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Folgen der Krise: Gazprom verliert Milliarden an der Börse

Gazprom-Raffinerie: In einer Woche ein Sechstel des Börsenwertes verloren Zur Großansicht
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Gazprom-Raffinerie: In einer Woche ein Sechstel des Börsenwertes verloren

Die Krim-Krise reißt Russlands größtes Unternehmen ins Minus. Der Aktienkurs ist dramatisch gefallen, die Wertverluste belaufen sich auf Dutzende Milliarden Euro. Nun erwägt der Gasförderer Preiserhöhungen, ausgerechnet für die Ukraine.

Moskau - In der Krim-Krise gerät nun auch Russlands größtes Unternehmen unter Druck: Die Aktien von Gazprom stürzten am Morgen um zwölf Prozent ab und blieben über den Vormittag auf diesem Niveau. Innerhalb einer Woche büßte Gazprom sogar rund ein Sechstel seines Börsenwertes ein. Das entspricht rund 45 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

Das setzt mittelbar auch den russischen Staat unter Druck: Er hält eine Mehrheit von gut 50 Prozent der Gazprom-Aktien. Der weltweit größte Gasförderer ist der größte Arbeitgeber des Landes, unterstützt den russischen Staatshaushalt jedes Jahr mit Milliardenüberweisungen und ist ein wichtiger Devisenlieferant des Landes.

Der Gas-Riese war nicht das einzige russische Unternehmen, das an der Börse Federn lassen musste. Die im russischen Leitindex MICEX zusammengefassten Unternehmen verloren seit Freitag insgesamt knapp 60 Milliarden Dollar an Wert. Am montag rutschte der Aktienmarkt in Moskau zeitweise um mehr als zehn Prozent. Der russische Rubel sank zum amerikanischen Dollar auf ein Rekordtief.

Neben der allgemeinen Unsicherheit über den Ausgang des Konflikts, sind in der Ukraine auch handfeste wirtschaftliche Interessen von Gazprom bedroht. Nach einer Meldung der russischen Agentur Interfax hat die Ukraine die Gasschulden bei Gazprom auf zwei Milliarden Dollar beziffert.

Westen könnte ukrainische Gasrechnung bezahlen

Gazprom denkt bereits über Gegenmaßnahmen nach: Nach Angaben des Finanzvorstands prüft der Konzern eine Preiserhöhung für Gaslieferungen an die Ukraine nach dem ersten Quartal. Erst im Dezember hatte Russland den Gaspreis für die Ukraine gesenkt - das allerdings noch als Entgegenkommen für dem inzwischen gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch.

Das Abkommen kann jedoch quartalsweise gekündigt werden. Die Ukraine stellt sich bereits auf eine Kehrtwende von Gazprom ein und legt Vorräte an: Offenbar in Erwartung höherer Preise nimmt die Ukraine nach Angaben des ukrainischen Gasnetzbetreibers Uktransgas derzeit doppelt so viel Gas von Russland ab wie vor einem Jahr.

Westliche Länder überlegen aber, die Ukraine mit diesem Problem nicht alleinzulassen: Nach Angaben der Bundesregierung haben sie Kiew in Aussicht gestellt, das Land bei der Begleichung ihrer offenen Gasrechnung zu unterstützen. Deutschland und seinen Partnern sei es jetzt wichtig, der Ukraine bei ihren finanziellen Problemen zu helfen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Konkret werde es noch im März um eine Zahlung an Gazprom gehen. Darüber sollten in der nächsten Woche Gespräche geführt werden.

Eskalation in der Ukraine - Chronologie der Krise
Donnerstag, 20. Februar
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Sicherheitskräfte eröffnen in Kiew das Feuer auf Demonstranten. Fast 80 Menschen werden getötet. Damit eskalieren die wochenlangen Proteste in Kiew, die sich auch daran entzündeten, dass Präsident Wiktor Janukowitsch das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnen wollte. Die Europäische Union beschließt individuelle Sanktionen gegen Verantwortliche für die Gewalt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seine Kollegen aus Frankreich und Polen beginnen eine Vermittlungsmission.

Freitag, 21. Februar
AFP

Auf Vermittlung der drei europäischen Außenminister und eines russischen Abgesandten unterzeichnen die Oppositionsführer und Präsident Wiktor Janukowitsch eine Vereinbarung, die eine Präsidentschaftswahl bis Ende des Jahres vorsieht. Das Parlament beschließt die Rückkehr zur Verfassung des Jahres 2004 mit weniger Rechten für den Staatschef.

Samstag, 22. Februar
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Das Parlament enthebt Janukowitsch des Amtes und setzt für den 25. Mai eine vorgezogene Wahl an. Janukowitsch reist von Kiew in den Osten der Ukraine und taucht unter. Das Parlament wählt Alexander Turtschinow zu seinem Vorsitzenden. Zudem verfügen die Abgeordneten die sofortige Freilassung Julija Timoschenkos. Sie reist nach Kiew und ruft die Demonstranten auf dem Maidan zur Fortsetzung des Protests auf.

Sonntag, 23. Februar
AFP

Das Parlament wählt Turtschinow zum Übergangspräsidenten. Die USA und der Internationale Währungsfonds stellen Finanzhilfen in Aussicht.

Montag, 24. Februar
AFP

Die Übergangsregierung beziffert den Finanzbedarf der Ukraine auf 35 Milliarden Dollar (25,5 Milliarden Euro).

Dienstag, 25. Februar
AFP

In der Ukraine wird der nach Russland geflohene Janukowitsch wegen "Massenmords" gesucht. Boxweltmeister Vitali Klitschko erklärt seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl.

Mittwoch, 26. Februar
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Der proeuropäische Politiker Arseni Jazenjuk wird vom Maidan-Rat als Chef der Übergangsregierung nominiert. Kiew beantragt einen internationalen Haftbefehl gegen Janukowitsch. Putin ordnet eine gewaltige Militärübung an der Grenze zur Ukraine an. Auf der Krim kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der neuen Führung in Kiew.

Donnerstag, 27. Februar
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Prorussische Milizionäre besetzen den Regierungssitz und das Parlament in der Krim-Hauptstadt Simferopol. Jazenjuk wird als Regierungschef vom Parlament bestätigt.

Freitag, 28. Februar
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Bewaffnete in Uniformen ohne nationale Erkennungszeichen übernehmen die Kontrolle über zwei Flughäfen auf der Krim. Nach Angaben Kiews landen 2000 russische Soldaten auf einem Luftwaffenstützpunkt auf der Halbinsel. US-Präsident Barack Obama droht Moskau mit ernsten Konsequenzen, sollte die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine verletzt werden.

Samstag, 1. März
Getty Images

Das Oberhaus des russischen Parlaments stimmt Putins Antrag zur Entsendung von Truppen in die Ukraine zu. Kiew beschuldigt Russland, inzwischen 6000 Soldaten und 30 Panzerfahrzeuge auf die Halbinsel verlegt zu haben. Ein Referendum über den künftigen Status der autonomen Teilrepublik wird auf den 30. März vorverlegt. Die ukrainische Armee wird in Alarmbereitschaft versetzt.

Sonntag, 2. März
AP

Die Ukraine mobilisiert alle Reservisten, Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk wirft Moskau eine "Kriegserklärung" vor. Prorussische Milizen setzen ukrainische Soldaten auf der Krim in ihren Kasernen fest. Der gerade ernannte ukrainische Marinechef läuft in das Lager der prorussischen Regionalregierung der Krim über.

Die G-7-Staaten legen die Vorbereitungen für den für Juni geplanten G-8-Gipfel in Sotschi auf Eis. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirft Putin am Telefonat einen Verstoß gegen das Völkerrecht vor. Putin akzeptiert Merkels Vorschlag zu einem Dialog mit einer "Kontaktgruppe".

Montag, 3. März
DPA

Nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes setzt Russland die Verlegung von Truppen auf die Krim ungebremst fort. Die USA verlangen die sofortige Entsendung von OSZE-Beobachtern. Russlands Börsen und der Rubel brechen ein. Die EU-Außenminister ringen in Brüssel um eine gemeinsame Position zu der Krise.

Dienstag, 4. März
AP/ RIA Novosti

Erstmals meldet sich Russlands Präsident zu Wort: Wladimir Putin sagt auf einer Pressekonferenz, momentan gebe es keine Notwendigkeit für einen militärischen Einsatz. Generell ausschließen will er eine Intervention aber nicht. Das Pentagon beendet die militärischen Kooperationen mit Moskau. Am Abend testet Russland eine Interkontinental-Rakete – die USA waren vorab informiert. Auf der Krim fallen bei einer Konfrontation am Luftwaffenstützpunkt Belbek die ersten Warnschüsse des Konflikts.

ade/Reuters

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insgesamt 196 Beiträge
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1. Stellen Sie mich mal durch. Sofort.
cassandros 03.03.2014
Zitat von sysopdpaFür Russlands größtes Unternehmen steht in der Ukraine viel auf dem Spiel: Je näher eine militärische Konfrontation rückt, desto stärker fällt der Aktienkurs von Gazprom. Der Gasförderer erwägt nun Preiserhöhungen - für die Ukraine. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-gazprom-aktien-stuerzen-an-der-boerse-ab-a-956593.html
Wäre das jetzt nicht ein geeigneter - um nicht zu sagen, guter - Zeitpunkt für Gas-Gerd, beherzt zum Hörer zu greifen und seinen lupenreinen Kumpel anzurufen, um ihm unmißverständlich ins Gewissen zu reden: "Tach-chen, Wladi. Hör mal zu: So geht das nicht weiter. Schluß jetzt mit dem Unsinn. Basta!" Wäre doch ein guter Zeitpunkt. Oder?
2. Am Schluss finanziert Deutschland
nesmo 03.03.2014
noch Putins Krimabenteuer, indem es jeden Gazprompreis zahlt, jede erhöhte Rechnung für die Ukraine zahlt, und Gazprom die Sondergewinne an den russischen Staat abführt. Wer schlau ist, kauft jetzt Aktien norwegischer Gasunternehmen, bei denen steigt demnächst die Nachfrage deutlich..
3. Assets verticken
Roger11 03.03.2014
Zitat von sysopdpaFür Russlands größtes Unternehmen steht in der Ukraine viel auf dem Spiel: Je näher eine militärische Konfrontation rückt, desto stärker fällt der Aktienkurs von Gazprom. Der Gasförderer erwägt nun Preiserhöhungen - für die Ukraine. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-gazprom-aktien-stuerzen-an-der-boerse-ab-a-956593.html
Nun, wenn Gazprom in die Bredouille kommt, sollten sie schleunigst Prince Boateng auf die Transferliste setzen. So fängt man Verluste auf.
4. Beziehe
chappes 03.03.2014
meinen Strom von Gasprom, das werde ich natürlich schnellstmöglichst ändern.
5. Die Krim ...
Thorkh@n 03.03.2014
... kommt aber ganz schön teuer! Hat schon mal ein Staatschef zuvor binnen eines Wochenendes 45 Mrd. € verbraten?
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