Umbau des VW-Managements Audi-Chef Stadler ist der große Gewinner

Sie sind immer wieder für eine Überraschung gut: Mit ihrem Management-Umbau haben Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch und sein Adlatus Martin Winterkorn die Branche überrascht. Und auch ein neuer Kronprinz kristallisiert sich heraus - Audi-Chef Rupert Stadler.

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Audi-Chef Stadler (l.), Konzernboss Winterkorn: Zwiegespräch mit dem Mentor
dapd

Audi-Chef Stadler (l.), Konzernboss Winterkorn: Zwiegespräch mit dem Mentor


Berlin - Wenn Martin Winterkorn von Herausforderungen spricht, lohnt sich das Zuhören. Des Öfteren hatte der Vorstandschef von Volkswagen Chart zeigen in den vergangenen Wochen vor Schwierigkeiten gewarnt, die dem Konzern bevorstünden. Die sich abkühlende Weltkonjunktur mit massiven Nachfragerückgängen in Europa etwa, oder die Qualitätsprobleme bei der Produktion in China. Auch Audi geriet in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder in die Kritik. Der Vorstand vermisse ein wenig die technologischen Glanzpunkte, hieß es hinter vorgehaltener Hand aus Winterkorns Umfeld.

Wie bei Winterkorn zu erwarten, blieb es nicht bei solchen Andeutungen.

Die radikalen Konsequenzen, die der VW-Aufsichtsrat jetzt zog, überraschten jedoch selbst jene Experten, die den Konzern seit langem intensiv beobachten. "Bemerkenswert ist vor allem der Umfang der Personalrochade", erklärt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Mit einem neuen Vorstandressort für das China-Geschäft haben die Beobachter ebenso wenig gerechnet, wie mit dem massiven Personalaustausch im Vorstand der noblen VW-Tochter Audi Chart zeigen. Dort mussten Entwicklungsvorstand Michael Dick, Einkaufschef Ulf Berkenhagen und Vertriebsleiter Peter Schwarzenbauer ihre Posten räumen. Von den drei Managern hat lediglich Berkenhagen eine Zukunft im Konzern. Er wird in gleicher Position künftig bei MAN Chart zeigen arbeiten. Für den einst als Hoffnungsträger gehandelten Schwarzenbauer, der vor vier Jahren von Porsche Chart zeigen zu Audi kam, hatten Winterkorn und Piëch nur dürre Worte übrig. Und Dick bleibt nur der Ruhestand.

Enormer Schub für Audi

Die Maßnahmen bringen auf den ersten Blick auch Rupert Stadler in die Schusslinie - immerhin ist er als Audi-Vorstandschef verantwortlich für die Pannen in den Geschäftsbereichen seiner Vorstandskollegen. Kritiker, die in Stadler gerne einen wenig autoaffinen Technokraten sehen, sehen bereits das Ende seiner Karriere dämmern.

Doch das Gegenteil dürfte der Fall sein. "Wenn einer als Gewinner aus dem großen Revirement hervorgeht, dann ist es Stadler", sagt Christoph Stürmer, Autoexperte bei der Frankfurter Beratungsgesellschaft Global Insight. Ihm stünden künftig mit Wolfgang Dürheimer, Luca de Meo und Bernd Martens drei hochklassige Manager zur Seite, die bei Audi für enormen Schub sorgen dürften, sagt Stürmer voraus. Wenn es Stadler gelinge, dieses Potential zu nutzen, rücke er auf der Liste der möglichen Winterkorn-Nachfolger an die erste Stelle.

Tatsächlich bringen die Neuen etliche Talente mit, vor allem de Meo und Dürheimer. De Meo kam erst vor kurzem von Fiat Chart zeigen zu Volkswagen. In Italien hatte der Vertriebsfachmann mit der Markteinführung des kultigen Kleinwagens Fiat 500 sein Meisterstück abgeliefert. Dürheimer hingegen leitete in den vergangenen Jahren erfolgreich die Geschicke von Bentley und Bugatti, fühlte sich in der Luxusnische aber deutlich unterfordert. Als Entwicklungschef bei Audi wird ihm seine Vergangenheit als ehemaliger Porsche-Ingenieur zugutekommen. Hilfreich auch, dass ihm bei Porsche mit Wolfgang Hatz ein Mann gegenüber steht, der zuvor die Geschicke der Entwicklungsabteilung von Audi lenkte. Ihre Erfahrungen bei der jeweiligen Schwestermarke dürften es den beiden Chefentwicklern erleichtern, Synergien zwischen Audi und Porsche zu nutzen.

China bleibt wichtigster Markt

Es gibt aber auch noch einen anderen Gewinner: Jochem Heizmann, der künftig im Range eines Konzernvorstands das China-Geschäft leitet. In China verkaufte VW im vergangenen Jahr rund 2,3 Millionen Autos, mehr als 25 Prozent der gesamten Produktion. Mit mehr als 2,6 Milliarden Euro trug das Geschäft einen Großteil zum Konzerngewinn bei. Der 60-jährige Ingenieur gilt als treuer Vasall von Piëch und Winterkorn und soll die Expansion auf dem wichtigsten Absatzmarkt absichern.

Bis 2016 stehen ihm dafür rund 14 Milliarden Euro zur Verfügung, die zum größten Teil in den Bau neuer Fabriken fließen sollen. Der Produktionsfachmann wird sorgfältig darauf achten, dass Qualitätsprobleme in Zukunft vermieden werden. Unter Heizmanns Vorgänger Karl-Thomas Neumann liefen reihenweise mangelhafte Doppelkupplungsgetriebe vom Band, die nun eine teure Nachbesserung erfordern.

Das allein aber dürfte nicht der Grund gewesen sein, warum der einstige Winterkorn-Kronprinz Neumann nun vor dem Ende seiner Karriere bei Volkswagen steht. Entscheidend dürfte eher Neumanns Führungsstil gewesen sein, der sich stark von der üblichen Volkswagen-Kultur unterscheidet. Befehl und Gehorsam liegen Neumann weniger als Diskurs und Diskussion. Das wird im Reich von Winterkorn und Piëch nur geduldet, solange nichts schiefgeht.



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