Sorgen um Konjunktur Immer mehr Konzerne kassieren ihre Prognose

Deutschlands Unternehmen werden pessimistischer. Das zeigt einer Studie zufolge die deutlich gestiegene Zahl von Prognosen, die 2018 nach unten revidiert wurden. Besonders häufig mussten sich Großkonzerne mit Milliardenumsätzen korrigieren.

Werftarbeiter in Hamburg
DPA

Werftarbeiter in Hamburg


Angesichts einer sich abschwächenden Konjunktur und internationaler Handelskonflikte kassieren viele börsennotierte Unternehmen in Deutschland ihre Umsatz- oder Gewinnprognosen. Im vergangenen Jahr hätten 34 Prozent der 309 Firmen aus dem sogenannten Prime Standard ihre Vorhersage mindestens einmal nach unten geschraubt, hieß es in einer Analyse des Beratungs- und Prüfungsunternehmens Ernst & Young (EY).

Die Gesamtzahl der negativen Korrekturen erhöhte sich demnach um 55 Prozent auf den Rekordwert von 144. Dies sei ein Indiz für eine sich weiter abkühlende Konjunktur, sagte EY-Experte Marc Förstemann.

Zwar stieg zugleich die Zahl der Revisionen nach oben. Die Unternehmen übertrafen 138 Mal die selbst gesteckten Ziele. Erstmals seit dem Jahr 2014 wurden aber wieder mehr negative als positive Abweichungen registriert. "Wir sehen in einigen Branchen und Regionen nach wie vor eine gute bis sehr gute Entwicklung - gleichzeitig nehmen aber die Warnsignale zu", erläuterte Förstemann. Die Risiken stiegen sowohl in Europa als auch auf wichtigen Auslandsmärkten wie China.

Nach unten zeigte der Trend im vergangenen Jahr vor allem für Unternehmen aus den Branchen Handel und Autoindustrie: 83 Prozent der Groß- und Einzelhändler kassierten demnach ihre Prognose, bei den Autoherstellern und -zulieferern waren es 75 Prozent. Sechs von zehn Immobilienunternehmen setzten ihre Erwartungen dagegen herauf, Korrekturen nach unten gab es in der Branche nicht.

Besonders häufig schraubten Großkonzerne mit Milliardenumsätzen ihre Prognosen nach unten. International tätige und breit aufgestellte Unternehmen hätten in den vergangenen Jahrzehnten besonders von der Globalisierung profitiert, erläuterte EY-Experte Martin Steinbach. "Gerade diese Konzerne leiden nun unter der angespannten geopolitischen Lage, neuen Handelsschranken und potenziellen Unterbrechungen der Lieferketten." Steinbach verwies unter anderem auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China und die Unwägbarkeiten des Brexits.

Nur Unternehmen, die die strengen Auflagen des Prime Standards erfüllen, können in die Börsenindizes Dax Chart zeigen , MDax Chart zeigen und SDax Chart zeigen aufgenommen werden. EY führt die Studie seit 2011 regelmäßig durch.

dab/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
competa1 17.02.2019
1. Das ist doch logisch...
..indem man vorgibt,dass in Zukunft angeblich alles schlechter wird,erhofft man sich Steuersenkungen.Lobbyismus reicht nicht mehr,da müssen schon andere Tricks her!
r_saeckler 17.02.2019
2. So schwätzt halt jemand daher, der ...
Zitat von competa1..indem man vorgibt,dass in Zukunft angeblich alles schlechter wird,erhofft man sich Steuersenkungen.Lobbyismus reicht nicht mehr,da müssen schon andere Tricks her!
... entweder von Haus aus aus der Tasche anderer lebt - z.B. als Schüler oder Studiosus - oder der sein Geld am Monatsanfang auf dem Konto vorfindet weil er/sie/es als Beamter/in/eter eh keine Leistung erbringen muss um die "amtsangemessene Vergütung" nicht zu verlieren. Andere sehen das minimal anders...
cdhenning 17.02.2019
3. Blödisnn!
Eine Korrektur einer "Prognose" zu ändern, wie sie vielfach in der Wirtschaft angewendet wird, ist doch - sorry - völliger Blödsinn! Anstatt sich einzugestehen, dass man mit der eigenen Prognose halt daneben gelegen hat, wird eine Prognose im Laufe eines Jahres immerfort geändert. Sicher ist auch das wirtschaftliche Leben schneller und unberechenbarer geworden - aber eine Prognose zu ändern, führt doch den Begriff an sich ad adsurdum! Wenn ich am 31.12. eine Prognose für's laufende Jahr abgebe, ist das immer fast 100% korrekt. Ein Hoch auf alle teuer bezahlten Forecast-"Spezialisten"!
wiesenflitzer 17.02.2019
4. Jetzt aber schnell!
Wenn ein Konzern statt wie letztes Jahr z.B. 5 Milliarden Gewinn, im nächsten Jahr dann statt der prognostizierten 10 Milliarden nur 6 gemacht hat, dann ist das natürlich ein irrsinniger Gewinneinbruch. Ja nee, is klar, würde Atze Schröder jetzt sagen. Also los Ihr Herren der Vorstände der verarmten DAX-Vorstände; sofort losjammern, nach staatlichen Hilfen schreien, mit dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen, in das übliche BlaBla bzgl. der Konkurrenzfähigkeit einstimmen... Hab ich was vergessen? Oh, natürlich sofort Kurzarbeit ausrufen und Mitarbeiter entlassen; ist ja alternativlos, gelle.
mina2010 17.02.2019
5. Nicht vergessen ...
Zitat von wiesenflitzerWenn ein Konzern statt wie letztes Jahr z.B. 5 Milliarden Gewinn, im nächsten Jahr dann statt der prognostizierten 10 Milliarden nur 6 gemacht hat, dann ist das natürlich ein irrsinniger Gewinneinbruch. Ja nee, is klar, würde Atze Schröder jetzt sagen. Also los Ihr Herren der Vorstände der verarmten DAX-Vorstände; sofort losjammern, nach staatlichen Hilfen schreien, mit dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen, in das übliche BlaBla bzgl. der Konkurrenzfähigkeit einstimmen... Hab ich was vergessen? Oh, natürlich sofort Kurzarbeit ausrufen und Mitarbeiter entlassen; ist ja alternativlos, gelle.
schnell noch ein paar absetzbare Parteienspenden und einen Lobbyisten aufnehmen ... und Otto-Normalverdiener die Zeche zahlen lassen.
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