Aufstrebende Konkurrenz Fernbusse luchsen Bahn rund 40 Millionen Euro Umsatz ab

Billiger Pendelverkehr zwischen den Metropolen, Direktverbindungen bis in die Provinz: Mit ihrem Angebot haben die Fernbuslinien einen Nerv getroffen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen verlor die Bahn im vergangenen Jahr rund 40 Millionen Euro Umsatz an die junge Konkurrenz.

Fernbus am Bahnhof in Freiburg: Halbherzige Konzepte
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Fernbus am Bahnhof in Freiburg: Halbherzige Konzepte

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Berlin - Die Bahn bekommt die Konkurrenz durch die Fernbusse zu spüren: Nach Angaben von Konzernbetriebsratschef Jens Schwarz gingen im vergangenen Jahr rund 40 Millionen Euro an Umsatz verloren, weil Fahrgäste lieber auf die Billigangebote von Flixbus und Co. zurückgriffen. Im Bereich Fernverkehr der Bahn werde zurzeit die Möglichkeit diskutiert, auf den wichtigsten Strecken mit billigeren Tickets in einfacher ausgestatteten InterRegio-Zügen dagegenzuhalten. Noch sei jedoch nichts endgültig entschieden.

Ab Mitte April soll zunächst ein Nahverkehrszug die Fahrt von Berlin nach Hamburg für 19,90 Euro antreten. Er braucht mit drei Stunden länger als ein ICE, der nur eindreiviertel Stunden unterwegs ist. Dafür ist er schneller als der Bus.

Doch die billige Alternative auf der Schiene hat auch ein paar unangenehme Nebenwirkungen. Wenn etwa InterRegios die zwischen Berlin und Hamburg pendelnden ICE ergänzen würden, dürften wohl auch letztere einen Gutteil ihrer Passagiere verlieren. Für Schwarz berührt dies eine ganz grundsätzliche Frage der Ausrichtung des Personenfernverkehrs: "Wir müssen wissen, was wir unseren Kunden anbieten wollen - Mercedes oder Golf?", sagt Schwarz

Im Vergleich zum Bahnverkehr - allein die DB AG machte 2013 4,1 Milliarden Euro Umsatz im Fernverkehr - ist der Gesamtumsatz der Busunternehmen noch bescheiden. Insgesamt liegen die Schätzungen zwischen 300 bis 600 Millionen Euro für 2013. Doch die Dynamik macht den Konzernoberen Sorgen. Denn die neue Konkurrenz ist seit gerade einmal gut einem Jahr am Start.

Nicht nur Metropolen profitieren

Im Zugfernverkehr wurden rund 130 Millionen Reisende gezählt. Neben dem Verlust an Passagieren macht der Bahn vor allem die sogenannte Preiswahrnehmung zu schaffen. Das heißt: Der Kunde sieht die vergleichsweise günstigen Angebote der Busse und empfindet die Bahn insgesamt als teuer. Selbst wenn er nicht Bus fährt, entscheidet er sich so vielleicht für das Auto.

Zum Jahresbeginn 2013 hatte die Bundesregierung das ursprünglich zum Schutz der Bahnverbindungen eingerichtete Fernbusverbot aufgehoben. Zwölf Monate später cruisen die Reisebusse quer durchs Land - rund 5100 Mal pro Woche, wie die Berliner Wirtschaftsberatung IGES zusammengezählt hat.

Auch die Bahn selbst bietet Busreisen an, doch das kapitalstarke Duo ADAC/Deutsche Post, der europäische Branchenriese National Express (city2city) sowie Start-ups wie Flixbus, DeinBus und MeinFernbus machen ihr Marktanteile streitig. MeinFernbus bietet gemeinsam mit mittelständischen Subunternehmern inzwischen mit Abstand die meisten Fahrtenpaare und Fahrplan-Kilometer an.

Von dem Angebot profitieren nicht nur die Metropolen. Vor allem mittelgroße Städte im Süden, aber auch strukturschwache Regionen verfügen plötzlich über direkte Verbindungen, die die Bahn einst wegen mangelnder Rentabilität geschlossen hat.



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woodstocktc 24.03.2014
1. Schwarz
sollte - bevor er weiterhin solche Vergleiche bemüht - ein Golf dieser Generation probefahren und dann mit einem "Mercedes" vergleichen. Schnell dürfte ihm aufgehen das der Vergleich anders als vielleicht in den 80ern nunmehr Humbug ist.
specialsymbol 24.03.2014
2. Mercedes oder Golf?
Die Frage ist eher: Wer ist bereit Mercedes-Preise für einen Golf zu bezahlen? Denn ein Mercedes ist der ICE längst nicht mehr. Ranzige Sitze, überfüllte Abteile und selbst der Golf hat eine besser funktionierende Klimaanlage. Und schneller fährt er auch, was bringen mir 300km/h Spitze wenn es mehr Baustellen als im Autobahnnetz gibt?
PeterPe 24.03.2014
3. Konkurrenz belebt das Geschaeft!
Mehr ist dazu nicht zu sagen.
shooop 24.03.2014
4. Verkehr auf die Schiene
Die Politik hätte diese Fernbusse nie einführen dürfen. Als ob die Autobahnen nicht schon voll genug wären.
kölschejung72 24.03.2014
5. keine Chance
Die Busse sind viel billiger und dazu wesentlich komfortabler als die unbequemen Nahverkehrszüge. Man muss zwar mit längerer Fahrzeit und Verspätungen rechnen. Aber für immer mehr Menschen ist der Preis entscheidend.
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