Frankfurt - Nokias Befreiungsschlag ist gescheitert, zumindest an der Börse: Kurz nach der Ankündigung einer Kooperation des finnischen Handy-Herstellers mit dem Software-Konzern Microsoft verlor die Aktie in Frankfurt zeitweise knapp zehn Prozent. Im weiteren Handelsverlauf erholte sie sich ein wenig.
Mit der Allianz versucht Nokia, Anteile im heftig umkämpften Smartphone-Markt zurückzugewinnen. Dort wird die ehemals unangefochtene Nummer eins durch Google und Apple stark unter Druck gesetzt. Im vergangenen Jahr fiel Nokias Marktanteil nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Gartner von 36,4 auf 28,9 Prozent. In früheren Jahren führte Nokia noch mit rund 40 Prozent.
Nokias Smartphones sollen künftig überwiegend mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft laufen. Die Rede ist von einer "weitreichenden strategischen Partnerschaft" mit dem US-Software-Hersteller.
Nokias Lage sei dramatisch, hatte Konzernchef Stephen Elop erst vor wenigen Tagen eingeräumt. Vor Mitarbeitern verglich er die Situation des Unternehmens mit einer "brennenden Plattform". Jetzt hofft Elop auf die Wende. Am Freitag kündigte er über den Kurznachrichtendienst Twitter an: "Heute taucht Nokia nach vorn."
Dieser Deutung wollten Analysten nicht folgen. "Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden. Aber sie ist keine Patentlösung für die Probleme", sagte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight.
Auch die amerikanische Investmentbank Bernstein blieb trotz Nokias Kooperation mit Microsoft bei einer negativen Bewertung. Bernstein-Analyst Pierre Ferragu bewertete das Bündnis als wenig zukunftsträchtig. Die mobile Windows-Plattform habe in den vergangenen Monaten trotz kräftiger Marketingaufwendungen und der Rückendeckung namhafter Hersteller wie HTC oder Samsung im Smartphone-Markt genauso wie Nokia kaum Fortschritte gemacht.
Auch für Nokias rund 130.000 Mitarbeiter gibt es keine guten Neuigkeiten: Elops geplanter Strategiewechsel soll einen deutlichen Stellenabbau nach sich ziehen. "Es wird erhebliche Kürzungen geben", kündigte der Konzernchef vor Analysten in London an. Genauere Zahlen werde es erst später geben. Spekulationen über eine Verlagerung der Nokia-Zentrale von Finnland in die USA dementierte Elop jedoch: "Finnland ist unser Zuhause und wird es auch bleiben", sagte er.
Der Konzern kündigte außerdem Änderungen in der Besetzung des Verwaltungsrats an. Das nun "Nokia Führungsteam" genannte Gremium besteht künftig aus 13 Mitgliedern. Alberto Torres, der für die Entwicklung des mobilen Betriebssystems Meego zuständig war, verlässt die Unternehmensführung mit sofortiger Wirkung. Im Nokia Führungsteam sitzen zudem vier neue Mitglieder.
dab/dpa-AFX/Reuters
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