Daimler, Ford, Peugeot Wirtschaftskrise erfasst Autoindustrie

Peugeot und Citroën machen Milliardenverluste, Ford rutscht in Europa ins Minus, sogar bei Daimler schwächelt der Absatz: Die europäische Schuldenkrise trifft die Autoindustrie mit voller Wucht. Experten prophezeien, dass die Branche bald Fabriken schließen muss.

Fabrikneue Autos im Hamburger Hafen: Überkapazitäten in Europa
DPA

Fabrikneue Autos im Hamburger Hafen: Überkapazitäten in Europa


Stuttgart/Paris - Die Konsumenten in Südeuropa leiden unter der Schuldenkrise - das bekommen nun auch die Autohersteller zu spüren. Vor allem Produzenten von Klein- und Mittelwagen spüren die Kaufzurückhaltung. Der französische Marktführer PSA Peugeot Citroën Chart zeigen schreibt wie der deutsche Konkurrent Opel tiefrote Zahlen. Der US-Autobauer Ford Chart zeigen fürchtet 2012 in seinem Europageschäft einen Milliardenverlust. Und sogar beim Oberklassehersteller Daimler Chart zeigen schwächelt der Absatz.

"Die hohen Arbeitslosenraten und wirtschaftlichen Probleme in großen Absatzmärkten wie Spanien und Italien führen zu einem Einbruch der Nachfrage", sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. "Autos sind eine langfristige Investition. In schlechten Zeiten warten die Käufer lieber ab und sparen ihr Geld."

Bratzel prophezeit einen verstärkten Verdrängungswettbewerb in der europäischen Autobranche: "Wir haben in Europa große Überkapazitäten. Fünf bis acht Fabriken sind auf Dauer in Europa überflüssig." Derzeit gehe es nur noch darum, wer als Erstes nachgebe und Werke schließe. Große Konzerne wie Volkswagen Chart zeigen spielten dabei ihre Marktmacht aus, sagte Bratzel. "Sie halten auch schlechter ausgelastete Fertigungsanlagen am Leben - in der Hoffnung, Konkurrenten zu verdrängen."

Offenbar mit ersten Erfolgen: PSA Peugeot Citroën hat bereits eine Fabrikschließung angekündigt. Auch Fiat Chart zeigen müsste nach Bratzels Einschätzung eine Fabrik dichtmachen, bei Opel seien sogar zwei Werke überflüssig.

Frankreich legt großes Hilfsprogramm für Autokonzerne auf

Während die Opel-Mitarbeiter in Deutschland kaum mit Unterstützung der Regierung rechnen können, will die französische Regierung den heimischen Herstellern Peugeot, Citroën und Renault Chart zeigen unter die Arme greifen. Dazu sollen Käufer von Elektro- oder Hybrid-Autos künftig noch höhere Zuschüsse bekommen als bislang. Außerdem will die Regierung bei Neuanschaffungen in Ministerien und Behörden stärker Öko-Autos berücksichtigen.

Vor allem der französische Marktführer PSA Peugeot Citroën ist hart von der Absatzkrise getroffen. Diese sorgte im ersten Halbjahr 2012 für einen Verlust von 819 Millionen Euro. PSA kündigte ein Sparprogramm in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bis 2015 an. Erst vor knapp zwei Wochen hatten die Franzosen angekündigt, sie wollten 8000 Stellen streichen.

Ferdinand Dudenhöffer räumt dem Hilfsprogramm der französischen Regierung keine großen Chancen ein. "Das ist, wie wenn man versucht, einen Großbrand mit einem Glas Wasser zu löschen", sagte der Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. Solange die Euro-Krise andauere, werde Peugeot nicht aus dem Tal kommen, denn das Unternehmen verkauft 60 Prozent seiner Fahrzeuge in Europa. Der französische Autobauer habe die Internationalisierung "verpennt". Nun müsse PSA "Kapazitäten abbauen und auf niedrigem Niveau durch die Krise kommen".

Der Verkauf bei Daimler in Europa läuft nur noch schleppend

Die stark rückläufigen Verkäufe in Europa belasten auch den US-Autobauer Ford und könnten zu harten Einschnitten führen. Allein im zweiten Quartal fuhr der US-Autobauer in seinem Europageschäft einen operativen Verlust von 404 Millionen Dollar ein. Im Gesamtjahr dürfte in Europa ein Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar anfallen, erklärte der Konzern. Zu möglichen Werksschließungen sagte Finanzchef Bob Shanks: "Es ist zu früh, um im Detail über unsere Pläne zu reden, wie wir auf die Situation in Europa reagieren können."

Während Opel, PSA, Ford und Fiat mit Überkapazitäten kämpfen, haben Volkswagen und die Oberklassehersteller Daimler und BMW Chart zeigen bislang vom Wachstum vor allem in China und den USA profitiert. Inzwischen spürt aber auch Daimler die Probleme in Europa.

Immerhin: Der Stuttgarter Konzern kann bislang mit Verkäufen in Übersee und dem Geschäft mit Lastwagen gegensteuern. Daimler hat im ersten Halbjahr insgesamt weltweit so viele Autos abgesetzt wie noch nie. Dementsprechend kletterte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 28,9 Milliarden Euro. Allerdings schwächte sich die Entwicklung im Juni angesichts der Wirtschaftslage in Europa deutlich ab. Mit 131.139 verkauften Autos legte der Absatz zuletzt nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

Unterm Strich verdiente Daimler im zweiten Quartal mit rund 1,5 Milliarden Euro elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen erklärte den Gewinnrückgang auch mit Investitionen: Höhere Kosten zur Erweiterung der Modellpalette hätten sich ungünstig ausgewirkt, hieß es.

ssu/mmq/dpa-AFX

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Seite 1
nadennmallos 25.07.2012
1. Ist doch klar ...
Zitat von sysopDPAPeugeot und Citroën machen Milliardenverluste, Ford rutscht in Europa ins Minus, sogar bei Daimler schwächelt der Absatz: Die europäische Schuldenkrise trifft nun auch die Autoindustrie mit voller Wucht. Experten prophezeien, dass die Branche bald Fabriken schließen muss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846393,00.html
... dass irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Zum Einen ist der Markt gesättigt, zum Anderen haben die Leute weniger Geld zur Verfügung. Dazu kommt, dass die Autos (Mittelklasse und drüber) relativ teuer sind, was natürlich auch für den Unterhalt gilt. Liebe Lenker in Politik und Wirtschaft, wenn ihr wirklich mehr Umsatz und einen kleinen Gewinn einfahren wollt, dann sollten die Einen die Steuern senken und die Anderen den Gewinn für die Aktionäre. Dann habt ihr zwar etwas weniger, aber die Allgemeinheit eben deutlich mehr. Tja, und auch die ewige Preisdrückerei (z.B. der Zulieferindustrie) sollte aufhören, schlägt sich doch letzten Endes alles auf die Lohnkosten des kleinen Mannes nieder. Hier gilt der schon so oft zitierte Spruch vom alten Ford: Autos kaufen keine Autos! Aber die Wahrheit ist eben manchmal ganz einfach. Hinweis: Den Umweltgedanken habe ich mal außen vor gelassen, dass ist ein anderes Thema.
distel60 25.07.2012
2. Solche Programme ...
... können Werksschließungen nur auf Kosten der Steuerzahler verzögern, aber nicht verhindern. Es sei denn man produziert Autos, stellt sie auf Halde und verschrottet sie dann nach einiger Zeit wieder. Man kann ja schließlich niemanden dazu zwingen bestimmte Autos zu kaufen.
heldenmut 25.07.2012
3. ist gar nicht klar,
Zitat von nadennmallos... dass irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Zum Einen ist der Markt gesättigt, zum Anderen haben die Leute weniger Geld zur Verfügung. Dazu kommt, dass die Autos (Mittelklasse und drüber) relativ teuer sind, was natürlich auch für den Unterhalt gilt. Liebe Lenker in Politik und Wirtschaft, wenn ihr wirklich mehr Umsatz und einen kleinen Gewinn einfahren wollt, dann sollten die Einen die Steuern senken und die Anderen den Gewinn für die Aktionäre. Dann habt ihr zwar etwas weniger, aber die Allgemeinheit eben deutlich mehr. Tja, und auch die ewige Preisdrückerei (z.B. der Zulieferindustrie) sollte aufhören, schlägt sich doch letzten Endes alles auf die Lohnkosten des kleinen Mannes nieder. Hier gilt der schon so oft zitierte Spruch vom alten Ford: Autos kaufen keine Autos! Aber die Wahrheit ist eben manchmal ganz einfach. Hinweis: Den Umweltgedanken habe ich mal außen vor gelassen, dass ist ein anderes Thema.
die Rendite einer Aktienanlage bewegt sich so um die 2 bis etwa 6 % p.a., wenn es gut geht und die Dividende nicht gesenkt wird oder ausfällt. Abzüglich der Abgeltungssteuer. Da bleibt nicht viel oder gar nichts,um eine Steuersenkung zum Wohle der Allgemeinheit zu rechtfertigen. " Der Kleine Mann “ hat meistens absonderliche Vorstellungen, um an anderer Leute eld zu kommen.
L_P 25.07.2012
4. Neue Abwrackprämie
Wo sind die Stimmen, die nach einer neuen Abwrackprämie rufen? Mit dem Geld anderer Leute etwas kaufen und dabei die Industrie bereichern ist doch mehrheitsfähige wie sonst nichts.
Torfkopp 25.07.2012
5. Also irgendwie
Zitat von sysopDPAPeugeot und Citroën machen Milliardenverluste, Ford rutscht in Europa ins Minus, sogar bei Daimler schwächelt der Absatz: Die europäische Schuldenkrise trifft nun auch die Autoindustrie mit voller Wucht. Experten prophezeien, dass die Branche bald Fabriken schließen muss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846393,00.html
hatten wir das doch vor nicht allzu langer Zeit, als GM u.A. kurz vor der Pleite standen. Krise hin, Krise her : Ich möchte gerne einmal wissen, wie das Management der Automobilgroßen auf den absurden Gedanken kommt, "es ginge immer so weiter". Kraftfahrtzeuge sind KEINE kurzlebigen Konsumramschgüter !! Irgendwann ist jeder Markt soweit gesättigt, dass eben der Abschwung zwangsweise kommen muss. Ich weiß nicht, auf welcher Hochschule einem da etwas anderes gelehrt wird. Viel. sollten die Herrschaften mal in ihre eigenen Managergehälterkassen greifen und den Absatz ankurbeln, 5-6 Karossen pro Jahr dürften ja wohl drin sein.
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