Folgen der Krim-Krise Russische Firmen wenden sich von deutschen Partnern ab

Deutsche Firmen verringern ihre Investitionen in Russland nicht immer freiwillig: Laut einem "FAS"-Bericht geben russische Unternehmen anderen Ländern derzeit häufig den Zuschlag.

Russische Öl- und Gasförderanlage: Industriekonzerne wollen nicht mit deutschen Firmen kooperieren
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Russische Öl- und Gasförderanlage: Industriekonzerne wollen nicht mit deutschen Firmen kooperieren


Berlin - Die Krim-Krise hat inzwischen offenbar negative Auswirkungen auf das deutsche Russland-Geschäft. "Viele deutsche Firmen, die noch im vergangenen Jahr in Russland investieren oder eigene Produktionsstätten errichten wollten, haben diese Pläne jetzt aufgegeben oder zurückgestellt", sagte Bernd Hones vom Moskauer Büro der German Trade and Investment, der bundeseigenen Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

"Das Gebot der Stunde" sei Vorsicht im Russland-Geschäft. Allerdings auf beiden Seiten: Deutsche Unternehmer in Russland hätten heute den Eindruck, dass russische Industriekonzerne es "für politisch angebracht halten, nicht mit deutschen Firmen Geschäfte zu machen", sagte Hones demnach weiter.

Tausende deutsche Firmen sind in Russland engagiert. Viele Konzerne wie Siemens Chart zeigen machen dort exzellente Geschäfte und investieren. Insgesamt sind die Investitionen schon seit 2013 rückläufig, ein Trend, der sich durch den Konfrontationskurs mit dem Westen noch verstärken könnte.

Der deutsche Russland-Handel war im vergangenen Jahr erstmals seit vielen Jahren geschrumpft. Im gleichen Jahr hat Italien seinen Handel mit Russland um knapp 18 Prozent gesteigert.

Das liegt nach Ansicht von Analysten auch daran, dass sich die italienische Politik mit Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in Russland sehr zurückgehalten hat. So habe der italienische Konzern Maire Tecnimont der "FAS" zufolge den Zuschlag für den Bau von Ammoniakwerken in der Nähe von St. Petersburg mit einem Investitionsvolumen von 900 Millionen Dollar bekommen, während der deutsche Mitbewerber leer ausging.

Die Aussichten für den deutschen Russlandhandel gelten auch in diesem Jahr als schlecht.

China ist in der Krim-Krise der lachende Dritte

Der Vorsitzende des deutschen Ost-Ausschusses Eckhard Cordes warnte nun davor, wenn Europa sich von Russland abwende, werde sich das Land nach China orientieren. "Russland würde sich, wenn Europa seine Energieimporte einschränkt, neue Absatzmärkte in China suchen", sagte Cordes dem Bericht zufolge. Daran könne Europa kein Interesse haben. China werde ohnehin "der Gewinner der gegenwärtigen Krise zwischen EU und Russland sein", sagte Cordes.

Andere gehen davon aus, dass eine Verringerung der deutschen Energieimporte aus Russland das Land sehr wohl treffen würde. Erst am Mittwoch hatte die Weltbank vor einer schweren Rezession in Russland gewarnt, die Wirtschaft werde um 1,8 Prozent schrumpfen. Denn: Die Investitionen gehen spürbar zurück, Kapital flieht ins Ausland, der Rubel stürzt ab, die Börse auch.

Alles deutet darauf hin, dass Russlands Wirtschaft auf eine tiefe Krise zusteuert. Die Ursache ist allerdings nicht in erster Linie der Konflikt in der Ukraine, auch wenn die westlichen Sanktionsdrohungen die Strukturprobleme der russischen Wirtschaft verschärfen.

Zwar hat sich das Tempo der Kapitalflucht deutlich erhöht, seit Putins Soldaten die Macht auf der Krim Anfang März übernommen haben. Andererseits lag die Kapitalflucht auch schon im Januar und Februar deutlich über den Werten des Vorjahreszeitraums. Zudem hat Russland in den vergangenen Jahren zu wenig getan, um unabhängiger zu werden von Öl und Gas.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag gefordert, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu reduzieren. "Es wird eine neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik geben", sagte sie nach einem Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Stephen Harper.

lgr

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kilroy-was-here 29.03.2014
1.
ich glaub, die Frau ist von Obama ferngesteuert. Anders kann's nicht sein.
vitamim-c 29.03.2014
2. Mutti
ist alt geworden.
vitamim-c 29.03.2014
3. Mutti
ist alt geworden.
vitalik 29.03.2014
4. Firmen
Zitat von sysopDPADeutsche Firmen verringern ihre Investitionen in Russland nicht immer freiwillig: Laut einem "FAS"-Bericht geben russische Unternehmen anderen Ländern derzeit häufig den Zuschlag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-russische-firmen-wenden-sich-von-deutschland-ab-a-961484.html
Ja, es gibt auch in Russland viele Firmen, die nichts mit Politik und Putin zutun haben und man kann die Menschen ja auch verstehen. Wie soll man gerade ein Projekt plannen, das mehr als paar Monate dauert, wenn die nächste Sanktionsstufe vor der Tür steht. Erst wird die Globalisierung gepredigt und die Firmen bauen Kontakte länderübergreifen aus und nun soll man damit aufhören.
LiRaWiWi 29.03.2014
5. Ein etwas absurdes Theater, was unsere Politiker,
zum Schaden Europas uns vorführen. Von Merkel zu Hollande , von Tusk bis Obama und der Herr von der NATO Herr Rassmussen ohnehin - warnen vor dem aggessiven expansionistischen Russland , das eingegrenzt werden muss und dass wir zwingend in Europa mehr für Rüstung ausgeben müssen. Ein blick in frei zugängliche Daten zeigt, dass allein die 5 größten NATO Staaten ( USA / F / UK / D / PL ) in 2012 je nach Quelle zwischen 860-950 Mrd USD für ihr Militär ausgeben ( wobei der größte Teil mit 680-730 Mtd USD auf die USA entfällt . Russland kommt je nach Quelle auf 68 - 90 Mrd USD. Unsere(??!??) Politiker halten ihren Pöbel wirklich für total und komplett dumm . Wenn es bei B..D . morgen ein Interview mit Herrn Rummenigge geben würde, indem er dem SC Freiburg vorwirft, dass diese massiv gegen das Financial Fair-Play verstoßen, würdem sich alle B..D Leser vor Lachen krümmen. Aber unsere Politiker muten uns den Wählern das zu . Wenn dabei dann langfristig ein guter wirtschaftlicher Kooperations-Partner sich umorientiert, hat halt mal wieder nur der Wähler , der ja auch Arbeitnehmer ist Pech gehabt . Nach dem Iran - der wirtschaftlich in der Kooperation wohl nun dauerhaft mit China verbandelt ist - wäre es nun Land 2 . BRAVO Politik
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