Konjunktur Industrie bekommt weniger Aufträge

Die Konjunktur boomt weiter, doch die Industrie muss einen Dämpfer hinnehmen: die Aufträge gingen im März erneut zurück. Das Wirtschaftsministerium sieht jedoch keinen Anlass zur Besorgnis.

Maschinenbau
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Die deutsche Industrie hat im März wegen einer geringeren Nachfrage aus dem Ausland den dritten Monat in Folge weniger Auftragseingänge verzeichnet. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, lag das gesamte Ordervolumen 0,9 Prozent unter dem Niveau des Vormonats. Nach einer Abwärtskorrektur des Februar-Ergebnisses ist dies schon der dritte Rückgang in Folge. Analysten hatten für März einen leichten Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet.

Schwach entwickelte sich laut Statistikamt die Auslandsnachfrage, die im Monatsvergleich um 2,6 Prozent fiel. Aus der Eurozone kamen 3,0 Prozent weniger Aufträge, die Nachfrage aus Ländern außerhalb des Währungsraums sank um 2,5 Prozent. Im Inland wurden dagegen 1,5 Prozent mehr Industriegüter nachgefragt.

Im gesamten ersten Quartal gingen die Bestellungen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. Diese Entwicklung ist ein Spiegelbild des schwachen Wirtschaftswachstums in vielen Industrie- und Schwellenländern zu Jahresbeginn. So war die Eurozone insgesamt im ersten Quartal mit 0,4 Prozent wesentlich schwächer gewachsen als in den Quartalen zuvor.

Bankenexperten uneins

Das Wirtschaftsministerium relativierte den schwachen Jahresauftakt mit der Bemerkung, die Auftragsbücher der Unternehmen seien weiterhin sehr gut gefüllt. So habe die Reichweite des Orderbestands im Februar bei 5,6 Monaten gelegen. Das sei der höchste Wert seit Beginn der Erhebung der Statistik im Jahr 2015.

Einige Bankvolkswirte zeigten sich weniger gelassen. "Die Konjunktur kühlt sich ab", kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Die Debatte um amerikanische Strafzölle habe die exportstarke europäische Industrie verunsichert. Zudem gehe dem starken Wachstum des Vorjahres wohl generell etwas die Luft aus. "Möglicherweise sind die Wachstumserwartungen für das laufende Jahr zu hoch."

Analysten der BayernLB zeichneten ein etwas anderes Bild. Sie sehen den Handelskonflikt mit den USA nicht als ursächlich für den Orderrückgang, da Bestellungen aus der Eurozone überdurchschnittlich gelitten hätten. Zudem sei der deutliche Rückgang der Bestellungen von Investitionsgütern auch auf den relativ starken Rückgang von Großaufträgen zurückzuführen. Ohne diese Komponente weist das Wirtschaftsministerium nur ein Monatsminus von 0,1 anstatt 0,9 Prozent aus. Dies stellt laut BayernLB eine Stabilisierung dar.

mik/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
wannbrach 07.05.2018
1.
Es kann kein andauerndes Wachstum geben und schwächelnden Perioden sind normal. Außerdem ist zu beachten dass der Rest der Eurozone nicht so schnell wächst wie Deutschland.
willibaldus 07.05.2018
2.
Ich hätte vom starken Euro gegenüber dem Dollar mehr Einfluss erwartet. Anscheinend kaufen die Leute aus dem Dollar Raum zu fast jedem Preis. Wenn es gegen 1.3Dollar pro Euro geht, dann werden die Aufträge von ausserhalb der EU vielleicht doch etwas stärker abnehmen. Alles in allem ein Dämpfer für die Weltkonjunktur, ein Trend ist nicht zu sehen
rainercom 08.05.2018
3. Das Wirtschaftsministerium sieht jedoch keinen Anlass zur Besorgnis
Die werden erst wach wenn die Blase geplatzt ist.
Duggi 08.05.2018
4. Das ist wohl ein Segen so.
Denn dann müssen wir ja nicht mehr so viele Aufträge wegen des angeblichen Fachkräftemangels unbearbeitet liegen lassen. LOFL
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