Neue Enthüllungen im Korruptionsskandal Brasiliens Börse stürzt um zehn Prozent ab

Brasiliens Präsident Michel Temer wird vorgeworfen, einen Mitwisser im Korruptionsskandal zum Schweigen gebracht zu haben. In der Folge fällt der Leitindex heftig.

Börse in São Paulo
AFP

Börse in São Paulo


Brisante Enthüllungen und Spekulationen über einen Rücktritt von Brasiliens Präsident Michel Temer haben die Börse des fünftgrößten Landes zu Handelsbeginn abstürzen lassen. Der Leitindex Ibovespa mit den Werten von rund 70 Unternehmen fiel an der Börse in São Paulo um rund zehn Prozent, der Handel musste zeitweilig ausgesetzt werden.

Der Dollar wurde so stark wie seit Wochen nicht mehr im Vergleich zur Landeswährung Real notiert, der Kurs lag bei einem Dollar zu 3,3150 Real. Aktien des Petrobras-Konzerns fielen um 20 Prozent, die Papiere der Banco do Brasil um fast 25 Prozent.

Temer soll mithilfe von Geldzahlungen geholfen haben, einen Mitwisser in einem Korruptionsskandal zum Schweigen zu bringen. In der Hauptstadt Brasilia war nach dem Bekanntwerden von angeblich stark belastenden Tonaufnahmen von einer "Bombe" die Rede. Temer sagte alle Termine ab und kündigte eine Erklärung an. Der konservative Politiker hatte erst vor einem Jahr die suspendierte und später des Amtes enthobene linke Präsidentin Dilma Rousseff abgelöst. An den Märkten war der Wechsel positiv aufgenommen worden. Brasilien, bis 2015 noch siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt, befindet sich in einer tiefen Rezession.

2015 sank das Bruttoinlandsprodukt um 3,8 Prozent, 2016 um 3,6 Prozent. 13,5 Millionen Menschen sind arbeitslos. Zuletzt gab es aber Anzeichen einer leichten Besserung, die Märkte begrüßten Temers Privatisierungspläne etwa bei großen Flughäfen und einschneidende Arbeitsmarktreformen, die Unternehmen mehr Freiheiten geben sollen.

bam/dpa



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