Kapitalerhöhung Deutscher Bank wird offenbar Hilfe angeboten

Die Schieflage der Deutschen Bank macht die Wirtschaft weltweit nervös. Dax-Konzerne und Konkurrenten von der Wall Street wollen Deutschlands größte Bank angeblich stützen.

Deutsche Bank In Frankfurt am Main
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Deutsche Bank In Frankfurt am Main


Die Deutsche Bank soll offenbar mit verschiedenen Finanzfirmen über die Möglichkeiten einer Kapitalerhöhung oder von Spartenverkäufen sprechen. Wall-Street-Banken böten dem größten deutschen Geldhaus an, bei einer Kapitalerhöhung von bis zu fünf Milliarden Euro zu helfen, sollte die Bank diese wegen hoher Kosten für Rechtsstreitigkeiten benötigen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am späten Donnerstagabend unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Entscheidungen seien noch nicht gefallen und das Institut könne sich auch gegen einen solchen Schritt entscheiden.

Eine weitere Möglichkeit, seine Kapitalbasis aufzupolstern, sieht die Konzernführung nach einem Bericht der "Financial Times" darin, einen Minderheitsanteil an der Vermögensverwaltungssparte Deutsche Asset Management an den Aktienmarkt zu bringen.

Dem "Handelsblatt" zufolge haben auch hochrangige Manager mehrerer deutscher Großkonzerne über einen Rettungsplan für die Deutsche Bank gesprochen. Einige der Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex würden prüfen, ob es möglich sei, sich an einer Kapitalerhöhung bei der Bank zu beteiligen, falls eine Aufstockung der Mittel bei dem Institut tatsächlich erforderlich sein sollte, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Nötig sein könne ein einstelliger Milliardenbetrag. Um welche Großkonzerne es sich handelt, schrieb die Zeitung nicht.

Die Hilfsbereitschaft entfaltet offensichtlich schon erste Wirkung. Zwei führende Hedgefonds haben ihre Spekulationsgeschäfte auf einen fallenden Kurs der Deutschen Bank zurückgefahren. Der britische Fonds Marshall Wace meldete zuletzt eine Leerverkaufsposition von 0,88 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien. Ursprünglich waren es 1,03 Prozent. Discovery Capital Management aus den USA reduzierte die Wetten gegen Deutschlands größtes Geldhaus auf 0,1 Prozent nach einem Höchststand von 0,61 Prozent. Beide begannen im Verlauf der vergangenen Woche mit der Auflösung ihrer Positionen, was auf wachsendes Vertrauen in das Institut hindeuten könnte. Die Hedgefonds wollten sich zu ihren Beweggründen nicht äußern.

Die Hoffnung bekommt Nahrung

Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte die Informationen nicht kommentieren. Der Aktienkurs der größten deutschen Bank war Mitte September unter Druck geraten, nachdem das US-Justizministerium im Streit um krumme Wertpapiergeschäfte eine Vergleichsforderung in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar aufgestellt hatte. Im Zuge dessen war der Aktienkurs Ende September unter zehn Euro gefallen. Von diesem Tiefststand hat sich das Papier seitdem aber wieder ein Stück weit erholt. Andere beschuldigte Großbanken hatten sich in vergleichbaren Fällen mit weniger Geld einem Rechtsstreit entziehen können.

In dem aktuellen Fall geht es nach Angaben der Deutschen Bank um die Beilegung möglicher zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit der Ausgabe Hypotheken gedeckter Wertpapiere zwischen 2005 und 2007. Der Bank wird vorgeworfen, mit windigen Geschäften zum Kollaps des US-Häusermarktes im Jahr 2008 beigetragen zu haben. Insgesamt schlägt sich das Institut mit Tausenden Rechtsstreitigkeiten herum, deren Kosten derzeit noch unkalkulierbar sind.

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Die Skandale der Deutschen Bank: Peanuts und Pannen

mik/dpa-AFX

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kimmberlie.67 07.10.2016
1. Dax-Konzerne und Konkurrenten von der Wall Street wollen Deutschlands größte Bank angeblich stützen.
Da fällt mir ein Gleich und Gleich gesellte sich gern.
i.dietz 07.10.2016
2. Da sind dann ja wieder die
und Monopoly Spieler unter sich !
bartsuisse 07.10.2016
3. Keine Staatshilfe
da Staatshilfen verboten sind ist das auch die einzige und letzte Möglichkeit
housemartin 07.10.2016
4. Find ich gut
habe wie der Scheich von Katar bei 10 EUR ordentlich nachgekauft
geotie 07.10.2016
5. Ist man schlauer
nur 1000 Rechtsstreitigkeiten? HAben so wenige Mut sich gegen die DB zu stellen? Oder liegt es an die Richter, die ungerne ein Urteil gegen die DB fällen.
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