Ifo-Index auf 17-Monats-Tief Unternehmen haben kaum Hoffnung auf Wachstum

Die Hoffnung der deutschen Unternehmen auf ein kräftiges Wachstum in der zweiten Jahreshälfte schwindet. Der Ifo-Index ging zum fünften Mal in Folge zurück und fiel auf den tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren.

Bauarbeiter in München: Sorge in der Wirtschaft vor internationalen Krisen
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Bauarbeiter in München: Sorge in der Wirtschaft vor internationalen Krisen


München - Die Firmen in Deutschland sehen derzeit offenbar keine Aussicht auf bessere Geschäfte. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September zum fünften Mal in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel deutlich von 106,3 auf 104,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit April 2013.

"Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte schätzten nicht nur die Geschäftslage schlechter ein, sondern bewerteten auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate so schlecht wie seit Ende 2012 nicht mehr. In allen wichtigen Branchen trübte sich das Klima ein - von der Industrie, über den Handel bis hin zum Bau und den Dienstleistern. Während die Industriemanager die Lage noch als gut bezeichneten, beurteilten sie die Aussichten angesichts vieler geopolitischer Krisen und der mauen Konjunktur in der Eurozone erstmals seit Januar 2013 negativ. "Vom Auslandsgeschäft werden kaum noch Zuwächse erwartet", sagte Sinn.

Die Ifo-Forscher befragen monatlich 7000 Manager. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Angesichts der pessimistischeren Einschätzung der Unternehmer schwinden die Chancen auf ein kräftiges Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. Das Bruttoinlandsprodukt war im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie senkte seine Wachstumsprognose von 2,0 auf 1,5 Prozent.

"Die erneut schlechtere Stimmung ist ein Warnsignal", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Selbst die in den vergangenen Wochen nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für Deutschland könnten sich noch als zu optimistisch erweisen, sollte sich das internationale Umfeld weiter eintrüben.

Zuletzt waren auch die Prognosen für weitere Euroländer gesenkt worden. So sieht die Industrieländergruppe OECD die Wirtschaftslage in der Eurozone zunehmend skeptisch. Die Erholung in den großen Euroländern Deutschland, Frankreich und Italien bezeichnete die OECD als enttäuschend.

mmq/Reuters/dpa



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insgesamt 35 Beiträge
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kdshp 24.09.2014
1.
Gähn!
rus13 24.09.2014
2.
Uns wird doch immer berichtet wie gut es uns geht?! Also ich kenne selbst 2 Unternehmer (jeweils 10-15 Mitarbeiter) und die Auftragslage wird auch dort als sehr schlecht beschrieben.
ChristianGruber 24.09.2014
3. So ein Käse
Immer dieses jammern über das mangelnde Wirtschaftswachstum... wenn das Glas voll ist, kann man es nicht weiter füllen. Unendliches Wachstum in einer endlichen Welt kann nur auf kosten anderer möglich sein. Und diese kommen dann eben als Wirtschaftsflüchtlinge zu uns. Es gibt nur 100 %... wenn unsere Wirtschaft um 5 % steigt, geht irgendwo anders die Wirtschaft um 5 % zurück. Somit wird die Schere zwischen arm und reich immer größer.... und die Umwelt leidet am meisten. Und wenn jetzt wieder einer meint, es geht nicht anders und man braucht Wachstum, hat er auch völlig recht. Dieses Wirtschaftssystem, das wir haben kann nur von Wachstum leben. Solange kein radikaler Schnitt gemacht wird (Ziel des Wirtschaftswachstum 0 %, keine weiteren Gewinnsteigerungen) wird sich nichts daran ändern. Solange der Mensch der Wirtschaft dienen muss und nicht umgekehrt, geht die Welt den Bach runter.
Progressor 24.09.2014
4. Wachstumstheorie
Wirtschaftswachstum = Erhöhung der nachfragewirksamen Geldmenge [nach BIP-relevanten Gütern; im Vergleich zum Vorjahr] - Inflation Woher kommt nun die nachfragewirksame Geldmenge? Sparer können weniger sparen oder vielleicht sogar einen Teil ihres Sparguthabens für Anschaffungen abheben. Oder es werden mehr Kredite aufgenommen. Diese müssen aber dann für neu produzierte Güter ausgegeben werden, ein Altbau-Haus damit zu kaufen gilt nicht, auch Aktienkäufe nicht. Die Nettokreditaufnahme (= Kredite - Sparen) muss also erhöht werden. Damit ist Wirtschaftswachstum = Nettokreditaufnahme - Inflation Die Nettokreditaufnahme kann durch alle Wirtschaftssektoren (private Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland) getätigt werden. Bei uns in Deutschland war das Wachstum bisher sehr annehmbar, durch die Leistungsbilanzüberschüsse hat sich das Ausland für uns verschuldet. In den USA hat man gesehen, dass die Wachstumsinduzierung durch Kreditaufnahmen der privaten Haushalte immerhin zehn Jahre lang gutgeht. Mit den Kreditaufnahmen der Unternehmen ist es so eine Sache. Die warten gerne mal bis jemand anders da in Vorleistung tritt. Wenn dann auch noch der Staat anfängt zu sparen, wirds halt happig.
p.klein3255 24.09.2014
5.
Tja, immer nur Wachstum - das klappt nicht. Wenn man seinen Arbeitern keinen angemessenen Lohn zahlt, dann gibt es auch keine Kaufkraft.
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