Kranker Apple-Chef: Börsianer warnen vor Steve-Jobs-Schock

Steve Jobs ist krank und nimmt eine Auszeit von der Apple-Spitze. Laut "New York Times" ist seine Lebertransplantation der Grund dafür. Die Märkte warten gebannt auf die Reaktion der Wall Street. Ein Analyst warnt: Der Gesundheitszustand des Managers könne komplette Aktienindizes bewegen.

Steve Jobs: Der Apple-Boss Fotos
Getty Images

New York/Tokio - In Frankfurt ist die Apple-Aktie bereits abgestürzt - jetzt fürchten Händler, dass ein ähnlicher Kurssturz am Dienstag an der Wall Street passiert. Die Nachricht, dass Konzernchef Steve Jobs erneut eine Genesungspause einlegt, versetzt Börsianer weltweit in Aufregung.

Die asiatischen Börsen tendierten zwar am Dienstag überwiegend im Plus. Die Gewinne hielten sich aber in Grenzen, weil Investoren mit Spannung auf die Reaktion der Wall Street warten. "Die Anleger beobachten, wie der US-Markt auf die Neuigkeiten über Jobs reagiert", sagte Analyst Norihiro Fujito. Der "Jobs-Schock" könne nicht nur einzelne Werte bewegen, "sondern gesamte Indizes". Das Unternehmen steht zusätzlich im Fokus, weil es am Dienstagabend die Bilanz für das vierte Quartal veröffentlicht.

Der 55-Jährige Manager hatte seinen Rückzug schon am Montag mitgeteilt. Nur wenige Minuten danach brach die Apple-Aktie ein. Bis zu acht Prozent verlor sie zwischenzeitlich an Wert, das Unternehmen büßte damit zeitweise mehr als 20 Milliarden Dollar an Wert ein.

In den USA können die Märkte erst am Dienstag auf die Nachricht reagieren. Die US-Börsen blieben am Montag wegen des Feiertags zu Ehren des ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King geschlossen. Experten schätzen, dass das Timing der Bekanntgabe von Steve Jobs' neuer Auszeit kein Zufall ist. "Es ist denkbar, dass der Konzern versucht, die Kursreaktion in Amerika so gut es geht in Grenzen zu halten", sagte Thomas Liskamm, IT-Analyst bei der Commerzbank, SPIEGEL ONLINE.

Spekulationen über Spenderleber

Welche Gesundheitsprobleme Jobs hat, teilte Apple nicht mit. Laut "New York Times" bereitet ihm seine Spenderleber Probleme. 2009 musste sich der Apple-Chef einer Lebertransplantation unterziehen. Seitdem sei sein Immunsystem schwer belastet, zitiert die Zeitung eine Person, die Jobs nahe steht.

In den vergangenen Wochen habe sich Jobs' Zustand immer mehr verschlechtert. Er habe ausgemergelt ausgesehen und sei nur noch zwei Mal die Woche ins Büro gekommen, sagte die Person der Zeitung. Und er habe öfter in seinem Büro zu Mittag gegessen, anstatt in die Kantine zu gehen.

Das "Wall Street Journal" dagegen zitiert einen anderen Vertrauten des Apple-Chefs, demzufolge Jobs nicht anzusehen gewesen sei, dass sein Gesundheitszustand sich verschlechtert habe.

Dass Jobs' eine Auszeit nehmen wolle, sei auch im Unternehmen nur wenigen Menschen bekannt gewesen", schreibt das "Journal". Einige Ausgewählte Personen seien am Sonntag per E-Mail darüber informiert worden. Selbst hochrangige Manager seien über die Mitteilung vom Montag zum Teil überrascht gewesen. Apple äußerte sich nicht zu den Berichten.

Analysten merken an, Apple habe bislang nicht mitgeteilt, wie lange Jobs fehlen werde. Bei seiner letzten Auszeit 2009 sei das anders gewesen. "Daher stellt sich die Frage, ob Jobs überhaupt je zurückkommt", sagte ein Analyst des Marktforschers Sanford C. Bernstein & Company der "New York Times".

In einer E-Mail an die Apple-Mitarbeiter teilte Jobs allerdings mit, er werde auch während seiner Abwesenheit Konzernchef bleiben und an wichtigen strategischen Entscheidungen beteiligt sein. "Ich liebe Apple so sehr", schrieb er, "und hoffe, so bald wie möglich zurück zu sein."

Treibende Kraft bei Apple

Jobs gilt als treibende Innovationskraft hinter den Erfolgen des iPhone- und iPad-Herstellers. Er ist zudem ein exzellenter Verkäufer. Der Manager war in den vergangenen Jahren bereits zweimal ernsthaft krank. 2004 hatte er eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse besiegt - 2009 folgte die Lebertransplantation.

Ganz ohne Wirkung waren diese Auszeiten nicht: 2009, kurz vor Jobs' Lebertransplantation, geriet der Konzern zunächst in ein Formtief - erholte sich aber schnell wieder.

Dieses Mal dürfte der Ausfall von Steve Jobs für Apple zunächst keine spürbaren Auswirkungen haben. Das iPad 2 ist Berichten aus Asien zufolge bereits in der Produktion, es soll im April vorgestellt werden. Das iPhone 5 dürfte im Juni auf den Markt kommen.

Auf lange Sicht aber sind Steve Jobs' Ausfälle für den Konzern eine ernste Gefahr. "Der Apple-Chef hat es bislang versäumt, einen Nachfolger aufzubauen", sagte IDC-Experte Spies SPIEGEL ONLINE. "Wenn Steve Jobs jetzt gehen müsste, würde Apple in ein großes Loch fallen."

ssu/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Apple ist nicht nur Steve Jobs...
Knütterer 18.01.2011
Zitat von sysopSteve Jobs ist krank und nimmt eine Auszeit an der Apple-Spitze - für die Börse eine Hiobsbotschaft. Jetzt warten die Märkte gebannt auf die Reaktion der Wall Street. Ein Analyst warnt: Der Gesundheitszustand des Apple-Chefs könne komplette Aktienindizes bewegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740052,00.html
... und Steve Jobs ist nicht "nur" APPLE, denn APPLE, das sind x-tausende hochmotivierter und hochspezialisierter Mitarbeiter, die auch dann da sind, wenn Jobs nicht mehr aktiv im Tagesgeschäft steckt! Gerade die extreme Verkoppelung von Jobs mit dem Produkt APPLE, zeigt die gefährliche und "fast sektiererische Denkweise" eines harten Anwenderkreises, die quasi ungebremst auf den Rest des Marktes losgelassen wird!
2. Geht's noch?
glass88 18.01.2011
Zitat von sysopSteve Jobs ist krank und nimmt eine Auszeit an der Apple-Spitze - für die Börse eine Hiobsbotschaft. Jetzt warten die Märkte gebannt auf die Reaktion der Wall Street. Ein Analyst warnt: Der Gesundheitszustand des Apple-Chefs könne komplette Aktienindizes bewegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740052,00.html
Ist dieser ungenannte Analyst noch ganz echt? Was macht diese Firma (über)lebenswichtiges? Im Prinzip gar nichts. Und wenn doch ganze Indizes bewegt werden dann Frage ich mich wirklich was denn wichtig ist auf dieser Welt. Es tut mir leid für Steve Jobs persönlich dass er schwer krank ist, aber seiner Firma (und vielleicht auch ihm) muss man vorwerfen sich nicht um einen (visionären) Nachfolger gekümmert zu haben... ...oder ist Apple "systemrelevant"?
3. Geht's noch?
cemi 18.01.2011
Zitat von sysopSteve Jobs ist krank und nimmt eine Auszeit an der Apple-Spitze - für die Börse eine Hiobsbotschaft. Jetzt warten die Märkte gebannt auf die Reaktion der Wall Street. Ein Analyst warnt: Der Gesundheitszustand des Apple-Chefs könne komplette Aktienindizes bewegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,740052,00.html
Ich habe mich auch an den Kopf gefasst, als ich das heute morgen in der Zeitung las. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass dieses ganze Börsen-Casino eine komplett kranke Missgeburt ist... ... leider natürlich "systemrelevant" und "alternativlos". Klar! Also weiter geht's, der "Liquidationsdruck" im Casino soll ja gerade wieder enorm sein.
4. Gegen Titel
cor 18.01.2011
Zitat von glass88Ist dieser ungenannte Analyst noch ganz echt? Was macht diese Firma (über)lebenswichtiges? Im Prinzip gar nichts. Und wenn doch ganze Indizes bewegt werden dann Frage ich mich wirklich was denn wichtig ist auf dieser Welt. Es tut mir leid für Steve Jobs persönlich dass er schwer krank ist, aber seiner Firma (und vielleicht auch ihm) muss man vorwerfen sich nicht um einen (visionären) Nachfolger gekümmert zu haben... ...oder ist Apple "systemrelevant"?
Was reden Sie da eigentlich? Keiner hat behauptet, dass Apple überlebensnotwendig ist. Für Sie: http://de.wikipedia.org/wiki/Spekulation_(Wirtschaft)
5.
chewie1337 18.01.2011
Ich kann mich nur anschließen: Die Börse und insbesondere die Wallstreet ist inzwischen nurnoch eine Perversion dessen, was man als freien Markt bezeichnet. Unfassbar, wie einzelne Menschen auf grund von Ahnungen und Bauchgefühlen oder schlimmer noch: vermeintlicher Erfahrung (In was denn bitte?! im Zocken?) Milliarden verschieben. Der Gegentrend - das automatisierte Börsenhandel - ist leider nicht besser, denn dann werden in Millisekunden Milliarden von Dollar wegen 0,0001% besserer Zinsen durch die Welt geschickt, was mal eben so ganze VOLKSWIRTSCHAFTEN in die Tiefe reißt... Und bei diesen Aussichten wundert es noch jemand, dass manche wieder vom Kommunismus träumen? Wenn es nicht alles so ernst wäre, müsste man sich schlapp lachen über das Kasperletheater was wir uns selbst vor unseren eigenen Augen vorführen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Apple
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 38 Kommentare