Wachstumsprognose Nur die Maschinenbauer sind optimistisch

Inmitten düsterer Prognosen verbreitet eine Schlüsselbranche Optimismus: Die deutschen Maschinenbauer erwarten 2015 spürbares Wachstum. Der Grund ist simpel.

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AP

Berlin - Trotz gesenkter Konjunkturprognosen blicken deutsche Maschinenbaufirmen vorsichtig optimistisch aufs kommende Jahr. Die Branche könne 2015 mit einem Produktionsplus von knapp drei Prozent rechnen, heißt es in einer Studie der Commerzbank, die am Donnerstag vorgestellt wird und SPIEGEL ONLINE vorab vorlag.

Der Branchenverband VDMA stellte sich grundsätzlich hinter die Prognose. "Das Ergebnis ihres Berichts deckt sich mit unserem Optimismus", sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge laut Redetext bei der Vorstellung der Studie. Zwar gingen die Ökonomen des Verbandes nur von einem Plus von zwei Prozent aus. Wichtiger sei jedoch, "dass die Commerzbank und wir selbst dem Maschinenbau im kommenden Jahr ein Plus zutrauen. Das ist angesichts der Unsicherheiten in unserem Geschäftsumfeld keine Selbstverständlichkeit".

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Steigende Exporte: Maschinen für die Welt
Zuletzt hatten Ökonomen im In- und Ausland ihre Wachstumsprognosen für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Dabei verwiesen sie sowohl auf das nach wie vor schwache Wachstum in Europa als auch auf geopolitische Risiken wie den Konflikt mit Russland.

Auch die Maschinenexporte nach Russland brachen im ersten Halbjahr 2014 um 19 Prozent ein. Dies und eine fast stagnierende Ausfuhr nach China lässt der Commerzbank zufolge in diesem Jahr kein nennenswertes Wachstum erwarten. Im kommenden Jahr rechne man jedoch mit weniger politischer Unsicherheit und einer stärkeren Kapazitätsauslastung. Sowohl in Deutschland und der EU insgesamt als auch den USA dürften Unternehmen demnach wieder verstärkt in Ausrüstungen und Anlagen investieren (siehe Grafikstrecke).

Mit den Folgen globaler Krisen haben die Maschinenbauer leidvolle Erfahrung: Im Krisenjahr 2009 war ihr Produktionsvolumen um rund ein Viertel eingebrochen - der schlimmste Absturz seit Jahrzehnten. Seitdem hat sich die ohnehin exportstarke Branche laut Commerzbank von Entwicklungen im Inland "zu einem Gutteil unabhängig gemacht". So machen die Maschinenhersteller inzwischen 62 Prozent ihrer Umsätze im Ausland und liegen damit deutlich über dem Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes, der bei 48 Prozent liegt.

Insgesamt zeige der Branchenreport eine Bilanz, "in der Stärken und Chancen ein deutliches Übergewicht gegenüber Schwächen und Risiken besitzen", sagte Festge. Gelassen zeigte sich der VDMA-Präsient auch mit Blick auf die finanzielle Situation der Unternehmen. Die meisten hätten "kaum Finanzierungsprobleme". Allerdings setzten die Unternehmen zunehmend allein auf eigene Finanzierungsmittel. "Über diese verfügen sie aktuell offenbar ausreichend."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die deutschen Maschinenbauer machten nur noch elf Prozent ihrer Umsätze in Deutschland und knapp ein Drittel in China. Tatsächlich liegt der Umsatzanteil im Inland bei 38 Prozent. Die zuvor verwendeten Zahlen bezogen sich auf den jeweiligen Anteil der Länder am Weltmarkt. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen .



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insgesamt 24 Beiträge
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wejders 16.10.2014
1. Comerzbank Ökonomen
Die Comerzbank Ökonomen sind ja immer Optrimistisch wie auch vor 4 Jahren und heute noch angagierter weil der Lohn sowieso vom Staat kommt.Warum kriegen Sie blos die Prognosen für eigenes Haus nich richtig gestellt.Das Wort kommt aus grieschiechen "Haushalt" tja... die Paralele kennen Sie schon.......
orthos 16.10.2014
2. Deutschland als Wirtschaftsstandort
Deutschland geht als Wirtschaftsstandort unter. Wir haben inzwischen eine miserable Ifrastruktur (z.B. Brücken, Bahn, Intertnet). Wir haben hohne Lohnkosten. Wir haben unglaublich hohe Lohnenebenkosten. Wir haben eine sehr hohe Steuerlast. Wir haben sehr hohe Energiekosten. Das Einzige, was wir noch haben ist eine qualifizierte Belegschaft und KnowHow. Beides wird momentan jedoch mit aller Gewalt torpediert. Die Schulen werden immer schlechter, die Ausbildungsqualität sinkt dementsprechend. Zusätzlich wandern viele aus und suchen woanders ihre Zukunft. Wenn die älteren Generationen bald in Rente gehen, fehlt der Nachwuchs an (echten) Facharbeitern, die noch Qualität liefern können. Zu guter Letzt wird unser KnowHow abgeschoben, inklusiver der Produktion nach China und Indien. Der Rest der hier bliben soll wird von Geheimdienste (NSA und Co.) abgeschnorchelt... Für mene Zukunft sehe ich Blau, ähh Schwarz.
munta 16.10.2014
3. Euphemismus?
Ist "die Branche (hat) sich vom Binnenmarkt unabhängig gemacht ein Euphemismus für einen eingebrochenen oder mittlerweile strukturell fehlenden Binnenmarkt??
joomee 16.10.2014
4. Pessimismus nicht angebracht.
Wahrscheinlich werden jetzt - wie auch schon in dem Posting vor mir rüber gebracht - die Pessimisten und Schwarzseher wieder einmal den Weltuntergang herbeireden. Wirtschaft wächst und Wirtschaft stagniert und in den Bandbreiten, in denen sich Deutschland über Jahren normalerweise bewegt, gibt es keinerlei Grund für Panik. Deutschland ist gut aufgestellt und etwas mehr Optimismus würde auch diesem Forum hier gut stehen - oder dürfen politisch eher links ausgerichtete Menschen nicht zu viel Freude haben? :-)
libebknofne 16.10.2014
5. Beunruhigend
Sollte es uns nicht zu denken geben, dass die Beiträge der deutschen Maschinenbauer zu Investitionen in China sehr viel höher sind als die Beiträge zu Investitionen in Deutschland?
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