Schwache Unternehmenszahlen: Krise erreicht die Deutschen

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Ob Siemens, BASF oder die Bahn - die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren?

Sommer und gute Laune: Noch spüren die Bürger wenig von der Krise Zur Großansicht
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Sommer und gute Laune: Noch spüren die Bürger wenig von der Krise

Hamburg - Zwei Jahre lang lebten die Deutschen im Land der Glückseligen. Während im Rest Europas die Konjunktur rasant nach unten rauschte, erfreuten sich Unternehmen und Verbraucher hierzulande eines kräftigen Aufschwungs. Euro-Krise? Massenarbeitslosigkeit? Doch nicht bei uns.

Nun aber zieht die Angst auf, dass das kleine deutsche Wirtschaftswunder bald zu Ende sein könnte. Darauf deuten vor allem die Erwartungen der Unternehmen hin. Laut dem am Mittwoch veröffentlichen Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts bewerteten die Unternehmen im Juli sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für die kommenden Monate schlechter. Der Index sank zum dritten Mal in Folge.

Auch in den Bilanzen der Unternehmen schlagen sich die gesunkenen Erwartungen mittlerweile nieder. Allein am Donnerstag warnten gleich drei große deutsche Konzerne vor schlechteren Geschäften:

  • Der größte deutsche Industriekonzern Siemens Chart zeigen vermeldete am Donnerstag drastisch fallende Auftragseingänge und einen sinkenden Gewinn. Das Unternehmen spüre einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, sagte Konzernchef Peter Löscher. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr wackelt.
  • Beim Chemiekonzern BASF Chart zeigen brach der Gewinn im zweiten Quartal um knapp 16 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein. Konzernchef Kurt Bock warnt: "Wir rechnen nicht mit einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr 2012."
  • Auch die Deutsche Bahn spürt die aufziehende Flaute: Der Güterverkehr habe deutlich an Dynamik verloren, teilte der Staatskonzern am Donnerstag mit. Das Unternehmen kürzte daher seine Umsatzerwartung für das Gesamtjahr.

Die Verbraucher dagegen sind weiter guter Dinge. Laut Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird sich das Konsumklima im August sogar noch leicht verbessern. Grund ist vor allem die gute Kauflaune der Deutschen: Trotz Euro-Krise planen erstaunlich viele Verbraucher in den kommenden Monaten größere Anschaffungen.

Haben die Verbraucher recht mit ihrem Optimismus? Oder wird die Krise bald auch sie treffen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum laufen die Geschäfte der Unternehmen plötzlich so schlecht?

Die Krise trifft in Deutschland bisher vor allem die Industrie. Laut Umfragen unter Einkaufsmanagern der Unternehmen geht die Produktion in diesem Sektor bereits seit vier Monaten zurück. Ein Grund für die schlechteren Geschäfte ist die immer tiefer werdende Krise in der Euro-Zone. Wichtige Handelspartner wie Italien oder Spanien stecken tief in der Rezession, in Frankreich stagniert die Wirtschaft. Das bedeutet, dass auch die Nachfrage nach deutschen Produkten sinkt.

Bis vor kurzem konnten die deutschen Exportunternehmen die Schwächen in Europa durch glänzende Geschäfte mit den aufstrebenden Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien wettmachen. Doch auch hier trübt sich die Konjunktur deutlich ein. In China etwa wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal so langsam wie seit drei Jahren nicht mehr. Und in Brasilien senkte die Regierung erst vergangene Woche das Wachstumsziel für 2012 von 4,5 auf drei Prozent.

Die deutschen Exportunternehmen spüren das zuerst bei ihren Auftragseingängen. "Unsere Kunden agieren weiterhin vorsichtig und reduzieren ihre Lagerbestände", erklärte BASF-Chef Kurt Bock am Donnerstag die gesunkenen Erwartungen. "Wir können nicht erkennen, dass in Asien und China wieder die Post abgeht."

Warum sind die Verbraucher so optimistisch?

Sind sie gar nicht. Wenn man die Ergebnisse der GfK-Konsumklimaumfrage genauer anschaut, erkennt man, dass auch die Verbraucher skeptisch geworden sind. Die künftige Konjunkturentwicklung schätzten sie im Juli deutlich schlechter ein als noch einen Monat zuvor. "Die Verbraucher befürchten zusehends, dass nun auch die deutsche Wirtschaft in den Krisenstrudel gezogen wird", teilte die GfK mit.

Dass die Konsumenten trotzdem bereit sind, mehr Geld auszugeben, liegt vor allem an ihrer guten persönlichen Situation. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist so niedrig wie selten zuvor. Und zuletzt freuten sich die Arbeitnehmer auch wieder über relativ hohe Tarifabschlüsse. Solange das so bleibt, gibt es für sie also keinen Grund, das Kaufen einzustellen.

Steigt auch in Deutschland bald die Arbeitslosigkeit?

Die Arbeitslosenzahlen reagieren erfahrungsgemäß relativ spät auf einen Konjunktureinbruch. Viele Unternehmen machen sich aber schon jetzt Gedanken, wie sie sich auf die sinkende Nachfrage vorbereiten können und planen Sparprogramme. Früher oder später werden sie deshalb wohl auch Mitarbeiter entlassen. Allerdings gehen gerade Industrieunternehmen immer mehr dazu über, knappe Fachkräfte auch in Krisenzeiten weiter zu beschäftigen, um sie nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Dabei helfen die relativ großzügigen Regelungen für Kurzarbeit in Deutschland. Ein Faktor, der in der letzten Rezession den Anstieg der Arbeitslosigkeit deutlich bremste.

Wie stark die Arbeitslosigkeit steigen wird, hängt maßgeblich von den Verbrauchern ab. Wenn die weiter kräftig kaufen, könnte die steigende inländische Nachfrage die gesunkenen Aufträge aus dem Ausland kompensieren, zumindest bei Produkten wie Konsumgütern oder Autos. Das Problem dabei ist jedoch: Sobald die Arbeitslosigkeit steigt, lässt normalerweise auch die Konsumlaune der Bürger nach.

Gibt es Hoffnungszeichen?

Ja. Einige deutsche Unternehmen schlagen sich trotz Krise auf dem Weltmarkt immer noch sehr gut. Dazu zählen zum Beispiel die Autokonzerne Daimler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen, die am Mittwoch und Donnerstag starke Geschäftszahlen vorgelegt haben.

Manche Experten sind zudem zuversichtlich, dass sich auch die Weltkonjunktur demnächst wieder etwas erholen wird. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) etwa rechnet damit, dass die heimische Wirtschaft im dritten Quartal wieder etwas stärker wachsen wird als zuletzt. So richtig optimistisch aber sind auch die Forscher vom DIW nicht. "Deutschland kann sich nicht von der schwachen Entwicklung der Euro-Zone abkoppeln", sagt Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Mit Material von dpa und dapd

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1. ...
fagus 26.07.2012
Zitat von sysopOb Siemens, BASF oder die Bahn - die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren? Konjunktur und Geschäftszahlen: Die Krise erreicht Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846572,00.html)
Gings nicht letzte Woche noch bergauf? Was ist wohl nächste Woche.
2. Bemerkenswert schlechtes Timing
Maynemeinung 26.07.2012
Zitat von sysopOb Siemens, BASF oder die Bahn - die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren? Konjunktur und Geschäftszahlen: Die Krise erreicht Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846572,00.html)
Ist ja immer wieder beeindruckend, wie die Wirtschaftsjournalisten den Trends hinterher hecheln. Als ich die Überschrift las, dachte ich, ich klicke mal eben auf die Entwicklung des DAX. Und, was soll ich sagen: Gerade, als hier die Krise beschworen wird, dreht der nach einer miesen Woche wieder tüchtig ins Plus.
3.
pennywise_the_clown 26.07.2012
Zitat von sysopOb Siemens, BASF oder die Bahn - die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren? Konjunktur und Geschäftszahlen: Die Krise erreicht Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846572,00.html)
Unsinn! Deutschland geht es gut - und das ist ein Grund zur Freude! So Mutti Merkel 2011. Klar schlechte Unternehmenszahlen, Wirtschaftskrisen müssen sein: Damit kann man die Gehälter drücken. Komisch nur dass die GLEICHEN Experten und GLEICHEN Unternehmen tönen wie gut es ihnen geht wenns um Boni der Mananger geht.
4. Echt?
Sharoun 26.07.2012
Zitat von sysopOb Siemens, BASF oder die Bahn - die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren? Konjunktur und Geschäftszahlen: Die Krise erreicht Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846572,00.html)
Na nun haben die kleinen Leute ja auch mal genug abgesahnt. Dazu ein Gemeinwesen ohne Schulden im Investitionsrausch; Kulturträgern ging es nie so gut wie heute, im Bildungsbereich weiß schon keiner mehr wohin mit all der Kohle... Wird Zeit, daß wir schon mal propagandistisch aufs Gürtel-enger-schnallen vorbereitet werden.
5. Globalisierung
idealist100 26.07.2012
Zitat von sysopOb Siemens, BASF oder die Bahn - die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren? Konjunktur und Geschäftszahlen: Die Krise erreicht Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846572,00.html)
heisst halt mitgefangen mitgehangen. Aber vielleicht kaufen ja die Politiker, Eliten die Differenz die der Normalo schon lange nicht mehr kaufen kann.
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