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Krankenkasse: KKH Allianz soll Schwerkranke rausgeekelt haben

Schwere Vorwürfe gegen die KKH Allianz: Die Krankenkasse soll schwerkranke und damit teure Versicherte zur Kündigung gedrängt haben. Das geht laut ZDF-Magazin "Frontal 21" aus internen Telefonprotokollen hervor. Die Kasse kündigt eine Überprüfung an.

Arztbesuch: Die Krankenkassen müssen laut Gesetz alle Mitglieder gleichbehandeln Zur Großansicht
dapd

Arztbesuch: Die Krankenkassen müssen laut Gesetz alle Mitglieder gleichbehandeln

Hamburg - "Kundin ist blind; Kassenwechsel als Möglichkeit aufgezeigt." Dieser Vermerk steht laut "Frontal 21" in einem Telefonprotokoll der KKH Allianz. In einem weiteren Fall wird das Gespräch mit einer schwerkranken Diabetikerin geschildert. Weil sie für die Kasse hohe Kosten bedeute, sei auch sie aufgefordert worden, ihre Mitgliedschaft zu kündigen. Der zynische Kommentar des Mitarbeiters: "Hat am Telefon geweint; Kündigung liegt vor."

Nach Recherchen des ZDF-Magazins sind dies keine Einzelfälle. Über Monate hätten Mitarbeiter der Krankenkasse Hunderte schwerkranke und damit besonders teure Versicherte aufgefordert zu kündigen. "Frontal 21" beruft sich neben den Protokollen auf Gespräche mit Versicherten und Mitarbeitern der Kasse. Diese hätten das Vorgehen jeweils bestätigt.

Die KKH-Allianz teilte am Dienstag in Hannover mit, der Vorstand habe aufgrund der Vorwürfe eine interne Prüfung veranlasst und gehe den Hinweisen nach. Das Ziel der Telefonaktion sei gewesen, ausstehende Zusatzbeiträge von säumigen Versicherten einzufordern. "Dies galt ausnahmslos für alle Schuldner und unabhängig von Alter, Geschlecht, Krankengeschichte oder sonstigen Kriterien", erklärte die KKH-Allianz. Es sei nicht Ziel der Anrufe gewesen, Mitglieder zum Kassenwechsel zu bewegen. Im Übrigen sei es nach den derzeit geltenden Bestimmungen nicht mehr zutreffend, dass eine Kasse nur mit gesunden Mitgliedern wirtschaftlich besser dastehe. Zwischen den Kassen gebe es einen Risikostrukturausgleich für chronisch kranke Versicherte.

"Kündigung liegt vor"

Nach eigenen Angaben hat die KKH Allianz 1,4 Millionen Versicherte. Sie ist gesetzlich verpflichtet, alle Versicherten gleichzubehandeln, egal ob jung oder alt, gesund oder schwerkrank. Der Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Rolf Rosenbrock, bezeichnete das Vorgehen der KKH-Allianz im ZDF als Skandal: "Das entspricht auf keinen Fall dem Auftrag einer gesetzlichen Krankenversicherung." Immerhin sei die gesetzliche Krankenkasse per Gesetz eine Solidargemeinschaft.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte das Geschäftsgebaren der Krankenkasse: "Ich denke, dass Wettbewerb nicht dazu führen darf, dass man gesetzliche Grenzen überschreitet." Schaar sagte "Frontal 21", es könne nicht sein, dass Menschen aus der gesetzlichen Krankenkasse gedrängt würden, "weil sie möglicherweise zu teuer sind".

Mit welchen Methoden dabei offenbar vorgegangen wurde, darauf lassen Zitate aus den Telefonprotokollen schließen. So heißt es wörtlich über einen HIV-infizierten Mann: "Er sei immer schon bei KKH und die zahlen auch seine HIV-Therapie; nach langem Gespräch dennoch überzeugt, über Kassenwechsel nachzudenken; Kündigung liegt vor."


ZDF, "Frontal 21": Schwere Vorwürfe gegen KKH Allianz, Dienstag, 21 Uhr

cte

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insgesamt 114 Beiträge
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1.
phalanger 30.10.2012
Deswegen: Eine gesetzliche Krankenkasse für ALLE verpflichtend einführen. Wer eine Sonderbehandlung möchte, darf das gerne zusätzlich versichern. Grundversorgung aber bitte für Alle und von Allen gestützt.
2. Oh ha!
Herr Hold 30.10.2012
Zitat von sysopdapdSchwere Vorwürfe gegen die KKH Allianz: Die Krankenkasse soll schwerkranke und damit teure Versicherte zur Kündigung gedrängt haben. Das geht laut ZDF-Magazin "Frontal 21" aus internen Telefonprotokollen hervor. Die Kasse kündigt eine interne Prüfung an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krankenkasse-kkh-allianz-soll-schwerkranke-rausgeekelt-haben-a-864304.html
Jetzt geht die Diskussion wieder mal von vorne los. Auch Privatversicherte sind solidarisch. Eben in ihrem Versichertenkreis. Genauso wie die Mitglieder der gesetzlichen KK jeweils in ihrem Kreis der Versicherten. Und nein, es soll nicht nur eine Krankenkasse geben, eine gesetzliche in die alle einzahlen.
3. Titel zu verschenken, unbenutzt
SirTurbo 30.10.2012
Zitat von sysopdapdSchwere Vorwürfe gegen die KKH Allianz: Die Krankenkasse soll schwerkranke und damit teure Versicherte zur Kündigung gedrängt haben. Das geht laut ZDF-Magazin "Frontal 21" aus internen Telefonprotokollen hervor. Die Kasse kündigt eine interne Prüfung an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krankenkasse-kkh-allianz-soll-schwerkranke-rausgeekelt-haben-a-864304.html
Eine interne Prüfung: Wie konnte das bloß an die Öffentlichkeit gelangen - das geht ja mal gaaaar nicht...
4.
boeseHelene 30.10.2012
Zitat von phalangerDeswegen: Eine gesetzliche Krankenkasse für ALLE verpflichtend einführen. Wer eine Sonderbehandlung möchte, darf das gerne zusätzlich versichern. Grundversorgung aber bitte für Alle und von Allen gestützt.
volle Zustimmung, ich frage ich mich eh warum brauchen wir so viele Kassen? Eine mit einer schlanken Verwaltung würde reichen.
5. Was macht denn der Schaar da schon wieder?
ponyrage 30.10.2012
Der Mann ist Bundesdatenschutzbeauftragter
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Chronologie der Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.


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