Gesundheitssystem: Bezüge der Kassen-Chefs deutlich gestiegen

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Gesetzliche Krankenkassen: Mehreinnahmen für Vorstandsvorsitzende

Die Chefs der gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr teils deutlich mehr verdient als noch 2011. Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK erhielt rund 15.000 Euro mehr, der Leiter der Pronova BKK gut 10.000 Euro.

Berlin - Die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden der gesetzlichen Krankenkassen sind im Jahr 2012 teilweise deutlich gestiegen. Das geht aus den Pflichtveröffentlichungen im "Bundesanzeiger" hervor.

Demnach erhielt der Chef der Techniker Krankenkasse, der im vergangenen Juli vom Posten des Vize-Vorstandsvorsitzenden aufgerückt war, insgesamt 276.450 Euro. Der Vorstandschef der größten Kasse Barmer GEK verdiente 250.000 Euro, nach 235.000 Euro im Vorjahr. Wegen Vorstandswechseln und Fusionen sind die Zahlen aber nicht durchgängig vergleichbar.

Der Vorsitzende der DAK Gesundheit verzeichnete ein Gehalt in Höhe von 242.540 Euro (2011: 240.934 Euro), der Chef der Pronova BKK wurde mit 244.218 Euro vergütet (234.132 Euro). Der Vorstandschef der AOK Plus kam inklusive variabler Anteile auf 242.710 Euro (235.165 Euro). An der Spitze der AOK Bayern gab es ein Plus von 226.406 auf 241.132 Euro, bei der AOK Baden-Württemberg eine Absenkung von 221.000 auf 212.000 Euro. Die Chefin des Krankenkassen-Spitzenverbands verdiente 235.000 Euro.

Nach teils heftiger Kritik werden nun mit Spannung die Veröffentlichungen der Vereinigungen von Kassenärzten und Zahnärzten erwartet. Anfang 2012 hatte es Streit um das Jahresgehalt des obersten Kassenarzt-Funktionärs Andreas Köhler gegeben. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fand die Erhöhung auf 350.000 Euro zu viel. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte daraufhin den strittigen Arbeitsvertrag neu fassen wollen.

max/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. AOK-Filialen
kerry_gold 01.03.2013
in jedem Dorf, in jeder Filiale Beschäftigte, die auch 6,5% Gehaltserhöhung verdient haben :) - das ist doch im Rahmen! Schließlich tun die ja auch was für ihr Geld. Da ist es wohl angebracht, dass die Versicherten sich etwas einschränken, falls das Geld nicht reichen sollte...
2.
andra85 01.03.2013
Zitat von sysopDPADie Chefs der gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr teils deutlich mehr verdient als noch 2011. Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK erhielt rund 15.000 Euro mehr, der Leiter der Pronova BKK gut 10.000 Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krankenkassen-bezuege-der-vorstandsvorsitzenden-deutlich-gestiegen-a-886469.html
Es ist doch sehr nützlich zu wissen, dass Bürger staatlich verordnet ausgenommen wird, um Gierige großzügig zu bedienen. Die horrenden Krankenkassenbeiträge sind offenbar nicht dazu da, die Versicherungsnehmer medizinisch zu versorgen, wie es eigentlich der Grundgedanke ist. Nein, der Bürger wird schamlos abgezockt, damit alles außerhalb seiner Gesundheit auf seine Kosten gut leben kann. Denn Bürger bekommt ja kaum noch eine ordentliche Behandlung und schiebt seine horrenden Beiträge offenbar nur für jene rüber, die sich daran selbst bedienen. M.E. ist eine Krankenversicherung in der jetzigen Form nicht nötig. Bismarck konzipierte sie auch nur, um ganz Arme grundversorgen zu lassen. Wir haben keine ganz Armen mehr. Jeder sollte in der Lage sein, seine Gesundheit selbst zu bezahlen, sofern sie ihm etwas wert ist. Ein monatlicher Beitrag von 100 Euro pro Bürger sollte ausreichen, um diese wünschenswerte Grundversorgung zu sichern.
3. Die Versicherungen
malocher77 01.03.2013
Geben unser Geld mit beiden Händen aus, sonst haben sie ja ein Überschuss und müssen das Geld zurückzahlen und die Beiträge senken.
4. total normal
volker.foerster 02.03.2013
...wenn ein Vorstand 20.000 im Monat brutto hat. Jede Debatte darüber ist albern. Industrievorstände haben das 10- bis 50-fache, was ich schon eher unangemessen finde.
5. Wie war das noch mit den
Badischer Revoluzzer 02.03.2013
Kosten im Gesundheitswesen ? Ach so irgendwo müssen ja die unfähigeren unserer Politiker untergebracht werden. Eine Frechheit und Abzockermentalität.
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Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.