Gazprom Deutsche Gas-Importe aus Russland steigen rasant

Seit dem Ausbruch der Krim-Krise wollen Politiker in Berlin und Brüssel unabhängiger von russischen Rohstoffen werden. Doch das wird schwer - wie neue Zahlen des Gazprom-Konzerns zeigen.

Gas-Pipeline: Abhängigkeit von Russland wird größer
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Gas-Pipeline: Abhängigkeit von Russland wird größer


Hamburg - Politik und Wirtschaft scheinen in diesen Tagen wie zwei Welten. Europas Regierungen verhängen Einreiseverbote gegen Politiker und Wirtschaftsbosse aus Russland, die Unternehmen treiben derweil - unterstützt von Berlin und Brüssel - munter Handel und verfestigen damit die gegenseitige Abhängigkeit. Besonders an den Zahlen für das vergangene Quartal kann man die Entwicklung gut ablesen.

Trotz des milden Winters steigerte der Energieriese Gazprom in diesem Zeitraum seine Gasverkäufe an seine Vertragspartner in Deutschland um mehr als 15 Prozent. Insgesamt habe der Export nach Europa auf 43 Milliarden Kubikmeter Gas leicht zugelegt, erklärte Gazprom am Freitag. Am meisten steigerte Großbritannien die Gaseinfuhr: Dorthin flossen 4,4 Milliarden Kubikmeter, 30 Prozent mehr als noch vor Jahresfrist.

Kaum gebremst schreiten auch die Verhandlungen für gegenseitige Beteiligungen voran: So steigt der Öl-Riese Rosneft mit 13 Prozent beim italienischen Reifenhersteller Pirelli ein - und wird damit zum wichtigsten Aktionär. Die italienischen Banken Intesa und Unicredit, die ebenfalls zu den neuen Eignern zählen, machten das Geschäft am Montag öffentlich. Demnach hält Rosneft die Hälfte an einer neuen Dachgesellschaft, der 26,2 Prozent der Pirelli-Anteile gehören. Weiterer Holdinggesellschafter ist neben den beiden Geldhäusern eine Investmentfirma des Pirelli-Verwaltungsratsvorsitzenden Marco Tronchetti Provera.

Nach Informationen einer mit der Angelegenheit vertrauten Person hat die Beteiligung einen Wert von insgesamt 750 Millionen Euro. Rund 500 Millionen bezahlt der russische Branchenprimus in bar und übernimmt zusätzlich Schulden in Höhe von rund 250 Millionen. Rosneft soll Pirelli unter anderem dabei helfen, die Geschäfte in Russland zu stärken. Dort hatte der Reifenproduzent zuletzt mit Problemen zu kämpfen. Das Land ist für ihn ein wichtiger Wachstumsmarkt.

Beteiligungen im Milliardenwert

Die Transaktion ist die dritte große Beteiligung russischer Investoren in Westeuropa binnen weniger Tage. Erst am Sonntag hatte der RWE den Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea für gut fünf Milliarden Euro einschließlich Schulden an eine Käufergruppe unter der Führung eines russischen Milliardärs bekannt gegeben.

Weder Pirelli noch RWE gingen auf die zunehmenden internationalen Spannungen wegen des geplanten Anschlusses der ukrainischen Halbinsel Krim an Russland ein. Ein RWE-Sprecher sagte lediglich, das Unternehmen habe wie bei solch großen Geschäften üblich die Bundesregierung informiert, die sich nicht dagegen ausgesprochen habe.

Doch auch in der Erdgasbranche machen die Konzerne beider Seiten munter Geschäfte. Dazu gehört auch der italienische Spezialist Saipem, der künftig am Gas-Pipeline-Projekt South-Stream mitbauen darf. Für rund zwei Milliarden Euro verlegen die Italiener einen ersten Abschnitt der Pipeline im Schwarzen Meer, wie Gazprom mitteilte.

Die Gesamtkosten für die Pipeline, die die Abhängigkeit Russlands von den bisherigen Transitländern Weißrussland und Ukraine verringern soll, belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro. Hinter South-Stream stehen Gazprom, der französische Energiekonzern EDF, der italienische Versorger Eni sowie die BASF-Tochter Wintershall.

mik/rei/Reuters

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