Sanktionen gegen russische Banken Angriff auf Putins Finanzzentrum

Mit der Bank Rossija ist erstmals ein russisches Unternehmen zum Ziel westlicher Sanktionen geworden. Das Finanzinstitut ist die Keimzelle des Systems Putin und wird von engen Vertrauten des Präsidenten kontrolliert. Seinen Ursprung hat das Netzwerk in einer Petersburger Datschen-Gemeinschaft.

Von und , Moskau und Hamburg

Rossija-Zentrale in St. Petersburg: In der Hand von Putins Freunden
DPA

Rossija-Zentrale in St. Petersburg: In der Hand von Putins Freunden


Die Mitteilung klang empört: "Ohne Vorwarnung" hätten die amerikanischen Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard ihre Zahlungsdienste für Kunden der Bank Rossija eingestellt, meldet das russische Finanzinstitut an diesem Freitag auf seiner Internetseite. Man werde alle Anstrengungen unternehmen, um dem Ärger der Kunden zu begegnen. Ganz ähnlich klingt es auch bei der russischen SMP Bank: Auch sie teilte mit, dass ihre Kunden nicht mehr mit ihrer Visa- oder Mastercard zahlen könnten.

Die Aktionen der beiden amerikanischen Kreditkartenunternehmen sind keine offiziellen Sanktionen, doch sie folgten unmittelbar auf die Ankündigung der US-Regierung, die am Donnerstag 20 weitere Russen auf ihre Sanktionsliste gesetzt und das US-Vermögen der Rossija Bank eingefroren hatte.

Zum ersten Mal im Konflikt um die Halbinsel Krim sind russische Unternehmen direkt von den westlichen Sanktionen betroffen.

Die Aktion zielte auf das finanzielle Herz des Putin-Clans. Als dieses Herz gilt vor allem die Bank Rossija. Auf den ersten Blick scheint sie wenig bedeutend: In der Rangliste der größten Banken des Landes nimmt sie gerade mal den 15. Platz ein. Doch Rossija ist in Wahrheit deutlich mächtiger. Das Finanzinstitut ist eine der Keimzellen der "Kreml AG". Eines Systems, das sich dadurch auszeichnet, dass Putins Vertraute Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Medien kontrollieren.

Exklusive Datschen-Gemeinschaft bei St. Petersburg

  Jurij Kowaltschuk
AFP

Jurij Kowaltschuk

Die Bank mit dem Werbeslogan "Russland - Land der Möglichkeiten" ist seit ihrer Gründung eng mit Putin verbandelt. Sie wird kontrolliert von Jurij Kowaltschuk, 1,4 Milliarden Dollar schwer, einem Jugendfreund des Präsidenten. Kowaltschuk, der auch auf der US-Sanktionsliste steht, hält nach offiziellen Angaben rund 30 Prozent an der Bank.

Weitere Anteilseigner sind Nikolai Schamalov und Dimitri Gorelow, auch sie zählen zu Putins Freunden.

Gemeinsam hatten die Männer in den neunziger Jahren die Datschen-Gemeinschaft "Osero" ("See") in der Nähe von St. Petersburg gegründet.

Aufnahme von Google Maps: Osero-See nahe St. Petersburg

Aufnahme von Google Maps: Osero-See nahe St. Petersburg

  Wladimir Jakunin
AFP

Wladimir Jakunin

Mit dabei waren damals neben Putin auch Wladimir Jakunin, heute mächtiger Chef der Eisenbahn und Andrej Fursenko, Putins ehemaliger Bildungsminister. Beide stehen mittlerweile auf der Sanktionsliste der Amerikaner (mehr zur Liste hier).

Die Gemeinschaft der Luxusschrebergärten besteht laut Medienberichten noch immer. Dass dort keine ganz normalen Laubenpieper ihre Wochenenden verbringen, zeigt unter anderem der zugehörige Hubschrauberlandeplatz.

  Andrej Fursenko
AFP

Andrej Fursenko

Die Bank Rossija hat ihre Ursprünge ebenfalls im St. Petersburg der frühen neunziger Jahre. Die Bank führte einst Konten für Führer der KPdSU und des Geheimdienstes KGB. Als im August 1991 in Moskau ein Putsch von Sowjet-Hardlinern gegen den damaligen Präsidenten Michail Gorbatschow scheiterte, wurde das Institut zunächst geschlossen und Ende des gleichen Jahres von Kowaltschuk reaktiviert.

Kowaltschuks Rossija bekam 1991 Aufträge von der Stadt Sankt Petersburg. Es ging um "Stabilisierungsfonds" für die Metropole und die Werbung ausländischer Investoren. In der Stadtverwaltung betreute Putin das Projekt, der damals Vizebürgermeister war.

Putin macht sich über die Sanktionen lustig

Heute ist Rossija nicht mehr nur Bank, sondern Kern eines ganzen Firmengeflechts. So hält das Finanzhaus die Mehrheit am zweitgrößten russischen Versicherungskonzern Sogaz, der wiederum die Gazprom-Bank und die Gazprom-Media-Gruppe kontrolliert. Zu Letzterer gehören unter anderem die Kreml-treue Zeitung "Iswestija", die Fernsehsender NTW und TNT sowie der Radiosender Echo Moskaus.

Über seine nationale Mediengruppe hat sich Kowaltschuks Rossija-Konzern vor drei Jahren zudem den früher rebellischen Privatfernsehsender Ren-TV einverleibt. Die Redaktion gilt inzwischen als politisch gezähmt.

Kowaltschuk verhält sich wie ein Treuhänder des Kreml. Kritiker wie der ehemalige russische Vizepremier Boris Nemzow behaupten sogar, der Milliardär sei in Wahrheit nur ein Strohmann und der wahre Besitzer der Bank Rossija niemand anders als Putin persönlich.

Beweisen kann das freilich niemand. Der Kreml dementiert jede Verbindung zur Bank. Putin selbst erlaubte sich am Freitag sogar ein Späßchen auf Kosten der Amerikaner. "Soviel ich weiß, handelt es sich um so eine mittelgroße Bank", sagte er, als er auf die Sanktionen gegen Rossija angesprochen wurde. Aus Solidarität mit dem Geldhaus wolle er am Montag ein Konto dort eröffnen.

Ob er das auch bei der zweiten betroffenen Bank SMP vorhat, ist nicht überliefert. Sicher hätte Putin aber auch hier Chancen auf gute Konditionen: Die beiden Großaktionäre von SMP sind langjährige Judo-Partner des Präsidenten.

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Loewe_78 21.03.2014
1.
Zitat von sysopDPAMit der Bank Rossija ist erstmals ein russisches Unternehmen zum Ziel westlicher Sanktionen geworden. Das Finanzinstitut ist die Keimzelle des Systems Putin und wird von engen Vertrauten des Präsidenten kontrolliert. Seinen Ursprung hat das Netzwerk in einer Petersburger Datschen-Gemeinschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-sanktionen-gegen-banken-rossija-und-smp-a-960093.html
Wann lesen wir im SPIEGEL denn über die deutschen Finanzseilschaften? Das wäre nämlich nicht nur genauso interessant wie die Seilschaften anderer Länder - es hätte darüber hinaus für den deutschen Leser auch noch Alltagsrelevanz...
Ernst August 21.03.2014
2. Biedermann und Brandstifter
Zitat von sysopDPAMit der Bank Rossija ist erstmals ein russisches Unternehmen zum Ziel westlicher Sanktionen geworden. Das Finanzinstitut ist die Keimzelle des Systems Putin und wird von engen Vertrauten des Präsidenten kontrolliert. Seinen Ursprung hat das Netzwerk in einer Petersburger Datschen-Gemeinschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-sanktionen-gegen-banken-rossija-und-smp-a-960093.html
Herr Kornblum hat neulich in einer Talkshow seine Befürchtungen Kundgetan indem er "befürchtet" das Russlands Wirtschaft leiden wird. Kollege Wolffsohn at gestern befürchtet das nun Ukrainische Extremisten im Bunde mit Kaukasus Terroristen Terroranschläge in Russland begehen könnten. Nun sind diese beiden Kollegen, und andere ihrer Kollegen, ja seit Jahren für ihre Sorgen bekannt. Daher weiß der Kenner dieser Kollegen das es sich nicht um ihre Sorgen sondern um ihre Pläne handelt.
fk85 21.03.2014
3. Medienboykott
Zitat von sysopDPAMit der Bank Rossija ist erstmals ein russisches Unternehmen zum Ziel westlicher Sanktionen geworden. Das Finanzinstitut ist die Keimzelle des Systems Putin und wird von engen Vertrauten des Präsidenten kontrolliert. Seinen Ursprung hat das Netzwerk in einer Petersburger Datschen-Gemeinschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-sanktionen-gegen-banken-rossija-und-smp-a-960093.html
Gerade auf Facebook gelesen, schon über 400 Antworten: Achtung! Anonymous ruft hiermit zum deutschlandweiten Boykott der Medien "Der Spiegel" "BILD" "Der Tagesspiegel" "Die Zeit" "FAZ", sowie der TV-Sender "ARD" "ZDF" und "Deutschlandfunk" auf. Jeder der diese Medien kauft bzw. konsumiert unterstützt aktiv die Kriegspolitik der Regierung-Merkel. https://de-de.facebook.com/Anonymous.Kollektiv Es formiert sich was in Deutschland!
unnameduser 21.03.2014
4.
Ich verstehe nicht.... was will der westen mit den Sanktionen erreichen? Etwa dass russen von Krim abziehen? das wird nie passieren die russen haben zu sehr dafür gekämpft...und ja ich sage bewusst Russen und nicht Putin. denn durch die wiedervereinigung krims stehen so viele russen hinter ihm wie nie zuvor...und wie gesagt dadurch fühlen sich alle russen angegriffen nicht Putin!
derandersdenkende 21.03.2014
5. Ja der Ursprung und Aufschwung von Bankinstituten kann sehr verschieden sein
Zitat von sysopDPAMit der Bank Rossija ist erstmals ein russisches Unternehmen zum Ziel westlicher Sanktionen geworden. Das Finanzinstitut ist die Keimzelle des Systems Putin und wird von engen Vertrauten des Präsidenten kontrolliert. Seinen Ursprung hat das Netzwerk in einer Petersburger Datschen-Gemeinschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krim-krise-sanktionen-gegen-banken-rossija-und-smp-a-960093.html
Im Falle Deutschlands war der Aufschwung der Deutschen Bank oder war es die Dresdner Bank eng mit einem Herrn Abs als Hitlers Kriegsfinanzier verbunden! Wie drückte sich damals doch ein gewisser Hartfield in künstlerischer Form in seinem legendären Plakat aus: Hinter ihm (Hitler) standen Millionen!
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