Mafia-Vorwürfe China richtet schwerreichen Industrie-Mogul hin

Vor wenigen Jahren noch zählte er zur Wirtschaftselite Chinas, nun ist der Unternehmer Liu Han hingerichtet worden. Laut Urteilsbegründung soll er mit seinem Bruder eine "mafiöse Verbrechergruppe" angeführt haben.

Unternehmer Liu Han: Laut Urteil Anführer einer mafiösen Verbrechergruppe
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Unternehmer Liu Han: Laut Urteil Anführer einer mafiösen Verbrechergruppe


Peking - Sie durften noch ihre Angehörigen treffen, dann wurden der einst einflussreiche Konzernchef Liu Han, sein Bruder und drei weitere Mitverurteilte in China hingerichtet. Der Gruppe um den Unternehmer wurde Bandenkriminalität vorgeworfen. Liu habe mit seinem Bruder eine "mafiöse Verbrechergruppe" angeführt, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua aus der Urteilsbegründung.

Nach einem letzten Treffen mit engen Verwandten seien die fünf Verurteilten exekutiert worden, teilte ein Gericht in Xianning in der zentralen Provinz Hubei mit. Die Gruppe war im Mai vergangenen Jahres zum Tode verurteilt worden.

Liu war Chef des privaten Bergbaukonzerns Hanlong aus der südwestlichen Provinz Sichuan. Der Unternehmer war 2013 mit einem Vermögen von 650 Millionen Dollar zu den 100 reichsten Chinesen gerechnet worden.

Lius Hanlong-Gruppe ist in den Branchen Chemie, Solar, Rohstoffe und Bergbau tätig. Das Konglomerat wurde vor einem Jahr auch international bekannt, als es erfolglos versuchte, das australische Bergbauunternehmen Sundance für mehr als eine Milliarde US-Dollar zu übernehmen.

Liu, seinem Bruder und 34 Mitangeklagten wurden Verbrechen wie mehrfacher Mord, organisiertes Verbrechen, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, illegaler Waffenbesitz und Erpressung angelastet. Die von Liu Han und seinem Bruder Liu Wei gebildete Verbrecherbande habe in der Provinz Sichuan über einen Zeitraum von 20 Jahren acht Menschen getötet und viele weitere verletzt, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Taten seien "außerordentlich grausam" gewesen. Das Gericht hatte überdies festgehalten, dass die Bande von "Mitarbeitern der Staatsorgane geschützt" worden sei.

Verbindung zu Parteifunktionär

Der Fall sorgt in China auch deswegen für Aufregung, weil der nun hingerichtete Liu Verbindungen zum in Ungnade gefallenen früheren chinesischen Sicherheitschef Zhou Yongkang haben soll. Zhou ist der bislang höchste Funktionär der Kommunistischen Partei, gegen den wegen Korruptionsverdachts ermittelt wird.

Liu soll chinesischen Medienberichten zufolge mit dem Sohn von Ex-Sicherheitschef Zhou Geschäfte gemacht haben. Die Provinz Sichuan ist eine der Machtbasen von Zhou, er war dort zwischen 1999 und 2002 Parteichef.

Das strikte Vorgehen gegen die Gruppe um Liu Han gilt als Ausdruck des von Chinas Präsident Xi Jinping ausgerufenen Kampfes gegen Bestechlichkeit in Partei und Wirtschaft.

mmq/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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xxbigj 09.02.2015
1.
Also wenn es danach gehen würde, dann müssten ja die gesamte KP hingerichtet werden. Die haben wohl jemanden in der Partei kein Geld bezahlt und das wars dann halt!
gott777 09.02.2015
2. Die chinesische Justiz
macht eben nicht vor den Großen halt. Ich hoffe für die Judikative, dass die Vorwürfe wirklich wahr sind und die wirklich Schuldigen getroffen wurden. Ich denke inländisch wird auch darauf geachtet, wer den nun die Hingerichteten im Konzern beerben...
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