Krim-Konflikt Bestrafung Russlands zeigt erste Wirkung

Aktienkurse gehen auf Talfahrt, Rating-Aussichten sinken, Visa und Mastercard stellen Transaktionen für die Rossija-Bank ein: In der russischen Wirtschaft zeigen sich Folgen der Sanktionen. Ein Oligarch verkaufte gerade noch rechtzeitig Firmenanteile.

Mitarbeiterin in der russischen Börse (Archivbild): Kurssturz zum Auftakt
REUTERS

Mitarbeiterin in der russischen Börse (Archivbild): Kurssturz zum Auftakt


Moskau - Russische Unternehmen spüren die verschärften Sanktionen von USA und EU. In Moskau fiel der Micex-Aktienindex kurz nach der Handelseröffnung um 2,7 Prozent, der RTS gab um 3,5 Prozent nach. Die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard teilten mit, dass sie Zahlungstransaktionen für Kunden der Bank Rossija eingestellt hätten. Rossija wurde am Donnerstag von den USA mit Sanktionen belegt, weil dort "bedeutende Gelder der russischen Führung" deponiert seien.

Rossija teilte mit, man werde die Arbeit wie gewohnt fortsetzen. Allen Verpflichtungen gegenüber Kunden und Partnern werde nachgekommen. Auch der stellvertretende russische Finanzminister Alexej Moiseew beteuerte, er erwarte vorerst keine größeren Auswirkungen der Sanktionen. "Im Moment sehe ich keine ernsthaften Konsequenzen für den Finanzsektor", sagte Mooisew.

US-Ratingagenturen stufen Russland herab

Der Politiker widersprach auch Einschätzungen von Rating-Agenturen, wonach die Krim-Krise Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit des Landes haben könnte. Nach der US-Ratingagentur Standard & Poor's hatte kurz zuvor auch der Konkurrent Fitch Russland schlechter eingestuft. Fitch teilte am Freitag mit, die wirtschaftlichen Aussichten Russlands würden von stabil auf negativ herabgesetzt. Diesen Schritt hatte Standard & Poor's bereits am Vorabend vollzogen.

Auf der US-Sanktionsliste steht seit Donnerstag auch der russische Milliardär Gennadi Timtschenko, der offenbar gerade noch rechtzeitig reagierte. Nach Angaben des Unternehmens trennte sich Timtschenko am Mittwoch von seiner Beteiligung am Rohstoffhandelskonzern Gunvor. Er habe die Anteile an seinen schwedischen Geschäftspartner Torbjörn Törnqvist verkauft, den Vorstandschef von Gunvor. Dieser sei jetzt mit 87 Prozent Mehrheitsaktionär des Unternehmens, das unter anderem mit Öl und Gas handelt und Sitze in der Schweiz und den Niederlanden hat.

Timtschenko gehört zu einer Reihe von Verbündeten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, gegen die von der US-Regierung am Donnerstag wegen des Krim-Konflikts Sanktionen verhängt wurden. Zu ihnen gehören auch die Brüder Arkadi und Boris Rotenberg, die das US-Magazin "Forbes" zu den einflussreichsten Unternehmern Russlands zählt und die Jugendfreunde und Judo-Sparringspartner von Putin sind. Timtschenko habe enge Geschäftsbeziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, sagten US-Regierungsbeamte dem "Wall Street Journal". Mit der Aufnahme in die US-Sanktionsliste wird unter anderem das Vermögen der betroffenen Personen eingefroren.

Nach den USA hatten am Donnerstagabend auch die europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel die Sanktionen gegen Russland verschärft. Als Reaktion auf die angestrebte Eingliederung der ukrainischen Halbinsel Krim in die Russische Föderation wurden Einreise- und Kontosperren ausgeweitet. Die EU erweiterte ihre Sanktionsliste um zwölf weitere Personen auf nunmehr 33 Menschen, die von den Strafmaßnahmen betroffen sind. Außerdem wurde der erste Schritt für mögliche Wirtschaftsstrafmaßnahmen unternommen. "Wir haben die Kommission gebeten, dass sie zu solchen möglichen wirtschaftlichen Sanktionen in einem breiten Bereich vorbereitende Arbeiten trifft", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

dab/dpa/Reuters/AFP

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Seite 1
fahrenheit 21.03.2014
1. Schon wieder ein von Amis bezahlte Artikel!
Immer nur die halbe Wahrheit! Die Ranking der Russland abgestuft, nur weil wegen der Sanktionen ein Rückgang der Wirtschaft zu erwarten SEI ...! Ein Oligarch verkauft seine Anteile....na und, was hat das mit Sanktionen zu tun? Oder heißt es ab jetzt, alles was Russen verkaufen, nur weil sie Angst vor Sanktionen haben? Wo leben wir? Spiegel ist nicht mehr DAS Spielel, wie es mal war! Tfuj
ewspapst 21.03.2014
2.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEAktienkurse gehen auf Talfahrt, Ratings sinken, Visa und Mastercard stellen Transaktionen für die Rossija-Bank ein: In der russischen Wirtschaft zeigen sich Folgen der Sanktionen. Ein Oligarch verkaufte gerade noch rechtzeitig Firmenanteile. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-konflikt-sanktionen-gegen-russland-zeigen-ertse-wirkung-a-959951.html
Sind wir als Bürger wirklich so dumm, zu glauben, dass durch Einreiseverbote und Kontensperrungen von einigen Russen, die dortige Wirtschaft so beeinträchtigt ist, dass sie den Bach hinuntergeh? ich würde eher glauben, einigen Leuten ist das Hirn abhanden gekommen.
Peter.Lublewski 21.03.2014
3. Im Kindergarten
Das geht noch so lange, bis die so genannten Politiker von den Bossen aus Banken, Industrie und Handel, also den wirklich Mächtigen, zurückgepfiffen und veranlasst werden, sich wieder auf ihr Stühlchen zu setzen und den Mund zu halten. Wie im Kindergarten, der Vergleich sei erlaubt.
theresia 21.03.2014
4. optional
Ohne das Vorgehen Putin's in der Krim-Frage bewerten zu wollen, das ganze "Sanktionstheater " ist kontraproduktiv. Hält sich Putin von weiteren Gebietsansprüchen im Osten der Ukraine zurück, ist das ganze Thema " Krimannektion" beendet.
ptb29 21.03.2014
5. Nun, wenn die Ratingagenturen mal wieder
ein Land runterstufen, muss das nicht an Sanktionen liegen. Wir sollten nicht vergessen, dass das amerikanische Agenturen sind. Ein Oligarch ist von den Sanktionen betroffen, immerhin. Heute las ich, Angela Merkel guckt hin, woher ihr Gas kommt, was für ein Blödsinn, zumal der normale Wähler bzgl. Gas keine Wahl hat.
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