paar tausend Arbeitsplätze lächerlich. RWE ein und Co sollen sich lieber um Alternativen kümmern als weiter zu jammern.
Patriot75 24.04.2015
4. Rationales Handel
Ich finde diesen Verstoß sehr begrüßenswert. Endlich hat dieser Wahnsinn ein Ende, das umweltschädlichere Energieerzeugung rentabler als umweltverträglichere ist. Ich drücke die Daumen, dass das so ohne Änderungen durchgeht.
spon-facebook-1035483455 24.04.2015
5. Umweltanmassungsamt
Vertreter des UAB haben in der juengeren Vergangenheit belegt (z.B. mit dem Pamphlet "Und Sie erwaermt sich doch"), dass Fachkompetenz durch Ideologie ersetzt wurde. Mittlerweile spielen sich die Vertreter dieses Umweltanmassungsamt auf, als seien sie die Vertreter einer Institution der Vier- oder Fuenf-Jahresplanung, wie man es von dem frueheren Dritten Reich, der frueheren DDR und der frueheren Sowjetunion her kennt. Die Pamphlete dieser Institutionen waren bereits bei der Druckfassung voellig falsch bzw. veraltert. Folglich sprechen wir heute von "frueher...". Wann begreift die deutsche Offentlichkeit, dass sie von Wissenschaftsrabauken ins Abseits gefuehrt wird? Ohne bisher den wissenschaftlichen Nachweis erbracht zu haben, dass das CO2 das Klima veraendert (welches Klima bleibt im dunkeln), werden Klimaschutzabgaben kassiert. Man fragt sich unwillkuerlich, wann das Ausatmen von CO2 unter Strafe gestellt wird, um noch mehr zu kassieren. Der Treppenwitz der Klimageschichte ist der, dass die CO2-Manie von dem Projekt Energiesysteme der IIASA unter der Leitung von Wolf Haefele, dem Vater des deutschen Schnellen Brueters, in den 1970er Jahren ausging. Nach Haefele & Manne (1975) sollten moeglichst viele konventionelle Kraftwerke durch Kernkraftwerke (KKWs) ersetzt werden. Dem stand allerdings die Angst der Bevolkerung vor der Nutzung der Kernenergie (KE) im Wege. Man denke nur an das oesterreichische Referendum zum KKW Zwentendorf vom November 1978. Also versuchten Haefele und Co. eine "Gefahr" zu etablieren, die noch groesser sei als die Gefahren durch KE, naemlich die Klimaaenderung durch CO2. Zum Beispiel geht das sog. 2-Grad-Ziel, was immer Schellnhuber zugerechnet wird (siehe Laudatio der Leopoldina), auf einen IIASA-Bericht des amerikanischen Volkswirtschaftlers Bill Nordhaus (heute Yale University) von 1975 zurueck. Auch heute noch versucht die KE-Lobby, die CO2-Manie fuer ihre Zwecke zu missbrauchen (http://www.kernenergie.de/kernenergie/themen/klimaschutz/index.php), denn man will laengere Laufzeiten fuer die noch am Netz haengende KKWs erzwingen. Die eigentliche Energiewende fand naemlich bereits Anfang der 1990er Jahre statt. Das juengste deutsche KKW ist bereits 25 Jahre alt. Nach Zeugen soll Haefele noch 2004 im Anschluss nach einer Diskussion behauptet haben, er habe das CO2 den Gruenen ins Gehirn geschissen. Haefele hat offenbar ganze Arbeit geleistet. Er hat die Denkfaehigkeit eines ganzen Volkes so lahmgelegt wie Kunststoffschaum die Klingel einer Alarmanlage.
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