Handelsstreit Stimmung in der Weltwirtschaft verschlechtert sich stark

Die Lage ist noch gut, aber die Aussichten sind schlecht - diese Stimmung macht sich in der globalen Wirtschaft breit. Das entsprechende Barometer des Ifo-Instituts ist im Sommerquartal deutlich gesunken.

Stahlrohre im Hafen von Lianyungang (China)
REUTERS

Stahlrohre im Hafen von Lianyungang (China)


Mehr als ein Jahr lang zeigten sich Konjunkturexperten aus aller Welt in Hochstimmung - doch nun ist die Zuversicht in der Weltwirtschaft angesichts des eskalierenden Handelsstreits weitgehend verschwunden. Das vom Ifo-Institut berechnete Barometer für das Weltwirtschaftsklima sank im dritten Quartal von 16,5 auf nur noch 2,9 Punkte. Das Institut befragt dazu vierteljährlich 1200 Experten aus 120 Ländern, die aktuellen Zahlen beruhen auf einer Umfrage im Juli.

Die Kennzahl des Ifo-Instituts kann Werte von minus 100 bis plus 100 annehmen. Damit wird deutlich, dass der aktuelle Wert von 2,9 noch relativ gut ist, allerdings lag er seit dem zweiten Quartal 2017 stets deutlich über zehn Punkten, im ersten Quartal 2018 sogar bei 26.

"Die Weltkonjunktur fährt nur noch mit angezogener Handbremse", sagte Ifo-Chef Clemens Fuest. Im Detail bewerteten die Experten die aktuelle Lage mit 17,5 Punkten noch ausgesprochen gut, wenn auch nicht mehr so euphorisch. Die Erwartungen an die nahe Zukunft sind hingegen stark gefallen und liegen nun bei minus 10,6 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Ende 2011, sagte Fuest.

Experten rechnen mit niedrigeren Exporten

Das Wirtschaftsklima verschlechterte sich nahezu in allen Regionen. Sowohl die Beurteilung der Lage als auch die Erwartungen fielen in der Europäischen Union, den asiatischen Schwellen- und Entwicklungsländern inklusive China sowie in Lateinamerika deutlich. In den USA wurden die Aussichten ebenfalls pessimistischer beurteilt, während sich die Lage-Einschätzung verbesserte.

"Die Entwicklung des Welthandels ist gekennzeichnet durch den aktuellen Zollstreit, insbesondere für die USA und China geht inzwischen jeweils die Mehrheit der Experten von niedrigeren Exporten in den kommenden Monaten aus", so Fuest. Damit einhergehend sinke auch die erwartete weltweite Investitionstätigkeit beträchtlich. Die Befragten rechnen zudem mit einer Stagnation des privaten Konsums.

Besonders die USA und China überziehen sich derzeit gegenseitig mit Strafzöllen. Der Konflikt zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften belastet die globale Konjunktur.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi/Reuters



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Seite 1
kuac 09.08.2018
1.
Die weltweite schlechte Konjunkturlage haben wir alleine Trump zu verdanken. Er denkt nicht langfristig und nicht nachhaltig.
klardenkendermensch 09.08.2018
2. Gute Konjunktur nicht wegen sondern trotz Trump
Die momentan noch gute Konjunkturlage herrscht nicht wegen Trump sondern trotz Trump. Der Narzist und Lügner DT sieht das sicherlich anders, denn der selbsternannte "größte Dealmaker" aller Zeiten ist ja nur für alles was gut läuft zuständig, läuft etwas schief sind es immer die anderen. Leider ist es aber genau anders herum. Der Fake-Präsident DT mit seinen "alternativ fakts" und seinen "Fake News" also Lügen, schadet dem Handel, der Konjunktur, dem Weltklima, dem amerikanischen Volk und leider auch uns allen in einem Ausmaß, dass es wirklich unglaublich ist. Das Problem dabei ist eben nur, dass die negativen Konsequenzen seiner selbstsüchtigen Politik leider erst mittel- bis langfristig zu spüren sein werden und der kausale Zusammenhang nicht sofort für jeden eindeutig zu erkennen sein wird und der notorische Lügner Trump, diese Zusammenhänge natürlich auch immer leugnen wird. Wir besonders auch in Europa müssen uns aber von Trump so weit wie möglich unabhängig machen, die Zusammenarbeit mit dem normalen und vernünftigen Kräften und Politikern in den USA stärken, denn die gibt es tatsächlich auch noch und unser Handeln an der Wahrheit ausrichten.
lalito 09.08.2018
3. Jepp
Zitat von kuacDie weltweite schlechte Konjunkturlage haben wir alleine Trump zu verdanken. Er denkt nicht langfristig und nicht nachhaltig.
Erinnert mich an den entsetzt enttäuschten Blick des Sandburgenbauers, wenn der Stärkere durch die schönen Muschelbilder stapft, einfach so. Erst wenn auch die anderen ihre Ruhe haben wollen, und sich abstimmen, macht der sich erst weg vom dann langweiligen Strand. Wird Zeit, konkret zu konzertieren und Grenzen aufzuzeigen, wie auf'm Schulhof . . .
karlsiegfried 09.08.2018
4. Keine Neuigkeit ...
.... denn wer nur auf Dauerwachstum setzt, hat die Gesetzmässigkeiten dieser Welt noch nicht verstanden und ist ein Träumer oder ein verlogener Politiker. Nichts wächst und lebt unendlich. Auch keine Konjunktur. Irgendwann ist Schluss mit Wachstum. Die nachfolgenden Phasen heissen Höhepunkt, Stagnation oder Stillstand. Danach beginnt der Sterbeprozess bis hin zum Tod. Ist beiden Menschen, den Tieren, in der Natur und im Universum ebenso. Sogar in der Liebe zwischen zwei Menschen, denn kein Feuer brennt ewig. Wer nun behauptet, siehe dazu '# 1 kuac' der böse Trump alleinig sei Schuld an der 'weltweit schlechten Konjunkturlage' irrt sich heftig. Trump bereinigt lediglich die extremen Verschiebungen welche durch die angeblich so tolle Globalisierung der Märkte eingetreten ist. Das sollte dazu stets bedacht werden.
itzenflitz 09.08.2018
5. Ich bin sehr gespannt,
welche haushaltswirtschaftlichen Prioritäten die Bundesregierung setzen wird, wenn in Deutschland fast 1 Billion EURO Sozialleistungen jährlich nicht mehr finanziert werden können. Gibt es für den Fall, dass unser deutsches "Exportwunder" nicht mehr trägt, bereits Vorkehrungen / Pläne?
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