Stärkster Rückgang seit 2009 Deutscher Industrie brechen die Aufträge weg

Schock für die deutsche Industrie: Im August fiel die Zahl der Aufträge um fast sechs Prozent - so stark wie zuletzt im Krisenjahr 2009. Ökonomen suchen die Schuld bei den späten Schulferien.

Container im Hamburger Hafen: Die Nachfrage aus dem Ausland ist schwach
DPA

Container im Hamburger Hafen: Die Nachfrage aus dem Ausland ist schwach


Wiesbaden/Berlin - Die Nachricht klingt dramatisch - und vielleicht ist sie es auch: Um 5,7 Prozent sind die Aufträge der deutschen Industrie im August weggebrochen. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009. Damals musste Deutschland gerade die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise verkraften. Die Wirtschaftsleistung stürzte im Gesamtjahr um rund fünf Prozent ab.

So schlimm werde es dieses Mal nicht, beruhigen Fachleute. Die späte Lage der Schulferien habe die Aufträge im Juli ungewöhnlich hoch und im August ungewöhnlich niedrig ausfallen lassen, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Auch Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB beschwichtigt: "Die Zahlen sehen auf den ersten Blick schlechter aus, als sie tatsächlich sind."

Und doch sind die schlechten Werte eine Überraschung. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im Vorfeld Ökonomen befragt, die zwar auch mit einem Rückgang gerechnet hatten, allerdings längst nicht mit einem solch starken.

Das Wirtschaftsministerium nennt denn auch weitere Gründe: die "zögerliche Wirtschaftsentwicklung im Euroraum" und die "Verunsicherung der Wirtschaft durch die geopolitischen Ereignisse". Besonders schwach war die Nachfrage aus dem Ausland, sie fiel im August um 8,4 Prozent. Aus dem Inland kamen zwei Prozent weniger Bestellungen.

Am deutlichsten fiel die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen. Hier gab es ein Minus von 8,5 Prozent. Die Bestellungen von Konsumgütern wuchsen dagegen um 3,7 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft steckt seit Monaten in der Flaute. Im zweiten Quartal (April bis Juni) war das Bruttoinlandsprodukt sogar leicht geschrumpft, um 0,2 Prozent. Für das gerade zu Ende gegangene Sommerquartal rechnen die meisten Experten eigentlich wieder mit einem leichten Wachstum. Doch zuletzt zeigten gleich mehrere Konjunkturindikatoren deutlich nach unten.

stk/Reuters

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insgesamt 112 Beiträge
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nixkapital 06.10.2014
1. ...
...ich warte jetzt auf den Artikel, in dem es dann heißt, wir müßten den Gürtel weiter enger schnallen, damit wir wieder "wettbewerbsfähig" werden. Die nächste Runde der Arbeitsentwertung wird gerade eingeläutet.
janne2109 06.10.2014
2. ??
Die Aufträge brechen weg?? Heisst es nicht es werden weniger Aufträge vergeben?? Brechen weg heißt es eigentlich nur wenn vergebene Aufträge storniert werden. Wieder einmal eine Überschrift die reißerisch klingen soll! Spon, dass habt Ihr doch nicht nötig. Solange die Bevölkerung noch wegen einem Telefon stundenlang ansteht ist Kaufkraft vorhanden, also Wirtschaft lasst Euch neue, innovative Gegenstände einfallen.
shorty.07 06.10.2014
3. Deflation
Sind die Leistungen der Deutschen zu teuer? Die Warnungen waren da, aber keiner wollte Sie hören.
plietsch 06.10.2014
4.
" Im August fiel die Zahl der Aufträge um fast sechs Prozent - so stark wie zuletzt im Krisenjahr 2009. " Fast sechs Prozent, na das klingt ja dramatisch. Interessant wäre bloß nicht nur die "Zahl der Aufträge", sondern ihr Umfang. Auf zwei 50-Mio-Aufträge verzichtet man doch gerne, wenn man im Gegenzug einen für 150 Mio. Euro sichert. Klar, ist eine "Halbierung der Zahl der Aufträge"...
GSYBE 06.10.2014
5. Stärkster Rückgang seit 2009
Deutsche Medien scheinen eine andere Lesart von ökonomischen Daten zu haben: hier in Spanien habe ich schon vor 2 Wochen auf einem Englisch sprachigen Radiosender gehört, dass sich Deutschland nach (wohl nicht-deutscher Lesart) offiziellen Daten in einer Rezession befindet.
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