Korruptionsverdacht Razzia bei Ferrostaal

Beim Industriedienstleister Ferrostaal gibt es einen Korruptionsverdacht, die Münchner Staatsanwaltschaft ließ Geschäftsräume durchsuchen. Der Vorwurf: Mitarbeiter des Unternehmens sollen Schmiergeld gezahlt haben, um an Aufträge zu kommen.


München - Beschäftigte des Industriedienstleisters Ferrostaal sollen Schmiergeld gezahlt haben, um an Aufträge zu gelangen. Wie die Staatsanwaltschaft München am Mittwochabend mitteilte, wurden das Geld offenbar über Scheinberaterverträge an die Empfänger gezahlt.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen ließ die Behörde bundesweit Objekte durchsuchen. An der Aktion waren 16 Staatsanwälte, 60 Polizisten und acht Steuerfahnder beteiligt, wie Staatsanwältin Barbara Stockinger der Nachrichtenagentur apn sagte. Gegen mehrere Personen wird demnach ermittelt. Einzelheiten nannte die Sprecherin nicht. Bereits im vergangenen Jahr waren Büros des Anlagenbauers wegen Korruptionsverdacht durchsucht worden.

"Die Staatsanwaltschaft München I hat heute die Geschäftsräume der Ferrostaal AG in Essen und Geisenheim durchsucht", bestätigte Ferrostaal-Sprecher Daniel Reinhardt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Der Verdacht richte sich jedoch nicht gegen das Unternehmen, sondern gegen einzelne Personen. "Dem Unternehmen wurde mitgeteilt, dass es sich um Bestechungsvorwürfe in einzelnen Projekten handelt", sagte Reinhardt. Der Konzern kündigte an, "eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren" zu wollen.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) aus dem Umfeld des Unternehmens gibt es "eine riesige Liste von Beschuldigten". Wie die Zeitung weiter berichtet, habe es auch eine Festnahme gegeben. Dabei soll es sich um ein Vorstandsmitglied handeln.

Der "FTD" zufolge soll der Manager bereits im vergangenen Juli in der Essener Zentrale verhaftet und später gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden sein. Der Manager habe einige Monate später ein Bußgeld bezahlt, sei aber im Amt geblieben.

Die Essener Ferrostaal AG war früher ein Teil von MAN. Das Unternehmen hat heute noch eine 30-prozentige Beteiligung, während die Mehrheit die International Petroleum Investment Company aus Abu Dhabi besitzt. Ferrostaal setzt nach eigenen Angaben im Jahr 1,6 Milliarden Euro um und hat 4400 Mitarbeiter. Spezialisiert ist das Unternehmen auf den Anlagenbau unter anderem in den Bereichen Chemie, Öl und Gas sowie Kraftwerke.

wit/apn



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