Krim-Krise Gazprom droht Ukraine mit Lieferstopp

Gazprom mischt sich in die Ukraine-Krise ein. Der russische Energiekonzern droht, dem klammen Nachbarn den Gashahn zuzudrehen. Ein Lieferboykott würde auch EU-Länder hart treffen.

Gastank in der Nähe von Kiew: "Gefahr der Rückkehr zur Lage wie Anfang 2009"
REUTERS

Gastank in der Nähe von Kiew: "Gefahr der Rückkehr zur Lage wie Anfang 2009"


Moskau/Lubmin - Der russische Energiekonzern Gazprom Chart zeigen lässt mitten in der Krim-Krise die Muskeln spielen: Wenn die Übergangsregierung in Kiew ihre Schulden von derzeit umgerechnet 1,36 Milliarden Euro nicht bezahle, bestehe die "Gefahr der Rückkehr zur Lage wie Anfang 2009", sagte Konzernchef Alexej Miller am Freitag laut russischen Nachrichtenagenturen. 2009 hatte Gazprom die Gaszufuhr an die Ukraine unterbrochen.

Miller zufolge hat die Ukraine die Zahlungen für Gas faktisch eingestellt. Der 7. März sei für Kiew der festgelegte Stichtag zur Begleichung der Gaslieferungen im Februar. "Wir können Gas nicht umsonst liefern", sagte er. Die Ukraine müsse ihre Schulden und die Rechnungen für die laufenden Lieferungen bezahlen.

Auf der Direktverbindung nach Westeuropa über die Ostsee-Pipeline Nord Stream führten die Spannungen zwischen Russland und der EU bisher nicht zu einer Veränderung der Gaslieferungen. Derzeit sei die Leitung zu 61 Prozent ausgelastet, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG. Das liege innerhalb der technisch bedingten Schwankungsbreite von 60 bis 64 Prozent. "Es gibt keine Anzeichen, dass Gazprom den Gasstrom drosseln wird", hieß es. Die 1224 Kilometer lange Gasleitung zwischen Wyborg bei St. Petersburg und Lubmin bei Greifswald war im November 2011 in Betrieb genommen worden.

Dass die Ukraine finanziell am Abgrund steht, ist kein Geheimnis. Die neue Regierung hatte kurz nach der Machtübernahme selbst vor einer drohenden Staatspleite gewarnt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte am Dienstag, die Europäische Union werde der Ukraine bei der Begleichung ihrer Gasschulden an Russland helfen.

Eine Unterbrechung der Gaslieferungen an die Ukraine hätte starke Auswirkungen auf die EU. Russland liefert rund ein Viertel des in Europa verbrauchten Erdgases, die Ukraine ist dabei das wichtigste Transitland. Als Gazprom am 1. Januar 2009 die Gaslieferungen an die Ukraine wegen eines Handelsstreits drosselte, machte sich das in der Folge in mehreren EU-Staaten bemerkbar, unter anderem in der zu hundert Prozent vom russischen Erdgas abhängigen Slowakei.

dab/dpa/AFP

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insgesamt 18 Beiträge
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südwest3 07.03.2014
1. Es ist unfassbar...
... -Russland entwickelt sich innerhalb weniger Tage zum Schurkenstaat, der keinerlei Hemmungen kennt, den Ukrainern, die sich nicht Russland zuwenden, den Gashahn zuzudrehen. Soviel zur Liefersicherheit russischen Gases und - zum wiederholten Mal - dem Einsatz von Gas als Waffe. Es bleibt nur eines: Deutschland/Europa muss sich so schnell wie möglich nach alternativen Versorgungsquellen umsehen, auch mit dem Risiko, dass es dann etwas teurer wird oder die Umwelt durch Braunkohlekraftwerke belastet wird od. man entscheidet sich für längere Laufzeiten von AKWs. Europ. Firmen sollten sich möglichst rasch aus Russland zurückziehen, denn Putin kennt nur die Sprache des Geldes.
kenterziege 07.03.2014
2. Wir sollten uns
Zitat von sysopDPAGazprom mischt sich in die Ukraine-Krise ein. Der russische Energiekonzern droht, dem klammen Nachbarn den Gashahn zuzudrehen. Ein Lieferboykott würde auch etliche EU-Länder hart treffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-gazprom-droht-ukraine-mit-neuem-lieferstopp-a-957547.html
....so langsam aber sicher von Russland , als Gasversorger lösen. Leute die Energie als Waffe einsetzen, sind unseriös und unzuverlässig. Deutschland hat Geld und Gas gibt es auf der Welt genug. Es gibt ja inzwischen Gastanker die das Gas von überall heranschaffen. Dazu sollten bei uns noch mal die Speicherkapazität erhöhen. Wenn man zwei Jahre durchhalten kann, dann lässt es sich leichter umsteuern. Die Russen brauchen unser Geld. Die Oligarchen werden dem Putin schon einheizen, wenn kein Geld mehr kommt! Die Russen wären ohne Rohstoffe nichts, gar nichts!
Veterano48 07.03.2014
3. die Kommentare 1 + 2
beschreiben es deutlich: Russland ist kein verläßlicher Handelspartner. Ergo: kurz- und mittelfristig alle Handelsbeziehungen zurückfahren oder gleich ganz einstellen. Davon wird die EU nicht untergehen. In einem anderen Forum hat ein User zu Recht gesagt: was kommt aus der Ex-USSR außer Rohstoffe, nichts, naja ich habe den Lada vergessen. Den Russen genehme Staaten dürfen natürlich auch noch ihre Waffen kaufen.
haarer.15 07.03.2014
4. Zahlmeister EU
Und damit vorallem unser Land. Verträge sollten natürlich auch von der Ukraine eingehalten werden. Wenn sie das nicht können ... die Ursache ist klar. Das Land ist faktisch pleite. Und es kann mit Russland keine Kompensationsgeschäfte machen. Es hat nur Getreide und ein bisschen Eisenerzvorkommen. Die Industrie ist im Osten der Ukraine angesiedelt, wo man ohnehin prorussisch denkt. Ich sähe das Land lieber in einer Wirtschaftsunion mit Russland und seinen Partnern. Die Ukraine zählt aus deren Sicht nämlich immer noch als Bruderland. Sprache, Kultur und Mentalität ist ähnlich. Wenn dieses Land nun in die EU strebt, dann aber mal Gute Nacht.
klobalisierung.1~ 07.03.2014
5. Daran gibt es nichts zu meckern.
Zitat von sysopDPAGazprom mischt sich in die Ukraine-Krise ein. Der russische Energiekonzern droht, dem klammen Nachbarn den Gashahn zuzudrehen. Ein Lieferboykott würde auch etliche EU-Länder hart treffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-gazprom-droht-ukraine-mit-neuem-lieferstopp-a-957547.html
Wenn die Ukraine die Zahlungen faktisch eingestellt hat, hat sie auch keinen Anspruch mehr auf Gas und Öl. Warum sollte es denen besser gehen wie manchen Privatverbrauchern, denen der Energieversorger den Hahn zudreht weil nicht gezahlt wurde? Und was geht uns dieses Land überhaupt an?
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