KPMG-Skandal: Suche Insider-Infos - biete Rolex, Geld, Verrat

Es klingt nach einem klassischen Drama: Gier, Geld, Freundschaft und Verrat. Ein Juwelier lässt sich von seinem Freund, einem Wirtschaftsprüfer, Insider-Tipps geben und macht an der Börse damit viel Geld. Er gibt dafür Bares und eine Rolex, dann verpfeift er ihn ans FBI.

Fotostrecke: Geld und Rolex für Insidertipps Fotos
DPA

Los Angeles - Die Geschichte klingt ein wenig wie ein Hollywood-Spielfilm. Es geht um den ranghohen Ex-Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, Scott London, der einem Freund Insider-Informationen gesteckt hat und deshalb jetzt vor Gericht steht. Die US-Börsenaufsicht SEC teilte mit, dass sie Anzeige gegen London erstattet hat - wegen der Weitergabe vertraulicher Informationen über KPMG-Kunden wie Herbalife, den Schuhverkäufer Skechers oder die Outdoorfirma Deckers.

Das Geschäft zwischen den Freunden und Golfpartnern lief zum beiderseitigen Vorteil ab: Der Juwelier Bryan Shaw wollte seinem Glück offenbar auf die Sprünge helfen, sein Kumpel bei KPMG wollte ihm dabei helfen, wie er über seinen Anwalt mitteilte. Dem 24-seitigen SEC-Dokument zufolge soll London seinen Freund zwei bis drei Tage vor der Veröffentlichung von Pressemitteilungen der KPMG-Kunden angerufen und ihm die Entwürfe vorgelesen haben. Shaw setzte die Informationen - mit Beratung von London - beim Aktienkauf ein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Shaw auf diese Weise mehr als 1,2 Millionen Dollar verdiente.

Im Gegenzug habe er London über die Jahre "Zehntausende Dollar Bargeld" in Taschen übergeben, sagte Shaws Anwalt, außerdem eine Uhr der Marke Rolex Daytona Cosmograph im Wert von 12.000 Dollar, Schmuck für Londons Frau und Konzertkarten. Der Anwalt des KPMG-Beraters sprach dagegen nur von "rund 25.000 Dollar über mehrere Jahre". Shaw will schon Ende 2011 Bedenken angemeldet haben, die London aber zerstreut habe: Die Aufsicht interessiere sich nicht "für kleine Fische".

Der gesamte Skandal war nur stückweise an die Öffentlichkeit gekommen: KPMG hatte am Montag mitgeteilt, dass ein Partner in der Niederlassung Los Angeles gefeuert worden sei, weil er nicht-öffentliche Informationen über KPMG-Kunden weitergegeben habe. Am Dienstag hatten Herbalife und Skechers bekanntgegeben, dass sie davon betroffen sind. Am Mittwoch gab London über einen Anwalt zu, dass er der Informant sei. Der Berater sagte, er bereue seine Taten und habe nur einem Freund helfen wollen, dessen Firma in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war.

Am Donnerstag dann war Shaw an die Öffentlichkeit gegangen. Auch er entschuldigte sich für seine "unglaublich dummen" Taten, für die er "volle Verantwortung" übernehme. Shaw war vor einigen Monaten von den Ermittlern kontaktiert worden und hatte dann mit ihnen zusammengearbeitet. Unter anderem führte er Telefonate mit London, die aufgezeichnet wurden. Der Berater selbst erfuhr vom FBI, dass gegen ihn ermittelt wird: Eines Tages kamen die Ermittler in sein Haus und zeigten ihm ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie er ein Geldbündel annimmt. London, der 30 Jahre für KPMG gearbeitet hatte, habe alles zugegeben. Vor Gericht drohen ihm jetzt eine Geldstrafe von mindestens 250.000 Dollar und bis zu fünf Jahre Gefängnis.

nck/Reuters

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Die Spitze des Eisberges
sick-and-tired 12.04.2013
Warum wohl Goldman Sachs im Jahr 2012 nur an 23 Handelstagen kleine Verluste machte und ansonsten immer richtig lag? Weil die großen Spekulanten Informationen von Wirtschaftsprüfern und -beratern, Vorständen und anderen Insidern in Wirtschaft und Politik erhalten. Das ist der eigentliche Wettbewerb der Banken, Hedge Fonds und Großspekulanten. Jeder Kleinanleger weiß das nach spätestens ein paar Jahren an der Börse...
2. Nur 12.000 Euro?
PaulMeister 12.04.2013
Wenn die Rolex nur 12.000 Euro wert gewesen sein soll, war es garantiert nicht die Abgebildete. Diese ist ein Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona Rainbow, der Preis liegt irgendow zwischen 30.000 und über 70.000 Euro! War wohl das erste Bild was ihr gefunden habt?
3. Falsch, man interessiert sich nur fuer die kleinen Fische
Malshandir 12.04.2013
Es ist doch klar, dass man die grossen Fische sausen laesst, aber an den kleinen ein Exempel statuiert. So war es schon immer und so wird es in den USA immer sein.
4. 250.000 USD Strafe?
glass88 12.04.2013
Das zahlt der doch eh aus der Portokasse...
5. optional
coal 12.04.2013
manche wissen halt wie`s geht.
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