München - Rund eine Stunde sprach Anton Weinmann vor dem Münchner Landgericht. Wut und Kampfeslust lagen in seiner Stimme, als er immer wieder seine Unschuld beteuerte.
Er sei selbst entsetzt gewesen über den Umfang der Korruption im Konzern MAN, in dem er seinerzeit die Lkw-Sparte managte. Er habe von vielen Dingen selbst erst im Zuge der Ermittlungen erfahren, beteuerte er.
Der 56-jährige Weinmann ist bisher der ranghöchste frühere MAN-Manager, der sich vor Gericht wegen der Schmiergeldaffäre verantworten muss. Bei dem Münchner Unternehmen war im Frühjahr 2009 ein Korruptionsskandal aufgeflogen. Jahrelang hatte MAN den Verkauf von Lastern, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt. Laut Anklage duldete Weinmann das Schmiergeld-System.
Weinmann sagte, die Vorwürfe seien "regelrecht absurd", teils "tiefgehend ehrverletzend", teils "grob unwahr und verleumderisch". Die Anklage suggeriere, dass er nichts gegen die Korruption unternommen habe. Er habe vielmehr im Konzern aktiv dagegen gekämpft.
"Ich habe versucht, im Vertrieb richtig aufzuräumen." Er habe Barzahlungen verboten und der Bestechung verdächtige Mitarbeiter entlassen. Dabei habe er sich viele Feinde bei MAN gemacht. "Die vom Vorstand bewirkten Maßnahmen haben gewirkt, wenngleich etwas zu spät." Bestimmte Provisionszahlungen habe er nicht als Schmiergeld erkannt, beteuerte Weinmann. "Im Nachhinein betrachte war ich teilweise zu naiv und gutgläubig."
"Wenn was schiefläuft, sind immer die anderen schuld"
Ende 2009 wurde Weinmann entlassen - ebenso wie Konzernchef Hakan Samuelsson und MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung. Mehrere Manager standen seit 2010 schon vor Gericht und erhielten Bewährungsstrafen - nach vorheriger Absprache mit der Justiz und nach Geständnissen.
Auch Weinmann wurde diese Möglichkeit angeboten. Der Vorsitzende Richter Joachim Eckert legte sie ihm gleich zum Prozessbeginn noch einmal eindringlich ans Herz. Die Wirtschaftsstrafkammer sei durchaus bereit, auf den Angeklagten "mit vernünftigen Vorschlägen" zuzugehen.
Doch Weinmann weigert sich. Er verwies auf ein Rechtsgutachten mit dem Ergebnis, "dass ich unschuldig bin". Deshalb komme eine Absprache nicht in Frage.
Staatsanwalt Markus Koppenleitner sagte, er sei "enttäuscht, fast etwas fassungslos" über Weinmanns Erklärung. Die funktioniere offenbar nach der Devise: "Wenn was schief läuft, sind immer die anderen schuld."
ssu/Reuters
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