Korruptionsverdacht Fahnder vermuten schwarze Kassen bei Areva-Atomtochter

Es geht um den Verdacht auf Untreue und Bestechung: Staatsanwälte haben Geschäftsräume des Reaktorbauers Areva NP durchsucht. Bei der Tochter von Siemens und Areva werden schwarze Kassen und Schmiergeldzahlungen im zweistelligen Millionenbereich vermutet.

Areva-Sitz in Erlangen: Schmiergeldzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe?
dpa

Areva-Sitz in Erlangen: Schmiergeldzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe?


Nürnberg/Erlangen - Sie durchkämmten Firmen- und Privatimmobilien in Deutschland und Tschechien: Ermittler haben Razzien bei dem deutsch-französischen Reaktorbauer Areva NP durchgeführt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Donnerstag mit. Die Anklagebehörde wirft Mitarbeitern des Atomkonzerns vor, Schmiergeld in zweistelliger Millionenhöhe im Auslandsgeschäft gezahlt zu haben. Insgesamt wurden am Dienstag 31 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Die Beamten hätten umfangreiche Beweismittel gesichert, die nun ausgewertet würden.

Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass ein aktiver und vier ehemalige Mitarbeiter im Zeitraum von 2002 bis 2005 schwarze Kassen angelegt haben, um im Ausland Auftragsvergaben durch Schmiergeldzahlungen zu befördern. Es gehe um Beträge im zweistelligen Millionenbereich. Darüber hinaus wird gegen drei weitere Beschuldigte ermittelt, die in Unternehmensberatungen tätig sind und die Mitarbeiter bei den Taten unterstützt haben sollen.

Areva sicherte zu, die Ermittlungen zu unterstützen und teilte mit, die Staatsanwaltschaft habe Geschäftsräume des Unternehmens in Erlangen und ein Archiv am Firmenstandort Offenbach untersucht. Die Ermittlungen richteten sich aber nicht gegen das Unternehmen selbst.

Die Vorwürfe ähneln jenen, die im Zuge des Schmiergeldskandals seit 2006 gegen Siemens-Manager erhoben werden. Areva NP gehört zwar mehrheitlich dem französischen Areva-Konzern, Siemens Chart zeigen besitzt aber noch ein Drittel des Unternehmens. Im größten Korruptionsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde ebenfalls Geld aus der offiziellen Buchhaltung für Bestechungen im Ausland auf schwarze Konten ausgeschleust.

Auf einer Hauptversammlung im Januar 2008 hatte der Siemens-Konzern überraschend Details zu den Vorwürfen genannt. Demnach entfielen insgesamt 301 Millionen der dubiosen Zahlungen auf die Kraftwerkssparte - zu der die Minderheitsbeteiligung an Areva NP zählt. Nur in der Kommunikationstechnik flossen höhere Summen in dunkle Kanäle.

Der frühere Siemens-Konzernvorstand Thomas Ganswindt muss sich derzeit wegen des Schmiergeldskandals vor dem Landgericht München verantworten. Gansvindt räumte dabei Versäumnisse in der Kontrolle seiner einstigen Mitarbeiter ein, streitet aber ab, die Vorgänge konkret gekannt zu haben.

Siemens will sich von seinem Anteil an Areva NP trennen und nach den bisherigen Planungen mit der russischen Rosatom ein neues Atomkraftwerksunternehmen gründen. Die Franzosen waren gegen die Pläne vorgegangen, derzeit läuft ein Schiedsverfahren in dem Fall.

fdi/Reuters/dpa/dapd

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