"Nuss-Affäre" bei Korean Air Knien vor der Tochter des Chefs

Als die Tochter des Korean-Air-Chefs in der ersten Klasse ungefragt Macadamia-Nüsse serviert bekam - in der Tüte, nicht im Schälchen! -, flippte sie aus. Jetzt berichtet der Chef des Kabinenpersonals, er habe sogar vor ihr niederknien müssen.

Cho Hyun Ah: Die Tochter des Korean-Air-Chefs hat alle ihre Posten aufgegeben
AP/dpa

Cho Hyun Ah: Die Tochter des Korean-Air-Chefs hat alle ihre Posten aufgegeben


Hamburg - Die Nuss-Affäre hat in Südkorea für Aufregung gesorgt: Cho Hyun Ah, Tochter des Chefs von Korean Air und selbst Managerin in dem Familienunternehmen, war an Bord offenbar ausgerastet. Der Grund: Eine Flugbegleiterin hatte ihr Macadamia-Nüsse serviert, ohne sie vorher zu fragen, ob sie überhaupt einen Snack wünsche. Und hatte dann die Nüsse auch noch in der Verpackung dargeboten, nicht im Schälchen. Nun berichtet Park Chang-jin, der Chef des Kabinenpersonals, wie ihn die Managerin an Bord gedemütigt haben soll.

Nach dem Nussvorfall habe sie ihm als Service-Chef aufgetragen, den Flug von New York nach Seoul stoppen zu lassen, sie werde den Flieger nicht abheben lassen. "Ich habe mich nicht getraut, mich der Tochter des Besitzers zu wiedersetzen", berichtete Park Chang-jin in einem Fernsehinterview. Er habe sich hinknien müssen, um sich zu entschuldigen, dann habe Cho ihn ausgeschimpft und ihm mehrfach eine Aktenmappe gegen den Handrücken gerammt. Während er kniete, habe sie mit dem Finger auf ihn gezeigt.

Die Maschine, die bereits auf dem Weg zur Startbahn war, musste kurz vor dem geplanten Start zum Terminal zurückrollen und startete schließlich mit 20 Minuten Verspätung - ohne den Chef des Kabinenpersonals. Der musste von Bord gehen, weil er nach Ansicht Chos gegen die Service-Vorschriften des Unternehmens verstoßen hatte. Das Verkehrsministerium ordnete eine Untersuchung des Vorfalls auf mögliche Verstöße gegen die Flugsicherheit an.

Kabinenchef sagt, er sei zu Hause aufgesucht worden

Der Vorfall hatte in Südkorea Empörung ausgelöst und war Thema auf den Titelseiten der Zeitungen. Korean-Air-Chef Cho Yang Ho entschuldigte sich öffentlich für das Verhalten seiner Tochter: "Es tut mir leid, sie nicht gut erzogen zu haben."

Die Gescholtene trat am Freitag schließlich selbst vor die Fernsehkameras, als sie für eine Befragung zu dem Vorfall im Verkehrsministerium erschien. "Ich entschuldige mich aufrichtig", sagte sie mit leiser Stimme vor Journalisten. Sie sagte, dass sie alle ihre Posten aufgebe. Außerdem kündigte sie eine persönliche Entschuldigung bei der Besatzung des Fluges an.

Nachdem die Geschichte publik geworden war, berichtet der Chef des Bordpersonals, sei er mehrfach von Offiziellen der Fluglinie zu Hause aufgesucht worden. Sie hätten versucht ihn zu überreden, die Behörden anzulügen. Er habe aussagen sollen, Cho habe ihn gar nicht ausgeschimpft und er habe das Flugzeug freiwillig verlassen.

Korean Air wollte zu den Ausführungen des Angestellten keine Stellung nehmen. Auch Cho wollte sich auf Nachfrage von Reportern nicht zur Darstellung des Flugbegleiters äußern, sie habe sie noch gar nicht gehört, sagte sie.

juh/Reuters



insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tamaji 13.12.2014
1. Guter Artikel
Diesen Artikel sollte man zur Pflichtlektüre für diejenigen machen, die uns immer vorhalten, wieviel wir angeblich von Ostasiatischer Kultur lernen können. Das Gegenteil ist der Fall. Japan, Korea, und in Teilen auch China sind es, die von uns lernen müssen, wie man den Feudalismus überwindet, anstatt ihn nur hinter einer Fassade von "Demokratie" zu verstecken.
blauervogel 13.12.2014
2. Demütigen versus Augenrollen
Eine nette Ergänzung zur Meldung über die nonchalante Reaktion von Herzogin Kate, auf die ihre entgegengebrachte Unfreundlichkeit und ein Beispiel dafür, was eine fehlende Erziehung und eine schwache Persönlichkeit bedeutet.
waswuerdeflassbecksagen 13.12.2014
3.
"Nachdem die Geschichte publik geworden war, berichtet der Chef des Bordpersonals, sei er mehrfach von Offiziellen der Fluglinie zu Hause aufgesucht worden. Sie hätten versucht ihn zu überreden, die Behörden anzulügen." Irgendwie möchte man diese Woche nach der Veröffentlichung der längst bekannten Details über die CIA-Folterberichte nur noch kotzen, da sehnt man sich wirklich nach Bär "Knut" zurück ...
spon-1283845084838 13.12.2014
4. Mutig
Couragierter Mann, der Kabinenchef. Kompliment! Davon bräuchte es mehr auf dieser Welt.
ohnefilter 13.12.2014
5. Genau!
Zitat von TamajiDiesen Artikel sollte man zur Pflichtlektüre für diejenigen machen, die uns immer vorhalten, wieviel wir angeblich von Ostasiatischer Kultur lernen können. Das Gegenteil ist der Fall. Japan, Korea, und in Teilen auch China sind es, die von uns lernen müssen, wie man den Feudalismus überwindet, anstatt ihn nur hinter einer Fassade von "Demokratie" zu verstecken.
Und wie schnell ein Fehlverhalten aufgeklärt und öffentlich erörtert wird, ist beispielhaft. Deutsche sollten sich ein Beispiel daran nehmen, wie man Arroganz überwindet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.