Konjunktur Deutsche Wirtschaft verteidigt Sonderstellung

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet: Dank guter Geschäfte im Dienstleistungssektor ist der Einkaufsmanagerindex über die Marke von 50 Punkte gestiegen - was Wachstum signalisiert. Deutlich schlechter läuft es dagegen in der Euro-Zone.

Baustelle: Die deutsche Wirtschaft trotzt der Krise
Corbis

Baustelle: Die deutsche Wirtschaft trotzt der Krise


Berlin - Der Euro-Zone droht eine Rezession: Die Stimmung unter den Einkaufsmanagern hat sich im Dezember zwar leicht verbessert, der entsprechende Index liegt mit 47,9 Punkten aber weiterhin deutlich unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Das Forschungsunternehmen Markit rechnet deshalb damit, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal um 0,6 Prozent schrumpft. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit zweieinhalb Jahren.

Die deutsche Wirtschaft dagegen entwickelt sich recht ordentlich: Während die Industrie im Dezember schwächelte, wuchsen die Geschäfte im Dienstleistungssektor so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft kletterte dadurch um 1,9 Punkte auf 51,3 Punkte, teilte das Markit-Institut mit.

Die Postbank bezeichnete den Anstieg als "äußerst positiv". "Das aufgehellte Stimmungsbild stützt unsere Einschätzung, dass die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung hinter der Verschuldungskrise gar nicht so schlecht ist", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Kurzkommentar.

EZB sieht keine Inflationsgefahr

Deutschland verteidigt damit seine Ausnahmestellung in der schwächelnden Euro-Zone. Im kommenden Jahr droht aber auch hierzulande der Aufschwung zu erlahmen. Alle großen Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognose für 2012 deutlich gesenkt. Am Donnerstag korrigierte auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) seine Einschätzung nach unten. Statt 0,8 Prozent Wachstum gehen die Ökonomen nun nur noch von einem Plus von 0,3 Prozent aus.

Darüber hinaus verweist das Institut auf große Risiken, insbesondere im Bankensektor. Eine Rezession im kommenden Jahr sei damit nicht ganz auszuschließen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angesichts eines drohenden Konjunktureinbruchs umfassende Reformen angemahnt. Die Regierungen im Euro-Raum müssten "dringend alles daran setzen, um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen im gesamten Euro-Raum zu fördern", schrieben die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht.

Inflationsrisiken sieht die EZB kaum. Angesichts der zu erwartenden Wachstumsabschwächung dürfte der Preisdruck mittelfristig gering bleiben. Auch das Geldmengenwachstum sei moderat. Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten zwar über dem Zielwert der Notenbank von knapp zwei Prozent verharren, danach aber zurückgehen. Im November lag die Rate mit 3,0 Prozent deutlich über dem EZB-Ziel.

cte/Reuters/dpa



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insgesamt 4 Beiträge
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sukowsky, 15.12.2011
1. Nun kommen wieder Schelte
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet: Dank guter Geschäfte im Dienstleistungssektor ist der Einkaufsmanagerindex über die Marke von 50 Punkte gestiegen - was Wachstum signalisiert. Deutlich schlechter läuft es dagegen in der Euro-Zone. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803912,00.html
Trotz aller Unkenrufe durchpflügt das deutsch Wirtschaftsschiff kräftig die Wirtschaftsflaute wird sie wieder gescholten auf Kosten anderer Länder?
AlbertGeorg 15.12.2011
2. 3864 Versionen
Na dann mal wieder eine neue Prognose! Also das Schöne an den vielen verschschiedenen Versionen die der Spiegel so anbietet: 1 könnte ja war sein. Machen wir doch ein Quiz - der Gewinner erhält den großen Augstein-Wirtschafts-Diarrhöe-Preis
robert.haube 15.12.2011
3. Warnleuchten blinken rot
"Elegant" wird darüber hinweg geschrieben, dass insbesonders der Subindex Auftragseingänge des sowieso unter 50 liegenden Industrieberichs (PMI Industrie) auf Schrumpfung hinweist. Das bedeutet nichts anderes, dass in der Industrie aufs Ganze gesehen gegenwärtig die Auftragspolster verfrühstückt werden. Eine solche Nachricht wäre vor Weihnachten nicht so ganz passend.
Gruuber 16.12.2011
4. Merkel fehlt - so wie auch vielen anderen "Machern" und auch den Parteien,
denen die Macher ihr Vertrauen, ihr Sponsoring und ihre Stimme schenken - leider völlig der Hausverstand und auch das logische Denken. Angenommen, die Politik der offensichtlich ahnungslosen Merkel und der bürgerlichen bzw. rechten Parteien würde wirklich auf Punkt und Beistrich in der EU vollzogen werden. Dass also alle(!) EU-Länder strikteste Sparprogramme durchziehen müssten. Was wäre die Folge? Natürlich würde dann garantiert die Kaufkraft in allen EU-Ländern mehr oder weniger zusammenbrechen. Aber auch die EU-Staaten selbst und etliche Wirtschaften dieser Länder müssten sparen, dass es nur so kracht. Darf man fragen, an welche EU-Länder Deutschland und andere Rekord-Exportwirtschaften ihre Waren dann weiterhin im selben Umfang verkaufen würden wie bisher? Bzw. sogar noch mehr? Siehe Wirtschaftswachstum! Oder ist nicht eher zu befürchten, dass wieder genau dasselbe Spiel der Großpleitiers und Großversager kommt? Dass nämlich auf Teufel komm raus den Ländern und Wirtschaften uneinbringliche Kredite gewährt werden und auf Pump bis zum Abwinken verkauft wird? Wofür in der Folge natürlich wieder(!) die Steuerzahler und vor allem der Mittelstand der Exportländer gewaltig bluten müssten! Ohne funktionierenden Geldkreislauf Wirtschaft-Konsumenten-Wirtschaft-Konsumenten werden die Wirtschaften, aber auch die Staaten, garantiert in Kürze zusammenbrechen. Das Abzweigen von unglaublichen Summen aus diesem Kreislauf, um damit lediglich in einem noch nie da gewesenen Umfang Aktien- und Börsenspielchen zu machen, nicht selten in krimineller oder volkswirtschaftsfeindlicher Form, bringen der Produktions- und Dienstleistungswirtschaft absolut nichts. Im Gegenteil, die werden dadurch oft noch stärker unter Druck gesetzt. Einzige Rettungsmöglichkeit (wie sie übrigens von den USA (ca. 50er-Jahre) schon einmal angewendet wurde, um von weit über 100% Staatsverschuldung auf 30% herunter zu kommen): Krachende Einkommens- und Vermögenssteuern auf höchste Einkommen und Vermögen und andere saftige Steuererhöhungen. Übrigens merkwürdig - trotzdem kam es nicht zu einer Massenflucht der Kapitalrehe aus den USA! Man kann natürlich auch warten, bis alles unrettbar zusammenbricht! Ginge natürlich auch.
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