Konsequenz von Sanktionen Iran muss Getreide mit Gold bezahlen

Durch die internationalen Finanzsanktionen fällt es Iran zunehmend schwer, an Euro oder Dollar zu kommen. Um nun Grundnahrungsmittel wie Getreide zu kaufen, muss das Land auf seine Goldreserven zurückgreifen. Gegengeschäfte werden auch mit Öl angeboten.


Hamburg - Iran muss als Folge der internationalen Finanzsanktionen für den Import von Grundnahrungsmitteln seine Goldreserven angreifen. "Getreidelieferungen werden mit Goldbarren bezahlt. Zudem werden Gegengeschäfte mit Öl angeboten", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag einen europäischen Weizenhändler. Die zum Jahresbeginn erlassenen Strafmaßnahmen schränken demnach die Möglichkeiten der Islamischen Republik ein, in den Besitz von Dollar oder Euro zu gelangen, mit denen die Lieferungen normalerweise bezahlt werden. Ausweichwege über Dubai in den Vereinigten Arabischen Emirate seien versperrt, weil deren Regierung einen Bruch der Sanktionen nicht gestatten will.

Die Strafmaßnahmen wurden wegen des iranischen Atomprogramms verhängt. Das Land bestreitet Vorwürfe, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung nach Atomwaffen zu streben. Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Barack Obama die Sanktionen gegen das Regime in Teheran noch einmal verschärft. Betroffen waren sämtliche iranische Finanzinstitutionen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, drängt Iran nun seinen Handelspartner Indien zu Weizenlieferungen. Der zweitgrößte Produzent der Welt bestätigte demnach am Freitag die Anfrage eines "privaten Käufers" nach einer "sehr großen Menge". "Warum sollte ich mir die Geschäftschance entgehen lassen?", fragte Handelsminister Rahul Khullar in Neu Delhi. Indien respektiere Uno-Sanktionen, wolle sich aber am Export-Stop von EU und USA nicht beteiligen.

Die jüngst verhängten Sanktionen bereiten dem Iran zunehmend Probleme im internationalen Handel. Nach malaysischen Exporteuren stoppten Händlern zufolge auch Unternehmen aus Singapur die Belieferung Irans mit Palmöl, das für die Produktion von Bio-Diesel und Speiseöl benötigt wird. In der Folge leidet auch der Schiffsverkehr, über den ein Großteil der Einfuhren ins Land kommen, darunter Lebensmittel und Verbraucherartikel, wie Reuters berichtet. Die dänische Reederei A.P. Moeller-Maersk habe bereits angekündigt, kein iranisches Öl mehr zu transportieren.

Iran selber dementiert zwar bislang, dass die Sanktionen seiner Wirtschaft Schaden zufügen. Die von der Nachrichtenagentur rund um den Globus befragten Rohstoffhändler zeichnen jedoch ein anderes Bild: Sie berichten einstimmig von gravierenden Handelsstörungen.

Zuletzt war der Streit über das iranische Atomprogramm erheblich eskaliert. Teheran drohte für den Fall eines Angriffs mit Vergeltungsschlägen: Man werde jedes Land angreifen, von dessen Staatsgebiet Feinde Teherans einen Angriff starteten, hatte der stellvertretende Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami der Nachrichtenagentur Fars, Anfang Februar gesagt. Salami reagierte damit auf Berichte über angebliche Überlegungen in Israel, Iran bereits im Frühjahr anzugreifen. Vertreter Israels hatten zuletzt wiederholt angedeutet, die Streitkräfte des Landes könnten militärisch gegen das mutmaßliche Programm Irans zum Bau von Atomwaffen vorgehen.

Ende Januar hatte die Europäische Union mit einem Ölembargo und dem Einfrieren der Konten der iranischen Zentralbank die Gangart im Atomstreit mit dem Iran deutlich verschärft. Spätestens ab 1. Juli sollen die Öleinfuhren gestoppt werden. Bis dahin können noch laufende Öl-Bezugsverträge von den EU-Staaten abgewickelt werden. Die USA hatten ihre Verbündeten zu entsprechenden Schritten aufgerufen.

aar/Reuters

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keksguru 10.02.2012
1. zweites Nordkorea am Werden
wobei es fraglich ist, wie der Iran z.B: Waffen importieren will wenn er sie nicht bezahlen kann. Das dürfte wohl ein kurzes Scharmützel werden. Und alles das weil der iranische Präsident scheinbar komplett den Verstand verloren hat... auch ohne das Einfrieren der Bankkonten oder dem Embargo der EU hat es das Land und seine Einwohner schon verdammt schwer gehabt aber nun dürfte sich die Lange ziemlich zuspitzen.
simieto 10.02.2012
2. Völkermord?
Zitat von sysopDPADurch die internationalen Finanzsanktionen fällt es Iran zunehmend schwer, an Euro oder Dollar zu kommen. Um nun Grundnahrungsmittel wie Getreide zu kaufen, muss das Land auf seine Goldreserven zurückgreifen. Gegengeschäfte werden auch mit Öl angeboten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814402,00.html
Man lässt aus fadenscheinigen Gründen also ein ganzes Volk verhungern. Es ist schon sehr erbauend in einer so verkommenen Gesellschaft zu leben.
atherom 10.02.2012
3. Das zerreißt einem wirklich das Herz:
Zitat von sysopDPADurch die internationalen Finanzsanktionen fällt es Iran zunehmend schwer, an Euro oder Dollar zu kommen. Um nun Grundnahrungsmittel wie Getreide zu kaufen, muss das Land auf seine Goldreserven zurückgreifen. Gegengeschäfte werden auch mit Öl angeboten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814402,00.html
Iran greift seine Goldreserven an! Dabei hat das Land sonst nichts. Außer den weltweit zweitgrößten Ölreserven und riesigen Gasvor- kommen. Ich sehe schon den Tag kommen, an die die religiöse, permanent falsch übersetzte Herrscherclique des Landes ihre schwer verdiente, privaten Milliarden angreifen: sofern sie an die meistens im Ausland gebunkerten Gelder überhaupt herankommt. Und dabei machte der böse Westen nicht mal Halt, vor Milliarden Dollar, die die sparsamen Kinder der Mullahs gebunkert haben. Und das alles wegen dem Störfried Israel. Das einzige Hindernis zum Weltfrieden und Wohlstand in der ganzen Welt. Und jetzt droht es auch noch mit Selbstverteidigung. Unglaublich das Ganze.
_sobieski 10.02.2012
4. Wer läßt das Volk aus "fadenscheinigen" Gründen verhungern?
Zitat von simietoMan lässt aus fadenscheinigen Gründen also ein ganzes Volk verhungern. Es ist schon sehr erbauend in einer so verkommenen Gesellschaft zu leben.
Falls das Volk hungert, so wird es von eigener Führung dazu gebracht. Aber Sie meinen das natürlich nicht: Sie meinen, der Westen macht das. Komisch, dass in einem Land, in dem Atomkraftwerke, die seit Jahrzehnten, ziemlich sicher, zur Energiegewinnung verwendet werden, stillgelegt werden müssen (der Wille des Volkes und der ist ja der Kanzlerin ein Befehl!). Und das selbe Volk setzt sich für das Recht Irans, für diese Energie, weil sie ja friedlich sei. Angenommen, sie wäre es tatsächlich (woran kein Mensch auf der Welt tatsächlich glaubt): wie vereinbart sich diese Doppelzüngigkeit des "Atomstrom, nein danke"-Volkes?
lorberost 10.02.2012
5. Ich mag nicht mehr ...
He Leute, wo lebt ihr denn? Diese Iranhetze wird ja immer blöder. Zitat SPON: Nach malaysischen Exporteuren stoppten Händlern zufolge auch Unternehmen aus Singapur die Belieferung des Irans mit Palmöl, das für die Produktion von Bio-Diesel und Speiseöl benötigt wird. Zitatende. Also, der Iran wird sicher kein Palmöl importieren, um daraus Biodiesel zu machen. So daneben sind die auch wieder nicht. Zitat SPON: In der Folge leidet auch der Schiffsverkehr, über den ein Großteil der Einfuhren ins Land kommen, darunter Lebensmittel und Verbraucherartikel, wie Reuters berichtet. Die dänische Reederei A.P. Moeller-Maersk habe bereits angekündigt, kein iranisches Öl mehr zu transportieren. Zitatende Der Schiffsverkehr leidet. Klar. Bei Sanktionen ist das so. Bloß, wessen Schiffe leiden? Iranische Schiffahrtsunternehmen, oder die Schiffahrtsunternehmen jener Länder, welche die Sanktionen ausgesprochen haben? (Schiffahrt übrigens mit 2 ff, kann mich an die 3 fff nicht gewöhnen...:-) Beim "Schal und Rauch Blog" gibt´s eine interessanten Artikel zu "Iran liefert kein Öl mehr nach Europa" Alles Schall und Rauch: Iran liefert kein Öl mehr nach Europa (http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/02/iran-liefert-kein-ol-mehr-nach-europa.html)
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