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Konzentration auf dem Energiemarkt: Großkonzerne schmieden Wind-Oligopol

Von Nils-Viktor Sorge

Die Windbranche steckt im Umbruch: Vor Europas Küsten sollen gigantische Offshore-Parks entstehen. Großkonzerne wie Siemens wittern ein Milliardengeschäft und sichern sich immer größere Marktanteile. Experten fürchten ein neues Energie-Oligopol.

Windenergie: Die wichtigsten Player der Zukunftsbranche Fotos
DPA

Hamburg - Vestas geht, Siemens kommt: In Großbritannien hatte der dänische Weltmarktführer im vergangenen Jahr noch seine Windrotorenfertigung geschlossen und in die USA verlegt, Streiks und eine Betriebsbesetzung waren die Folgen. Doch nun weitet der Münchner Technologiekonzern sein Engagement auf der Insel aus. Bis 2014 soll eine Fabrik samt 700 Arbeitsplätzen entstehen, teilte Siemens gestern mit, das Investitionsvolumen beträgt umgerechnet gut 91 Millionen Euro.

Der Wachwechsel im Königreich verdeutlicht einen Branchentrend: Kleinere Windkraftpioniere wie Vestas, Enercon oder Nordex kämpfen um ihre Markanteile, Großkonzerne wie Siemens und General Electric sind auf dem Vormarsch. "Diese Tendenz wird sich weiter fortsetzen", sagt Analyst Holger Fechner von der NordLB. Konzerne könnten angesichts immer umfangreicherer Projekte ihre Größe ausspielen. Die Großkonzerne können auf die rasch wachsende Nachfrage schneller reagieren als die kleinen Unternehmen. "Die klassischen Anbieter haben es schwer mitzuhalten", sagt Fechner.

Im vergangenen Jahr hat Vestas seine weltweite Führungsposition mit einem Marktanteil von 12,5 Prozent noch knapp verteidigt, doch lediglich 0,1 Prozentpunkte dahinter liegt bereits der US-Konzern General Electric. Siemens hat sich in den vergangenen Jahren in den Top Ten etabliert und kommt laut der Aufstellung der Unternehmensberatung BTM auf 5,9 Prozent Marktanteil. "2012 wollen wir weltweit die Nummer drei sein", sagt Rene Umlauft, Erneuerbare-Energien-Chef bei Siemens.

Der Umbruch in der Windbranche wird vor allem von der Offshore-Technologie vorangetrieben. Allein vor den Küsten Deutschlands sollen in den nächsten Jahrzehnten Anlagen mit einer Nennleistung von 25.000 Megawatt entstehen. Bei stetigem Wind könnten sie theoretisch so viel Strom erzeugen wie etwa 20 Kernkraft- oder Kohlekraftwerke.

Siemens bezeichnet sich in diesem Segment als einer der Weltmarktführer. "Das ist unser dauerhafter Anspruch in Deutschland und weltweit", sagt Umlauft. Grundstein für das Engagement im Windbereich war der Kauf der dänischen Firma Bonus Energy, Dänemark ist bis heute zentraler Standort für die Aktivitäten.

"Es droht ein neues Oligopol"

Auch in Deutschland gelang dem Unternehmen, Fuß zu fassen. Siemens liefert 80 Rotoren für Vattenfalls Windpark Dan Tysk 50 Kilometer vor der Nordseeinsel Sylt. Die Anlagen haben eine Leistung von je 3,6 Megawatt - Gesamtleistung: 288 Megawatt.

Immer gewaltiger werden die Projekte. Vor der englischen Küste ging kürzlich der bisher größte Windpark der Welt ans Netz. Bis zu 300 Megawatt beträgt die Leistung der Turbinen, das reicht bei optimalen Windverhältnissen, um den Strombedarf von 200.000 Haushalten zu decken.

Solch gewaltige Bauvorhaben lassen manche Kunden möglicherweise auch aus Sicherheitsgründen auf einen großen Anbieter setzen. "Je größer der Lieferant, desto größer die Projektsicherheit", sagt Fechner. Industrieriesen wie General Electric und Siemens verfügen bereits jetzt über reichlich Erfahrung mit Finanzierungsgeschäften zu verfügen. Diese Stärke spielten sie aus, sagt Fechner.

Das Wachsen fällt den Großen aus all diesen Gründen tendenziell leichter. Größere Übernahmen indes stehen vorerst nicht an. "Die Windbranche hat in Europa ihre Konsolidierungswelle bereits hinter sich", sagt Ulf Gerder vom Bundesverband Windenergie. Auch Siemens-Divisionschef Umlauft beteuert: "Wir wollen in erster Linie organisch wachsen."

Organisch gewachsen sind allerdings auch manche Beziehungen der Großkonzerne zu Kunden in anderen Bereichen der Energiewirtschaft. Während sich an Land oft einzelne Bürger für die Finanzierung eines Windparks zusammentaten, werden die Anlagen auf See immer öfter von Energiekonzernen wie E.on und RWE betrieben.

Verbandssprecher Gerder beobachtet diesen Trend mit Sorge. Er fürchtet: "Es droht ein neues Oligopol."

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insgesamt 169 Beiträge
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1. Wer soll's denn sonst richten?
Iwan Denissowitsch 31.10.2010
Zitat von sysopDie Wind-Branche steckt im Umbruch: Vor Europas Küsten sollen gigantische Offshore-Parks entstehen. Großkonzerne wie Siemens* wittern ein Milliardengeschäft und sichern sich immer größere Marktanteile. Experten fürchten ein neues Energie-Oligopol. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725459,00.html
Die Energieversorgung von Millionen von Menschen gehört nicht in die Hände von Amateuren. Daher ist es so, wie es läuft, auch recht.
2. Warum fürchten?
miken123 31.10.2010
Zitat von sysopDie Wind-Branche steckt im Umbruch: Vor Europas Küsten sollen gigantische Offshore-Parks entstehen. Großkonzerne wie Siemens* wittern ein Milliardengeschäft und sichern sich immer größere Marktanteile. Experten fürchten ein neues Energie-Oligopol. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725459,00.html
Es kommt eben LANGSAM Bewegung in die Sache. Es konnte auch nicht so weitergehen, dass sich irgendwelche Hinterhof-Werkstätten mit schlechter Technik aufgrund der absurd hohen EEG-Förderung Milliarden einverleiben, wie das im Bereich Photovoltaik immer noch der Fall ist.
3. öffentliche Hand
shatreng 31.10.2010
Zitat von Iwan DenissowitschDie Energieversorgung von Millionen von Menschen gehört nicht in die Hände von Amateuren. Daher ist es so, wie es läuft, auch recht.
Die Energie-, Gesundheits-, Wasser- und Mobilitätsversorgung gehört vor allem nicht in die Hände einzelner Personen und Familienclans, sondern in die Hände aller. Interessant, dass es bei der Privatisierung der Infrastruktur in den meisten Fällen für die Allgemeinheit schlechter aussieht als vorher. Schönes Beispiel ist die Wasserprivatisierung in Berlin.
4. Ein ganz schlechtes Zeichen
Koltschak 31.10.2010
Zitat von miken123Es kommt eben LANGSAM Bewegung in die Sache. Es konnte auch nicht so weitergehen, dass sich irgendwelche Hinterhof-Werkstätten mit schlechter Technik aufgrund der absurd hohen EEG-Förderung Milliarden einverleiben, wie das im Bereich Photovoltaik immer noch der Fall ist.
Nein, wirklich, das kann nicht angehen. Der deutsche Bürger freut sich viel lieber von den Großkonzernen ausgesaugt zu werden, das hat wenigstens eine gewisse Zuverlässigkeit. Jedes Jahr steigen die Strompreise, es sind jetzt die höchsten der Welt. Weltrekord. Was sind wir Deutschen stolz! Das glauben Sie doch selbst nicht, dass durch irgendeinen Konzern der Strompreis auch nur annähernd im Grünen Bereich bleibt. Familien mit Kindern freuen sich da besonders. Und die Sache mit Fotovoltaik ist nicht der Fehler von irgendwelchen Hinterhofschraubern. Das ist der Fehler der Oligarchen in Bonn, die zu doof sind, ein wasserdichtes gutes Gesetz zu machen. In ganz Europa wird der Zuwachs von Fotovolte begrenzt, meist sind es 500MW pro Jahr. In Deutschland werden jetzt 8200MW mehr gefördert, das ist das fast 17Fache! Schuld sind die dümmlichen arroganten Nichtsnutze in Bonn, die zu doof sind eins und eins zusammen zu zählen. Warten Sie mal ab, wer sich noch Strom leisten kann, wenn die RotGrünINNEN an der Macht sind. Der kleine Bürger bestimmt nicht. P.S.: Der Bezug auf Bonn ist fast eine Beleidigung, denn zur Bonner Zeit immerhin wussten noch einige Politiker, was sie tun.
5. Versorgung
Iwan Denissowitsch 31.10.2010
Zitat von shatrengDie Energie-, Gesundheits-, Wasser- und Mobilitätsversorgung gehört vor allem nicht in die Hände einzelner Personen und Familienclans, sondern in die Hände aller. Interessant, dass es bei der Privatisierung der Infrastruktur in den meisten Fällen für die Allgemeinheit schlechter aussieht als vorher. Schönes Beispiel ist die Wasserprivatisierung in Berlin.
Entscheidend ist, daß Wasser stets und sofort zur Verfügung steht. Wer für die Versorgung zuständig ist und daran verdient, ist zweitrangig.
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Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland etwa 950 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von fast zwei Gigawatt ans Netz. Das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Weltweit ist Deutschland gleichauf mit China und hinter den USA die Nummer Zwei bei der Nutzung der Windenergie; dahinter folgen Spanien und Indien. Trotz Finanzkrise war 2009 ein hervorragendes Jahr für die globale Windbranche, denn die installierte Gesamtleistung stieg um fast ein Drittel auf 158 Gigawatt. Den größten Zubau verzeichneten China (plus 13 Gigawatt) und die USA (plus 10 Gigawatt).

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