Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Konjunktur: IWF sagt Europa langfristig schwaches Wachstum voraus

Die Rezession hat dauerhafte negative Nachwirkungen für Europa. Der Internationale Währungsfond befürchtet eine nur schleppende Erholung in den nächsten Jahren - und prophezeit ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf zwölf Prozent im Jahr 2011.

Metallarbeiter in Duisburg: 2011 steigt laut IWF Arbeitslosigkeit in Europa auf zwölf Prozent Zur Großansicht
ddp

Metallarbeiter in Duisburg: 2011 steigt laut IWF Arbeitslosigkeit in Europa auf zwölf Prozent

Istanbul - Europa lässt die schwere Rezession nur im Schneckentempo hinter sich und muss sich danach auch längerfristig auf gedämpftes Wachstum einstellen. Schon die Erholung von der Krise werde langsam und schwach ausfallen, heißt es in einem am Samstag in Istanbul veröffentlichten Konjunkturausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF). Andere Weltregionen könnten die Folgen der Krise schneller bewältigen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Grund seien die weniger flexiblen Marktbedingungen als zum Beispiel in den USA.

Kredite blieben knapp, während zugleich die Arbeitslosigkeit steige. Nach einem Einbruch von minus vier Prozent in diesem Jahr sei für 2010 lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent zu rechnen. Auch jenseits des kurzfristigen Horizonts werde die Krise das Wirtschaftswachstum in Europa negativ beeinflussen, heißt es.

Als Grund für die nur schleppende Erholung sieht der IWF die deutlich gesunkene Nachfrage amerikanischer Verbraucher, die Asien trotz gestiegener Importe nicht wettmachen könne. "Europa kann sich nicht alleine auf Exporte verlassen, um die Gesundung der Wirtschaft voranzutreiben", heiß es in dem Bericht.

Der IWF schätzt, dass die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone bis zum Jahr 2011 auf beinahe zwölf Prozent klettert. Für Deutschland erwartet der Fonds im kommenden Jahr knapp elf Prozent Arbeitslose.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat auch deswegen vor einem zu schnellen Ausstieg aus den teuren Programmen zur Krisenbekämpfung gewarnt. "Es ist noch nicht die Zeit dafür", erklärte er am Freitag bei der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Istanbul.

Die Einführung einer neuen internationalen Steuer auf Finanztransaktionen, wie sie vor allem Deutschland jüngst favorisiert hatte, lehnte Strauss-Kahn ab. "Ich denke nicht, dass ein solcher vereinfachter Ansatz funktioniert", sagte er.

Es bleibe aber die berechtigte Frage, wie die Finanzbranche an den Kosten beteiligt werden könne, die sie mit der Krise selbst verursacht habe. Der IWF werde dazu Vorschläge machen, die in Richtung eines Fonds oder einer Art Versicherung gingen, kündigte er an.

cai/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Konjunktur - ist eine Volkswirtschaft auch ohne Wachstum möglich?
insgesamt 612 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Was für eine Frage?
ender, 19.09.2009
Zitat von sysopWachstum ist seit jeher das Erfolgs-Mantra der westlichen Volkswirtschaften. Seit Krisen und Umwälzungen der Weltwirtschaft die Märkte erschütterten, gerät auch dieser Glaubenssatz in die Diskussion. Ist eine Volkswirtschaft auch ohne beständiges Wachstum denkbar?
Selbstverständlich kann eine Volkswirtschaft auch ohne Wachstum existieren. Es gibt und gab niemals einen Zwang zu Wachstum. Woher sollte der denn schon auch kommen? Der einzige "Zwang" zu Wachstum kommt vom *Menschen* selbst, der das *Bedürfnis* hat, sich *weiter zu entwickeln*. Aber nicht einmal das ist eine allgemein gültige Regel, sondern trifft nur auf die größeren Kulturen zu. Schließlich gibt und gab es auch einige Naturvölker, die Jahrhunderte lang mit der Natur im Einklang gelebt haben, ohne "wirtschaftlich" zu wachsen. Natürlich sind genau diese Kulturen aber die Ausnahme und nicht die Regel, weil eben Kulturen, die ein "Wachstumsbedürfnis" haben logischer Weise mit der Zeit dazu tendieren, andere Kulturen zu verdrängen. ender
2.
AndersSehend, 19.09.2009
Zitat von sysopWachstum ist seit jeher das Erfolgs-Mantra der westlichen Volkswirtschaften. Seit Krisen und Umwälzungen der Weltwirtschaft die Märkte erschütterten, gerät auch dieser Glaubenssatz in die Diskussion. Ist eine Volkswirtschaft auch ohne beständiges Wachstum denkbar?
Selbstverständlich ist eine Volkswirtschaft ohne quantitatives Wachstum denkbar, wenn dem qualitativen Wachstum einmal Beachtung geschenkt wird. Dazu müssten allerdings erst einmal qualitative Faktoren definiert werden, die sich so fürchterlich schlecht quantitativ erfassen lassen. In diesem Zusammenhang war der Zahlen-Zusammenschnitt des "Dreierduells" der jetzigen Oppositionsparteien im Bundestag in der letzten Harald Schmidt Show äußerst erhellend ;-).
3.
bono1 19.09.2009
Zitat von sysopWachstum ist seit jeher das Erfolgs-Mantra der westlichen Volkswirtschaften. Seit Krisen und Umwälzungen der Weltwirtschaft die Märkte erschütterten, gerät auch dieser Glaubenssatz in die Diskussion. Ist eine Volkswirtschaft auch ohne beständiges Wachstum denkbar?
Was heisst denkbar, es ist längst Faktum, wenn man als Indikator nicht irgendwelche Euro-Beträge, sondern den individuellen Wohlstand nimmt. Im Vergleich zu den 80er Jahren geht es praktisch allen Westdeutschen schlechter.
4.
Volker Gretz, 19.09.2009
Zitat von sysopWachstum ist seit jeher das Erfolgs-Mantra der westlichen Volkswirtschaften. Seit Krisen und Umwälzungen der Weltwirtschaft die Märkte erschütterten, gerät auch dieser Glaubenssatz in die Diskussion. Ist eine Volkswirtschaft auch ohne beständiges Wachstum denkbar?
Klar. Aber nicht realistisch. Das Geldmengenwachstum betrug in den letzten Jahren im Schnitt 12-13 % das Wirtschaftswachstum zwischen 2% und 3 %. Und da wir (hoffentlich) alle wissen, dass Inflation Geldmengenwachstum - Wirtschaftswachstum ist, bleibt dann eben die Frage offen, ob wir die durschnittlich 10 % Inflation der letzten Jahre noch erhöhen wollen? (Blöde Frage - wir tun's ja gerade)
5. Konjunktur - ist eine Volkswirtschaft auch ohne Wachstum möglich?
Heinz-Dietrich A. Saupe 19.09.2009
Zitat von sysopWachstum ist seit jeher das Erfolgs-Mantra der westlichen Volkswirtschaften. Seit Krisen und Umwälzungen der Weltwirtschaft die Märkte erschütterten, gerät auch dieser Glaubenssatz in die Diskussion. Ist eine Volkswirtschaft auch ohne beständiges Wachstum denkbar?
Die Frage beinhaltet beinahe schon die Antwort, auch wenn die Eingangsvorrausetzung schon nicht stimmt. Wachstum ist Paradigma aller Volkswirtschaften weltweit, nicht nur der westlichen Volkswirtschaften. Volkswirtschaften ohne Wachstum werden von anderen Volkswirtschaften ausgebeutet, geradezu absorbiert, und, für das Wachstum der Ausbeuter benötigt. Selbstverständlich wären Volkswirtschaften ohne Wachstum denkbar. Der Gebrauch des Konjunktiv soll anzeigen, daß dies nicht so ist. Kerninhalt jeder Volkswirtschaft ist die Versorgung der Bevölkerungen mit Dienstleistungen und Waren. Die Aristokratien weltweit benötigten seit ihrer Entstehung ständig mehr, als die Bevölkerungen ihnen zur Verfügung stellen konnten, so begannen sie Regeln aufzustellen, um heimische Waren auszuführen und so zeitweilig Reichtum anzuhäufen, den sie ebenfalls verprassten. Die Prasserei führte oft zur Verschuldung der Volkswirtschaften, wodurch mehr erzeugt werden musste, als benötigt, um die Schulden abzubauen. Gelang das nicht, gerieten die Volkswirtschaften in Krisen und wurden schnell Opfer der Prasserei. Zahlten die Schuldner nicht, wurden sie sehr oft mit Kriegen überzogen. Aus den Verschuldungen entstanden die Notwendigkeiten zum Wachstum, ohne das Verbindlichkeiten, Schulden, kaum zurückgezahlt werden konnten. Hinzu kam die Beobachtung, daß Unternehmen, die nicht wuchsen, verschwanden. Volkswirtschaftliche Zusammenhänge aus der Beobachtung bestehen nicht, dass Paradigma der Notwendigkeit des Wachstum entstand dennoch. Aus diesen Gegebenheiten entstanden die Lehren zur Führung von Volkswirtschaften. Volkswirtschaften ohne Wachstum wären nur unter weltweit geänderten Rahmenbedingungen denkbar und möglich. Ein Zwang zu geänderten Rahmenbedingungen kann durchaus entstehen oder besteht bereits. Wieder wird allerdings geprasst, täglich verhungern weltweit über 20.000 Kinder unter 5 Jahren, und, die Bevölkerung zumindest der Deutschen Volkswirtschaft wird von einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe für deren monetäre Zwecke missbraucht. Der Mißbrauch wird findet seine Pseudo-Rechtfertigung in der schlechten Ausbildung der Mißbrauchten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



50 Milliarden Euro: Eckpunkte des neuen Konjunkturpakets
Klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren...
Investitionen
Kernstück ist ein öffentliches Investitionsprogramm im Volumen von rund 17,3 Milliarden Euro. Das Geld fließt in die Sanierung von Schulen und Hochschulen, aber auch in die Sanierung von Verkehrswegen und anderen öffentlichen Gebäuden. Der Bund zahlt zehn Milliarden Euro für kommunale Investitionen und vier Milliarden Euro für direkte Investitionen. Die Länder sollen 3,3 Milliarden Euro beisteuern. Damit Investitionen rasch greifen, wird das Vergaberecht für Aufträge gelockert.
Steuern
Ab 1. Januar 2009 gilt rückwirkend: Der Eingangssteuersatz sinkt von 15 auf 14 Prozent. Der steuerfreie Grundfreibetrag wird um 170 Euro auf 7834 Euro angehoben. "Als Einstieg in einen Abbau der kalten Progression werden die übrigen Tarifeckwerte (...) um 400 Euro nach rechts verschoben", heißt es weiter. Zusätzlich soll ab 2010 der Grundfreibetrag auf 8004 Euro steigen, die Tarifeckwerke rücken dann weitere 330 Euro nach rechts. Insgesamt entlastet der Staat die Bürger dadurch nach den Berechnungen der Koalition 2009 um 2,9 Milliarden Euro und im folgenden Jahr um 6,05 Milliarden Euro.
Abgaben
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung sinkt zum 1. Juli 2009 von 15,5 auf 14,9 Prozent - paritätisch für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sie werden dadurch zusammen bis Ende 2010 um neun Milliarden Euro entlastet. In gleicher Höhe steigt der Steuerzuschuss des Bundes an die Krankenkassen.
Familien
Für jedes Kind wird ein einmaliger Bonus von 100 Euro gezahlt. Außerdem bekommen Hartz-IV-Empfänger ab Juli je Kind von 6 bis 13 Jahren rund 35 Euro mehr im Monat.
Automobilindustrie
Zur Unterstützung der Autoindustrie hat sich die Koalition auf eine Umweltprämie geeinigt. Wer einen Neuwagen kauft und dafür ein mindestens neun Jahre altes Fahrzeug verschrottet, das mindestens ein Jahr auf den aktuellen Besitzer zugelassen war, erhält 2500 Euro. Die Prämie gilt für Zulassungen bis Ende 2009. Dafür veranschlagt der Bund Kosten von 1,5 Milliarden Euro. Die Unternehmensberatung PWC erwartet dadurch etwa 300.000 zusätzlich verkaufte Autos. Die Kfz-Steuer soll zum 1. Juli 2009 vom Hubraum auf den Schadstoffausstoß umgestellt werden. Für die Entwicklung umweltfreundlicher Motoren ist eine verstärkte Förderung vorgesehen.
Export, Mittelstand und Breitbandtechnologie
Generell wird für die Exportwirtschaft die Erweiterung der Möglichkeiten zur bundesgedeckten Exportfinanzierung geprüft. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) wird um 450 Millionen Euro jährlich aufgestockt. Die Förderung wird bundesweit auf Firmen mit bis zu tausend Beschäftigten ausgedehnt. Der Ausbau der Breitbandverkabelung für das Internet wird beschleunigt. Bis Ende 2010 sollen alle bislang nicht versorgten Gebiete über leistungsfähige Breitbandanschlüsse verfügen.
Rettungschirm für Unternehmen
Zur Absicherung von Krediten an Großunternehmen wird der Bürgschaftsrahmen des Bundeswirtschaftsministeriums für Inlandsdarlehen von bisher 25 auf 100 Milliarden Euro aufgestockt. Eine direkte Staatsbeteiligung an Firmen ist nicht vorgesehen. Die Bedingungen des Sonderprogramms bei der staatlichen Förderbank KfW werden flexibler.
Kurzarbeit und Beschäftigung
Um Entlassungen zu vermeiden, soll Kurzarbeit attraktiver werden. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erstattet den Arbeitgebern die Hälfte der auf Kurzarbeit entfallenden Sozialbeiträge. Für Zeiten der Qualifizierung können auf Antrag die vollen Sozialbeiträge erstattet werden. Auf die BA kommen allein dadurch nach Berechungen des Bundes Mehrausgaben in 2009 und 2010 in Höhe von 2,1 Milliarden Euro zu. Finanziert wird dies aus den Milliarden-Rücklagen der Behörde. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung, der bis Mitte 2010 bei 2,8 Prozent liegt, wird mindestens bis Ende 2010 auf dieser Höhe stabilisiert. Dazu wird eine "Ausgleichsverpflichtung des Bundeshaushalts" festgelegt. Dies bedeutet, dass der Bund in jedem Fall mit einem Darlehen einspringen muss, wenn der BA das Geld ausgeht und der Beitragssatz eigentlich steigen müsste. Die Koalition hat dafür 2010 ein Darlehen von einer Milliarde Euro eingeplant.
Schuldengrenze und Tilgungsfonds
Zur Begrenzung der Staatsverschuldung haben Union und SPD die Schaffung einer wirksameren Schuldenbremse im Grundgesetz vereinbart. Gesamtstaatlich sollen nur noch neue Schulden von bis zu 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erlaubt sein. Das wären derzeit etwa 12,5 Milliarden Euro. Die Schulden für Investitionen sollen mit einem Tilgungsfonds abgezahlt werden.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: