Infografik Wo in Deutschland noch Kohlekraftwerke stehen

Energie aus Kohle gilt in Deutschland als Auslaufmodell, zuletzt hat Vattenfall den Verkauf mehrerer Meiler angekündigt. Doch wo gibt es in Deutschland überhaupt noch Kraftwerke? Die Infografik der Woche.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Es ist ein Geschäft auf lange Sicht: Wie diese Woche bekannt wurde, verkauft Vattenfall seine Braunkohlesparte an den tschechischen Energiekonzern EPH. Der bekommt neben den Kraftwerken und Kohlegruben auch Barmittel in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro - für die Rekultivierung nach dem Ende der Kohleförderung.

Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, stehen in Deutschland noch 148 aktive Kraftwerke, deren einziger oder größter Energieträger Braunkohle oder Steinkohle ist. Das geht aus der jüngsten Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur hervor. Die meisten Kraftwerke betrieb demnach RWE . Auch für Vattenfall Steag, EnBW und E.on sind mehrere Standorte verzeichnet. Ein Großteil der Kraftwerke ist nach wie vor im Besitz vieler kleinerer Unternehmen und Stadtwerke.

Die Karte zeigt ausschließlich die als reine Braunkohle- oder Steinkohlekraftwerke gelisteten Standorte. Orte, an denen mehrere separat aufgeführte Kraftwerke an einer Stelle existieren, oder Kraftwerke, die unterschiedliche Kennungen für einzelne Blöcke haben, wurden zusammengefasst. Die Karte verdeutlicht, dass es noch immer klare Kohlereviere gibt, etwa das Ruhrgebiet , das Saarland oder eben die Lausitz. Auch wird deutlich, dass die Energieunternehmen in unterschiedlichen Regionen aktiv sind: Vattenfall im Norden und Osten, E.on und RWE im Westen, EnBW und Steag im Süden.

Die Größe der Punkte verdeutlicht die jeweilige Netto-Nennleistung in Megawatt. Je größer ein Punkt, umso mehr Strom produziert ein Kraftwerk also. Die vereinzelten kleinen Punkte sind meist Heizkraftwerke, die in geringen Mengen auch Strom erzeugen. Ein Sonderfall ist das Braunkohlekraftwerk Lippendorf bei Leipzig. Das Kraftwerk wird von Vattenfall betrieben. Der Block R gehört zum Unternehmen, der Block S hingegen gehört EnBW.

Vattenfall hatte 2014 entschieden, sich von dem Geschäftsfeld Braunkohle zu trennen. In seiner Braunkohlesparte beschäftigt der Konzern rund 8000 Menschen - und geht davon aus, dass an der Lausitzer Braunkohle rund 16.000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern hängen. Der Gesamtbetriebsratschef der Vattenfall Europe Mining AG, Rüdiger Siebers, sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Käufer EPH bekenne sich zu den geltenden Tarifverträgen. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis Ende 2020 ausgeschlossen.

An seinen übrigen Aktivitäten in Deutschland - darunter Fernwärme und Windkraft - hält Vattenfall fest. Im Raum Hamburg betreibt Vattenfall auch drei Steinkohle-Kraftwerke.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite .

agr/dpa/che

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insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
erst nachdenken 21.04.2016
1.
Kohle als Auslaufmodell? Kohlekraftwerke stellen hierzulande die Grundlast und werden - wie gerade erst in Hamburg-Moorburg - immer noch neu gebaut.
_gimli_ 21.04.2016
2.
Zitat von erst nachdenkenKohle als Auslaufmodell? Kohlekraftwerke stellen hierzulande die Grundlast und werden - wie gerade erst in Hamburg-Moorburg - immer noch neu gebaut.
Hamburg-Moorburg ist ein Sonderfall. Die Betreiber dieses Kraftwerks verdienen ihr Geld durch einen Liefervertrag mit der Fa. Aurubis. https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlekraftwerk_Moorburg Ich kenne ansonsten keinen einzigen Betreiber von Kohlekraftwerken in Deutschland, der nicht mit dem Rücken zur Wand steht.
nordsued 21.04.2016
3. Wir brauchen noch mehr Kohlekraftwerke
Warum ? Bis 2020, sollen 1 Mio. E-Autos auf Deutschlands Straßen fahren. Nur keiner überlegt wo die benötigte Energie herkommen soll. In Singapur hat ein Tesla Besitzer noch eine Kohlendioxidabgabe von 15.000 $ berappen müssen, da Singapur Gaswerke besitzt und die Zulassungsstelle mal richtig nachgerechnet habt, welcberechnete mit Europäischen Formeln einen CO2-Ausstoß von 222 g/km ermittelt. Den gesamten Artikel kan mann unter http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/wenn-der-wirt-die-oekorechnung-selbst-nachprueft-der-tesla-eine-dreckschleuder/ nachlesen
ludwig49 21.04.2016
4. Ein tschechischer Konzern...
...bekommt € 1,7 Milliarden Barvermögen für die Rekultivierung nach Ende der Kohleförderung. Wer rekultiviert, wenn der betreffende Konzern kurz vor Ende der Förderung sich in Wohlgefallen auflöst? Dann wird aus dem deutschen Steuertopf bezahlt, in den man die Milliarden zweckgebunden hätte gleich fliessen lassen können !
Karl Auer 21.04.2016
5.
Zitat von nordsuedWarum ? Bis 2020, sollen 1 Mio. E-Autos auf Deutschlands Straßen fahren. Nur keiner überlegt wo die benötigte Energie herkommen soll. In Singapur hat ein Tesla Besitzer noch eine Kohlendioxidabgabe von 15.000 $ berappen müssen, da Singapur Gaswerke besitzt und die Zulassungsstelle mal richtig nachgerechnet habt, welcberechnete mit Europäischen Formeln einen CO2-Ausstoß von 222 g/km ermittelt. Den gesamten Artikel kan mann unter http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/wenn-der-wirt-die-oekorechnung-selbst-nachprueft-der-tesla-eine-dreckschleuder/ nachlesen
1. sind genug Kraftwerke für zusätzlichen Stromverbrauch von mehreren Millionen E-Fz da. Die brauchen ja nur ihre Auslastung zu erhöhen. Die meisten Fahrzeuge würden zudem wohl nachts geladen, wenn die Auslastung sowieso niedrig ist. 2. hat sich der Singapurer Geschäftsmann ziemlich über den Tisch ziehen lassen. Was diese Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) mit Normverbräuchen zu tun haben soll, ist nicht ganz klar. Aber selbst in realistischen Test verbrauchte der Tesla S zwischen 20 und 26 kwh, und nicht über 40.
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