Vinzenzmurr in München Bericht offenbart schwere Hygienemängel bei Metzgereikette

Grüne Leber, Rattenkot unter der Wursttheke - Lebensmittelkontrolleure haben bei der Münchner Metzgereikette Vinzenzmurr erhebliche Hygienemängel entdeckt. Die Vorwürfe gab es schon länger, jetzt haben Behörden die Details veröffentlicht. Das Unternehmen hatte erfolglos dagegen geklagt.

Firmenschild von Vinzenzmurr: Millimeterhohe Verunreinigungen
dapd

Firmenschild von Vinzenzmurr: Millimeterhohe Verunreinigungen


München - "Frische, Qualität, Herkunft" - mit diesem Slogan bewirbt die Münchner Großmetzgerei Vinzenzmurr ihre Produkte. Doch zumindest um Frische und Qualität scheint es zeitweise nicht allzu gut bestellt gewesen zu sein. Das zeigen die Ergebnisse einer Razzia von Lebensmittelprüfern, die jetzt in einem Beschluss des Verwaltungsgerichts München veröffentlicht wurden und über die zunächst die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtete. Die Stadt München erklärte, dass inzwischen saubere Verhältnisse bei Vinzenzmurr herrschen.

Der im Internet veröffentlichte Beschluss nennt Vinzenzmurr zwar nicht namentlich, die geschilderten Ereignisse beziehen sich jedoch eindeutig auf das Unternehmen. Demnach notierten die Prüfer unter anderem:

  • "Der Fußboden war unter der Fleisch- und Wursttheke zum Teil millimeterhoch mit dunklen Belägen, Unrat, Lebensmittelresten, Spinnweben und Rattenkot verunreinigt."
  • Außerdem entdeckten die Kontrolleure Leber, "die stellenweise deutlich grünlich verfärbt war, alt, faulig und deutlich ranzig roch sowie faulig schmeckte".
  • Berichtet wird auch von Salami-Ecken für Pizza, die "stellenweise gelblich-gräulich verfärbt waren und deutlich ranzig, muffig und alt rochen".
  • Zu anderthalb Kilo sogenannter Fleisch- und Wurstabschnitte heißt es: "Der mikrobiologische Befund ergab einen hochgradigen Gehalt an aeroben, mesophilen und säureliebenden Keimen sowie Hefen und Schimmelpilzen."
  • Auch bei Schinkenwürfeln, Schweinshaxen, Hähnchenschenkeln und Bratenstücken monierten die Kontrolleure verdächtigen Geruch oder Geschmack.
  • In einem Kühlhaus war eine Tür mit einem "schwarzen, schimmelähnlichen Belag verunreinigt" und "Rohrleitungen waren mit alten Lebensmittelresten verschmutzt".
  • In zwei Fällen wurden zudem Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz festgestellt, darunter eine Beschäftigung von Personal ohne Gesundheitsbescheinigung.

Trotz der langen Mängelliste bestand laut Beschluss jedoch "weder eine von Lebensmitteln ausgehende Gesundheitsgefahr, noch wurden zum menschlichen Verzehr ungeeignete Lebensmittel in den Verkehr gebracht".

Mit mehr als 100 Filialen im Stadtgebiet ist Vinzenzmurr die mit Abstand größte Münchner Metzgerei. Außerhalb der Landeshauptstadt, vor allem in Südbayern, sind es nochmals mehr als 170 Filialen. Damit gehört das Familienunternehmen auch bundesweit zu den Branchengrößen.

Die Kontrolleure hatten Ende März 2011 die Firmenzentrale und etwa zwei Dutzend Filialen von Vinzenzmurr inspiziert. Die Stadt München verhängte anschließend gegen 29 Filial- und Betriebsleiter des Unternehmens Bußgelder bis zu 4800 Euro. Laut Gerichtsbeschluss ging es bei 28 Bußgeldbescheiden darum, "dass in der Kühlung bzw. Tiefkühlung Lebensmittel (Fleisch- und Wurstwaren) vorrätig gehalten wurden, die aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht zum Verzehr geeignet und somit nicht sicher waren".

Vinzenzmurr versuchte auf juristischem Weg, der Stadt München eine Information der Öffentlichkeit zu untersagen, verlor den Rechtsstreit aber vor dem Verwaltungsgericht. "Die beabsichtigte Information der Presse durch die Antragsgegnerin ist nicht rechtswidrig", heißt es in dem Beschluss.

Der Chef des Münchner Kreisverwaltungsreferat (KVR), Wilfried Blume-Beyerle, bescheinigte dem Unternehmen laut "SZ" zudem, das Qualitätsmanagement mittlerweile deutlich verbessert zu haben. Vinzenzmurr habe "gelernt". Der Nachrichtenagentur dapd sagte Blume-Beyerle, seit der Razzia habe es mehr als 200 weitere Kontrollen bei Vinzenzmurr gegeben - ohne "wesentliche Beanstandungen". Das Qualitätsmanagement sei etwa durch die Einstellung von Fachpersonal erheblich verbessert worden.

Zuletzt waren in Bayern wiederholt Hygieneprobleme bei Großbäckereien bekanntgeworden. Der prominenteste Fall ist Müller-Brot: Das Unternehmen war infolge eines Hygieneskandals pleitegegangen.

dab/dapd



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insgesamt 80 Beiträge
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flaw83 18.10.2012
1.
Zitat:Zudem entdeckten die Kontrolleure Leber, "die stellenweise deutlich grünlich verfärbt war, alt, faulig und deutlich ranzig roch sowie faulig schmeckte". Hat das dann noch jemand probiert?
laluna3 18.10.2012
2. Ekelware
Ab in den Knast und als Tagesration ihre eigene Ware zum essen. Guten Appetit
sappelkopp 18.10.2012
3. Wenn es so weit verbreitet ist...
Zitat von sysopdapdDiese Funde machen keinen Appetit: Lebensmittelkontrolleure haben bei der Münchner Metzgereikette Vinzenzmurr erhebliche Hygienemängel entdeckt, von Rattenkot bis zu fauligem Fleisch. Die Details der Razzia wurden erst jetzt bekannt. Vinzenzmurr hatte versucht, ihre Veröffentlichung zu verhindern. Kontrolleure entdeckten bei Vinzenzmurr große Hygienemängel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kontrolleure-entdeckten-bei-vinzenzmurr-grosse-hygienemaengel-a-861998.html)
...dass es dort so dreckig zuging, dann liegt das nie nur an einigen Mitarbeitern. Der Fisch stinkt vom Kopf zuerst sagt man.
MPeter 18.10.2012
4. März 2011
Zitat von sysopdapdDiese Funde machen keinen Appetit: Lebensmittelkontrolleure haben bei der Münchner Metzgereikette Vinzenzmurr erhebliche Hygienemängel entdeckt, von Rattenkot bis zu fauligem Fleisch. Die Details der Razzia wurden erst jetzt bekannt. Vinzenzmurr hatte versucht, ihre Veröffentlichung zu verhindern. Kontrolleure entdeckten bei Vinzenzmurr große Hygienemängel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kontrolleure-entdeckten-bei-vinzenzmurr-grosse-hygienemaengel-a-861998.html)
März 2011, was bringt das jetzt nocht?
Die einfache Stimme 18.10.2012
5. wozu veröffendlichen ....schließen
wäre hier für mich die einzige Devise. Wozu noch was an die große Glocke hängen bei so krassen Verstößen wäre jedes normale Restaurant schon lage dicht aber bei der Industrie werden die sanften Handschuhe ausgepackt.
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