Konsumklima in Deutschland Die Sparnation lernt das Shoppen

Das Konsumklima in Deutschland ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die robuste Konjunktur und niedrige Zinsen treiben die Menschen in die Geschäfte. Sparen scheint out.

Shopping in München: "Nur eine Richtung - nach oben"
DPA

Shopping in München: "Nur eine Richtung - nach oben"


Berlin - Ein starker Konjunkturoptimismus, niedrige Energiepreise und Mini-Zinsen auf das Ersparte sorgen für eine immer bessere Kauflaune: Die Konsumlust der Deutschen ist auf das höchste Niveau seit Oktober 2001 gestiegen. Das geht aus einer Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK unter 2000 Verbrauchern hervor. Es ist der fünfte Anstieg in Folge.

Das Konsum-Barometer legt demnach um unerwartet starke 0,4 Punkte zu und steht nun bei 9,7. Damit kann der Handel weiterhin auf gute Geschäfte hoffen. Die Neigung der Bürger wächst, teure Konsumgüter wie Autos oder Möbel zu kaufen. "Der Einbruch bei den Energiepreisen stärkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und lässt Spielraum für weitere Anschaffungen", sagt GfK-Experte Rolf Bürkl.

Die GfK-Forscher ermittelten zudem ein Rekordtief bei der Sparneigung. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gebe es derzeit keine Anreize, das Geld auf der Bank zu lassen. "Die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) führen dazu, dass sich die Sparneigung der Verbraucher derzeit im freien Fall befindet", sagt GfK-Experte Bürkl.

Trotz des starken Anstiegs beim Konsumklima warnen die Forscher vor möglichen Risiken für die Kauflaune. Neben dem Krieg im Osten der Ukraine könnte auch der Schuldenstreit mit Griechenland für einen Dämpfer sorgen. Nach Einschätzung von Bürkl spielen die internationalen Krisen derzeit aber nur eine untergeordnete Rolle in den Köpfen der Verbraucher. "Daher spricht aus heutiger Sicht einiges dafür, dass sich der Aufwärtstrend beim Konsumklima fortsetzen kann", sagte der GfK-Experte.

Zumal die Bürger laut den Forschern an einen robusten Arbeitsmarkt glauben. Vor diesem Hintergrund haben sich auch die Einkommenserwartungen der Befragten verbessert, zumal die Inflation weiterhin ungewöhnlich niedrig ist. "Aus Sicht der Verbraucher entwickeln sich alle relevanten Indikatoren derzeit positiv. Überall kennt die Entwicklung nur eine Richtung: nach oben", sagt Bürkl.

bka/Reuters/dpa/dpa-AFX

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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
Kitu 26.02.2015
1. Sparen???
Lustige Idee. Mein Einkommen lässt das kaufen einer Immobilie nicht zu. Was soll ich denn mit dem Geld machen, welches eventuell am Monatsende übrig ist? Für 0,ditsch% meiner Bank überlassen, welches es dann für den 10 bis 15 fachen Prozentsatz verleiht? Dann doch lieber schöne Dinge kaufen, solange man arbeit hat. Und eventuelle Arbeitslosigkeit lässt sich dann mit einem schönen neuen Flatscreen viel besser ertragen...
ekel-alfred 26.02.2015
2. Sparen scheint out?
Ja klar, wozu noch Gelder auf Konten horten? Zinsen im Keller, da kann man sich ja eher was gönnen. Aber Vorsicht! Man kann das Geld nur einmal ausgeben. Wer glaubt, diese Steuerquelle wird dauerhaft so sprudeln, der dürfte irren.
crazy_swayze 26.02.2015
3.
Was bitte soll man denn sparen? Die Inflation frisst einem doch die Kohle auf, wenn sie auf der Bank liegen bleibt.
till-eulenspiegel 26.02.2015
4. Ei n Hoch auf den Konsumismus
Na dann ist ja wieder alles klar ! Und ich dachte schon, wir Deutschen befänden uns in einer Sinnkrise. Weiter so ! Alles was wir brauchen ist Wachstum ! Wachstum ! Wachstum ! Möge die Welt um uns herum im Chaos versinken, Hauptsache der Konsom in Deutschland boomt !
conny1969 26.02.2015
5. 30% shoppen
Info GfK: Das Konsumklima bezieht explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich Statt shoppen teure Miete, auch daswäre möglich.
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