Prognosen Institute erwarten stabiles Wachstum bis 2020

Seit neun Jahren ist Deutschland im Aufschwung - und bleibt es bis mindestens 2020, prognostizieren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Dann aber könnte das Wachstum langsam an seine Grenzen kommen.

Baustelle in München
DPA

Baustelle in München


Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für dieses und die kommenden beiden Jahre weiterhin mit stabilem Wachstum. Sowohl das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Ifo-Institut als auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sagen bis einschließlich 2020 jährliche Wachstumsraten von zwei Prozent oder knapp darunter voraus.

Auch die Arbeitslosigkeit wird den Instituten zufolge weiter sinken. Dann aber könnten Wirtschaft und Arbeitsmarkt an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.

Das Ifo-Institut schätzt die Aussichten sogar noch etwas günstiger ein als vor drei Monaten. Für das laufende und das kommende Jahr prognostizieren die Münchner Wirtschaftsforscher jeweils ein Plus von 1,9 Prozent. 2020 solle es dann noch um 1,7 Prozent nach oben gehen.

Ifo-Experte Timo Wollmershäuser begründete die Prognoseanhebung mit den guten Wirtschaftsdaten aus dem ersten Halbjahr - und damit, dass die Konjunktur vor allem durch den privaten Konsum getragen werde. Dieser profitiere wiederum von steigender Beschäftigung und kräftigen Einkommenszuwächsen.

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt seien damit günstig: Die Zahl der Arbeitslosen werde laut Ifo-Prognose bis 2020 auf 2,1 Millionen zurückgehen, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent.

Personal wird knapp

Das DIW senkte seine Prognosen hingegen leicht, erwartet aber mit 1,8 Prozent (2018), 1,7 Prozent (2019) und 1,8 Prozent (2020) ein ähnlich hohes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. "Von einem Einbruch kann keine Rede sein", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Auch das DIW rechnet 2020 mit 2,1 Millionen Arbeitslosen.

Auch andere große Institute wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnen bis 2020 mit stabilen Wachstumsraten von bis zu zwei Prozent. Allerdings weisen dies Forscher auch darauf hin, dass diese Entwicklung an ihr Ende kommen könnte.

"Insgesamt mehren sich die Zeichen, dass die deutsche Wirtschaft in die Spätphase des Aufschwungs eintritt, da deutlich angespannte Kapazitäten, die sich etwa in Engpässen bei Personal sowie Vorleistungs- und Ausrüstungsgütern bemerkbar machen, einer kräftigeren Ausweitung der Produktion im Wege stehen", sagte IfW-Experte Stefan Kooths. Besonders ausgeprägt zeige sich dies in der Bauwirtschaft, die zuletzt den höchsten Preisanstieg seit 25 Jahren verzeichnet habe.

fdi/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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marthaimschnee 06.09.2018
1. Ah, Nachrichten aus dem Paralleluniversum
vielleicht sollte ich mal erwägen, in dieses Paralleluniversum auszuwandern, in dem kräftige Einkommenszuwächse den privaten Konsum befeuern. Aber vermutlich gelte ich dort als Armutsmigrant und werde gar nicht reingelassen. Trotz Fachkräftemangel. Merkt ihr eigentlich nicht langsam, daß nichts von dem zusammenpaßt, was hier herbeiphantasiert wird?
sterling 06.09.2018
2. Was denn jetzt?
Es kommt ein Bericht, die Wirtschaft kurz vom zusammenbrechen aufgrund der US Sanktionen, dann folgt eine Woche später ein Bericht, dass die Lage doch nicht so schlimm ist und die Lage sich verbessert und nächste Woche heißt es wieder es gibt eine Flaute dieses Quartal, wahrscheinlich ist es das der Anfang vom Ende und jetzt wieder so ein Bericht. Tut mir leid, aber ernst nehmen kann ich diese Berichte nicht mehr. Nicht mal der Wetterbericht wird so häufig korrigiert wie die wirtschaftliche Lage Deutschlands.
k.hohl 06.09.2018
3.
Zitat von marthaimschneevielleicht sollte ich mal erwägen, in dieses Paralleluniversum auszuwandern, in dem kräftige Einkommenszuwächse den privaten Konsum befeuern. Aber vermutlich gelte ich dort als Armutsmigrant und werde gar nicht reingelassen. Trotz Fachkräftemangel. Merkt ihr eigentlich nicht langsam, daß nichts von dem zusammenpaßt, was hier herbeiphantasiert wird?
Ich weiß nicht in welchem Paralleluniversum Sie jetzt gerade leben, aber die Einkommenszuwächse der letzten Jahr kann man einerseits in verschiedensten Statistiken nachlesen - andererseits im Gespräch mit seinen Mitmenschen. Probieren Sie's mal aus, Sie werden erstaunt sein. Unzufriedene und Nörgelnde zu finden ist nicht leicht!
virginia 06.09.2018
4. jetzt gucken wir in die glaskugel
hiess es nicht vor einer stunde, die prognose sieht nicht gut aus? ist mal jemand in der redaktion in der lage, solche meldungen einzuordnen?
larsmach 06.09.2018
5. Bruttoinlandsprodukt - und keiner macht mit...!
Stell dir vor, es gibt immer mehr Bruttoinlandsprodukt - und immer weniger Leute machen mit! ... Wie Seehofer gerade phantastisierte: "Die Mutter aller Probleme..." ...ist die exponentiell verlaufende technologische Entwicklung und Digitalisierung (wenn ich den Satz einmal KORREKT zu Ende bringen darf!). Immer mehr Menschen werden zu Assistenten immer besserer Maschinen und Expertendatenbanken; heute belächeln wir mustererkennungsbasierte Sprachschnittstellen und zeigen mit dem Finger auf "Call-Center", die bald ohne Personal auskämen (ja! ...ebenso wie der völlig normal sprechende Bagger oder die Anamnese-Datenbank, die meine unpräzise Laiensprache versteht und zuverlässiger als ein Mensch Sand umschichtet und Krankheiten diagnostiziert, ganz ohne Kranführer und Hausarzt). Zum Glück gibt es viele Arbeiten, die ein wachsender Teil der Menschheit (nennen wir ihn "Prekariat"?) zu absurden Bedingungen leistet - das kann (noch) nicht einmal eine Maschine so billig! Ja, ja... stabiles Wachstum in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung... derweil wir Jahr für Jahr für Jahr die Folgen unserer Bemühungen sehen, ein Schlaraffenland zu schaffen, in dem zwanghafte Arbeit gegen Hobbies, Lernen aus Interesse und Arbeiten aus Spaß möglich sein soll. Es kommt - in ganz großen Schritten: Das sehen wir ja, und davon reden schon unsere Kinder, die ins Internet-Zeithalter geboren wurden! - Und am Ende hat keiner die Folgen politisch diskutiert: Nicht im Steuersystem, nicht im Einkommenskonzept - nein: Am Ende wird Warren Buffett recht behalten: Eine kleine Handvoll Eigentümer wird reich sein und (Zitat) "den Krieg meinesgleichen gegen die Armen" gewonnen haben (wobei er das nicht einmal gutheißt, sondern warnend immer wieder davon spricht - ohne, dass ein Horst Seehofer ihm dabei zuzuhören scheint). Zwischen diesen Ereignissen gibt es dann noch Weltkrisen, die - wie üblich - alle Prognosen über den Haufen werfen; sei es ein Kollaps Saudi Arabiens oder tiefe Rezessionen in Großbritannien oder in Teilen der USA oder ein Schuldenkollaps in der Türkei als erstem Dominostein oder irgendein anderer "Husten".
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